Griechenland-Wahl "Wir sind keine radikalen Linken mehr"

Stelios Kouloglou, Abgeordneter des EU-Parlaments und Syriza-Mitglied, freut sich über den Sieg in Griechenland. Im Interview erklärt er, warum die Koalition mit einer rechten Partei erstrebenswert ist und wie Syriza Investoren anziehen will.

Stelios Kouloglou ist griechischer EU-Abgeordneter. Quelle: dpa Picture-Alliance

Wirtschaftswoche: Herr Kouloglou, Hand aufs Herz, haben Sie mit diesem deutlichen Sieg für Syriza gerechnet?

Stelios Kouloglou: Die vergangenen Tage haben mich optimistisch gestimmt. Wir haben nicht erwartet, dass die Auseinandersetzung mit Vangelis Meimarakis [dem Parteivorsitzenden der konservativen Nea Dimokratia, Anm. d. Red.] sich derart zuspitzt. Das ist im TV-Duell ja zu einer regelrechten Schlacht zwischen ihm und Alexis Tsipras ausgeartet. Doch Tsipras ist gestärkt daraus hervorgegangen. Der Wahlausgang ist auch ein großer persönlicher Triumph für ihn.

Aller Voraussicht nach wird Syriza wieder mit der rechten Partei der „Unabhängigen Griechen“ koalieren. Damit wiederholen Sie jene Regierung, die es bereits nach der Wahl im Januar gegeben hat. Warum war die Wahl dann überhaupt notwendig?

Die Neuwahl war notwendig, weil es dramatische Veränderungen innerhalb von Syriza gegeben hat. Das betrifft den Charakter und die Struktur der Partei. Vor den letzten Wahlen wollte Syriza die Austerität beenden. Jetzt, nach der Einigung mit den Geldgebern, verfolgt Syriza auch ein neues Programm. Wir akzeptieren den Deal. Er war nicht unsere Präferenz, aber wir akzeptieren ihn. Und das verändert die gesamte Strategie der Partei: Vor dem Deal war Syriza radikal links. Jetzt verfolgen wir eine moderate Politik.

Das sagen Analysten zur Lage Griechenlands

Welches Wirtschaftsprogramm verfolgt diese neue, gemäßigte Syriza?

Unser oberstes Ziel ist politische Stabilität. Denn erst dadurch wird Griechenland für Investoren interessant. Deshalb werden wir massiv gegen Korruption auftreten und sichere Verhältnisse schaffen.

Wie geht es mit den angestrebten Privatisierungen weiter? Fraport möchte 14 griechische Flughäfen mieten und betreiben.

Sie können davon ausgehen, dass wir die Privatisierungen umsetzen werden.

Warum bevorzugen Sie als linke Partei eigentlich ausgerechnet einen Koalitionspartner von Rechtsaußen? Sie hätten doch andere Möglichkeiten.

So rechts außen sind die „Unabhängigen Griechen“ nicht. Sie sind eine rechtspopulistische Partei. Was sie auszeichnet, ist, dass sie eine neue Partei ist und nichts mit dem alten System zu tun hat. Nur mit einem Partner, der nicht in das Klientelsystem eingebunden ist, können wir Griechenland verändern.

Veränderung war bereits bei der letzten Wahl ein großes Versprechen. Besonders mit Hinblick auf die Bekämpfung von Korruption sind die Ergebnisse aber relativ bescheiden geblieben. Erst vor einigen Tagen wurden Korruptionsvorwürfe gegen den Syriza-Minister Alekos Flambouraris laut.

Moment, diese Korruptionsvorwürfe hat eine Tageszeitung erhoben und sie sind nicht gerechtfertigt. Flambouraris war Unternehmer. Seine unternehmerische Tätigkeit hat er mit seinem Ministeramt eingestellt. Es gibt keinen Interessenkonflikt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%