Griechenland S&P verweigert Pleite-Rating

Selbst wenn Anleihen im EZB-Bestand nicht bedient werden, ist Athen nach Ansicht der Ratingagentur noch nicht insolvent.

Diese Akteure entscheiden den Griechenland-Poker
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Griechenland wird nach einer neuen Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) nicht als Pleitestaat eingestuft, falls es die im Besitz der Europäischen Zentralbank (EZB) befindlichen Staatsanleihen nicht bedienen sollte. Dazu benutzt die weltgrößte Ratingagentur einen Taschenspielertrick: Sie hält die EZB nicht für einen privaten, sondern für einen öffentlichen Kreditgeber. Sollte Athen im Juli und August bei der EZB liegende, fällige Anleihen über 6,7 Milliarden Euro nicht bedienen, sei zwar eine Abstufung der Kreditwürdigkeit möglich.

Aktuell stuft S&P Athen auf ein Rating von CCC, was übersetzt ungefähr katastrophal schwache Bonität bedeutet. Bis auf die Stufe SD (selektive default, Ausfall) werde es aber nicht heruntergehen. Die EZB hatte die bald fälligen Papiere 2012 im Austausch für Anleihen erhalten, die sie zuvor im Rahmen ihres Ankaufprogramms SMP erworben hatte. Griechenland hatte seinerzeit SMP-Papiere über rund 50 Milliarden Euro eingetauscht, von denen jetzt ein kleiner Teil fällig wird. Auch diese Aktion war schon trickreich: Die EZB war vom damaligen Zahlungsausfall Griechenlands so nicht betroffen, während private Gläubiger bluteten.

An Griechenland hängt mehr als nur der Euro

EZB kein privater Akteur

S&P begründet seine aktuelle Einschätzung auf das künftige Rating Athens auf die Fähigkeit und den Willen der Regierung, ihre Verbindlichkeiten gegenüber privaten Gläubigern zu bedienen. Die EZB aber sei kein privater Akteur, sondern ein öffentlicher.

Die Argumentation ist jedoch bei Licht betrachtet oberflächlich. Denn Griechenland wäre ohne die EZB schon längst wieder pleite. Denn sie unterstützt die griechischen Banken mit Notkrediten und Liquiditätshilfen über zuletzt 118 Milliarden Euro, die wiederum die wichtigsten Halter von Athener Staatsanleihen sind. Zahlt also Athen nicht an die EZB, dann könnte diese auch die Milliarden-Notkredite an die Banken aussetzen oder zurückfordern. Das Perpetuum mobile bräche spätestens dann in sich zusammen.

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Merkwürdig ist, dass S&P diese Realität ausblendet, und sich stattdessen auf Feinheiten und Fußnoten in ihrer Ratingkategorisierung zurückzieht. Das könnte auch auf politischen Druck hin geschehen – vielleicht sogar von der EZB selbst. So oder so will die EZB griechische Banken am Geldtropf lassen. Die Liquiditätshilfen für die Geldhäuser würden fortgesetzt, solange diese solvent seien und über ausreichende Sicherheiten verfügten, sagte EZB-Präsident Mario Draghi erst am Montag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss im Europaparlament in Brüssel. Allerdings „müssen wir die Lage genau beobachten", so Draghi weiter.

In Griechenland herrscht jedoch Misstrauen. Allein am Montag haben griechische Institute Geldabflüsse von 400 Millionen Euro verzeichnet. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Insider.

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