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Griechenland-Wahl

Der Euroraum könnte vom Grexit profitieren

Die Troika will sich nach der Griechenland-Wahl nicht von einer neuen Regierung politisch erpressen lassen. Doch wahr ist auch: Ein möglicher Zahlungsausfall Griechenlands könnte für den Euroraum positiv sein.

Griechenland ist am schlechtesten in die EU integriert
Mann mit griechischer Flagge Quelle: dapd
Blick auf Warschau Quelle: dpa
Blick auf Riga Quelle: dpa
Blick auf das ungarische Parlament Quelle: dpa
Platz in Vilnius, Litauen Quelle: AP
Ein Mädchen winkt mit der schwedischen Flagge Quelle: dpa
Urmas Paet und Frank-Walter Steinmeier Quelle: dpa

In den aktuellen Umfragen liegt die Oppositionspartei Syriza und ihr Vorsitzender Tsipras noch immer knapp vorn. Gelingt Syriza im ersten oder zweiten Versuch der Sieg, dürften sich die ohnehin schwierigen Verhandlungen zwischen Griechenland und der Troika nochmals zäher gestalten.

Syriza, wenn auch nicht mehr so extrem positioniert wie vormals, fordert sowohl eine Abkehr von der Sparpolitik als auch ein Schuldenmoratorium. Die Positionen der Troika, die Griechenlands Sparanstrengungen in ihrer jetzigen Höhe für nicht ausreichend beurteilt und deswegen die Auszahlung fälliger Kredittranchen bereits zurückhält, und der Syriza-Partei könnten kaum gegensätzlicher sein. In Fragen der politischen Glaubwürdigkeit steht für beide Seiten einiges auf dem Spiel, was der Kompromissbereitschaft nicht zuträglich sein dürfte.

Griechenlands Schwächen

Bislang herrschte die Meinung vor, dass der wirtschaftliche Zwang oder die Sorge um die Folgewirkungen eines Scheiterns der Verhandlungen beide Seiten zur Einsicht zwingt. Was in den Vorjahren sicherlich noch zutraf, muss aber nicht zwangsläufig 2015 noch Gültigkeit haben.

Griechenland erwirtschaftet inzwischen einen Primärüberschuss. Das Land ist also nicht mehr auf Geldgeber zur Finanzierung der laufenden Ausgaben angewiesen. Die Gläubiger Griechenlands sind ganz überwiegend die öffentlichen Kreditgeber sowie internationale institutionelle Anleger. Griechische Banken und vor allem Privatleute aus Griechenland sind kaum noch in Schuldtiteln des Landes engagiert. Man wähnt sich so unabhängig vom Ausland wie schon lange nicht mehr.

Die Auswirkungen eines möglichen Zahlungsausfalles Griechenlands für die Kapitalmärkte sollten relativ gering sein. Der in den letzten Jahren aufgebaute institutionelle Rahmen im Euroraum, bestehend aus ESM und EZB-Hilfen, dürfte etwaige Schockwellen stark dämpfen und Ansteckungseffekte auf andere Länder des Euroraumes weitestgehend verhindern.

Das anstehende Ankaufprogramm von Staatsanleihen durch die EZB sollte zusätzlich mögliche Verunsicherungen von Investoren relativ gering halten. Die EU hat also gute Gründe zu glauben, dass Griechenland inzwischen allgemein als isolierter Fall wahrgenommen wird.

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