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Griechenland-Pleite "Neue Kredite für Griechenland verschlimmern die Situation"

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Noch nicht zu spät

Im Falle Griechenlands dürfte das kein Problem sein. Der IWF, die EU-Kommission und die griechischen Behörden haben umfangreiches Datenmaterial, aus dem die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts, der Steuereinnahmen und der Sozialausgaben recht genau prognostiziert werden kann. Verhältnismäßig einfach zu ermitteln, sind auch die Vermögen: Goldbestände, Staatsunternehmen sowie Beteiligungen an privatwirtschaftlichen Betrieben und Grundstückswerte.

„Wir sind in der Praxis längst davon weg, alle Vermögenswerte eines insolventen Unternehmens zu Geld zu machen“, unterstreicht Flöther. Vielmehr werde genau geschaut, welche Infrastruktur nötig für einen Neuanfang ist und beispielsweise welche Maschinen oder Fahrzeuge eine Firma braucht. „Griechenland steht nicht zwangsläufig vor dem Ausverkauf“, leitet der Insolvenzverwalter auf den Umgang mit dem Euro-Krisenland ab. Aber alles müsse zur Disposition stehen.

Ein Tabu-Thema gäbe es aus seiner Sicht allerdings für die weiteren Verhandlungen: die Schuldfrage. Ob sich Griechenland in den Euro gemogelt, die Austeritätspolitik der Geldgeber die griechische Wirtschaft abgewürgt oder sich der IWF zu unnachgiebig gezeigt habe, müsse in den weiteren Gesprächen ausgeblendet werden. „Im deutschen Insolvenzrecht haben wir uns schon lange von der Schuldfrage gelöst“, so Flöther. Wer für was verantwortlich ist, sei höchstens eine Frage des Strafrechts. „In einem Insolvenzverfahren geht es nur darum, das Unternehmen zu erhalten, indem man es einem Restrukturierungsprozess unterzieht. Das muss auch bei Griechenland im Vordergrund stehen.“

Das sagen Analysten zur Lage Griechenlands

Noch sei es nicht zu spät für eine Einigung mit den Geldgebern, glaubt Flöther. Aber: „Wartet man mit einer Sanierung zu lange, ist das Vertrauensverhältnis zwischen Gläubigern und Schuldnern irgendwann völlig zerrüttet.“ Dieser Moment scheint unweigerlich näher zu kommen.

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