WiWo App Jetzt gratis testen!
Anzeigen

Griechenland Ökonomen fordern weiteren Schuldenschnitt

Seite 2/2

Schäuble gegen zweiten Schuldenschnitt

Die größten Nettoempfänger der EU
Ein bulgarischer Landwirt hält eine Nationalflagge während Protesten in Sofia Quelle: dpa
Eine Frau mit einer Rumänischen Flagge Quelle: dapd
Blitze über Bratislava Quelle: dpa
Die Altstadt von Vilnius Quelle: AP
Blick aus dem Rathausturm in Prag Quelle: dpa
Die Projektion der portugiesischen auf einem historischen Gebäude Quelle: REUTERS
Das ungarische Parlament Quelle: dpa

IWF-Chefin Christine Lagarde hat hingegen andere Idee: Sie will in Griechenland und anderen Euro-Schuldenstaaten die Sparschraube lockern und stößt damit auf den Widerstand der Bundesregierung. Griechenland solle zwei Jahr mehr Zeit zur Haushaltssanierung bekommen, sagte Lagarde am Donnerstag bei einer Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Tokio: "Manchmal ist es besser, etwas mehr Zeit zu bekommen."

Finanzminister Wolfgang Schäuble lehnte dies ab und wandte sich auch gegen einen zweiten Schuldenschnitt in Griechenland zulasten der öffentlichen Gläubiger. Aus Sicht der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute lassen sich die Probleme allerdings mit Reformen allein nicht lösen.

Lagarde sagte, sie sei wiederholt dafür eingetreten, dass angeschlagene Euro-Staaten mehr Zeit zur Konsolidierung bekämen. Auch bei Portugal und Spanien habe sie dafür plädiert. Dies gelte vor allem, wenn mehrere Länder gleichzeitig Sparprogramme auflegten, um ihre Defizite zu verringern. Griechenland wird bereits seit Anfang 2010 mit Milliarden des IWF und seiner Euro-Partner gestützt, steckt aber in einer tiefen Rezession fest. Zurzeit prüfen Inspektoren des IWF, der EZB und der EU, ob eine weitere Tranche von 31,5 Milliarden Euro aus dem 130 Milliarden Euro schweren zweiten Hellas-Hilfspaket ausgezahlt werden kann.

Schäuble: Forderungsverzicht rechtlich nicht möglich

Mit ihrer Forderung schlug sich Lagarde auf die Seite der griechischen Regierung, die zwei Jahre mehr Zeit verlangt, um die im Gegenzug für die Hilfen zugesagten Reformen umzusetzen. Sie will die Rezession nicht weiter verschärfen.

Der IWF hatte auch ins Gespräch gebracht, den Griechen weitere Schulden zu erlassen, nachdem die privaten Gläubiger dem Land im Frühjahr bereits 100 Milliarden Euro gestundet hatten. Diesmal wären allerdings die öffentlichen Geldgeber an der Reihe, bei denen mittlerweile der Hauptteil der griechischen Schulden liegt: Dies sind der IWF, die EZB und die Steuerzahler der anderen Euro-Staaten. Deutschland hat dem Land allein im Rahmen des ersten Hilfspakets 15,2 Milliarden Euro als Nothilfe überwiesen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Schäuble sagte dagegen, Europa sei auf Kurs und habe bereits mehr geschafft, als der übrigen Welt vielleicht klar sei. Ein Forderungsverzicht der öffentlichen Gläubiger sei zudem rechtlich überhaupt nicht möglich. Fast alle Euro-Länder hätten klare Regeln, dass eine Garantie oder einen Kredit nicht ausgereicht werden dürfe, wenn nicht einigermaßen gewährleistet sei, dass der Kredit zurückgezahlt und die Garantie nicht in Anspruch genommen werde. Damit machte Schäuble deutlich, dass ein Schuldenschnitt das Ende jeder weiteren Hilfen bedeuten würde.

Für die Wirtschaftsforscher steht dagegen außerfrage, dass es irgendwann zu einem Schnitt kommen muss. Deshalb sei es jetzt sinnvoll, einen Mechanismus zu etablieren, wie eine geordnete Staatspleite ablaufen könnte.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%