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Griechenland Wie die Nazis den Inselstaat ausplünderten

Der neue griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras fordert von Deutschland Reparationen. Damit rührt er an den Erinnerungen der Griechen an die deutschen Besatzer während des Zweiten Weltkrieges.

Griechische Flagge Quelle: dpa

Elf Milliarden Euro möchte Tsipras von Deutschland für einen Kredit in Höhe von 476 Millionen Reichsmark an Deutschland. Dazu zwangen die Nationalsozialisten 1942 die griechische Notenbank - Deutschland zahlte ihn nie zurück. 

Darüber ist jetzt ein großer Streit entbrannt. Die Bundesregierung lehnt Reparationszahlungen ab, weil Deutschland und Griechenland sich 1960 abschließend auf eine Beendigung des Kapitels geeinigt haben. Allerdings bezweifelte der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages diese Interpretation vor einem Jahr. Er wies unter anderem darauf hin, dass Alexis Tsipras die Rückzahlung des Zwangskredits nicht nur als Reparation, sondern als auch als „Geltendmachung eines vertragsrechtlichen Rückzahlungsanspruch“ betrachten konnte.

Würde Tsipras sich durchsetzen, so die „Bild“-Zeitung, könnte sich dieser Rückzahlungsanspruch laut Bundesfinanzministerium auf bis zu 62,5 Milliarden Euro belaufen. Entscheiden müsste im Zweifelsfall der Internationale Gerichtshof in Den Haag. 

Der Zwangskredit, den das Nazi-Regime den Griechen vor 73 Jahren auferlegte, ist nur ein kleiner Teil des wirtschaftlichen Übels, das die Deutschen während des Besetzung in dem Land anrichteten. Dies hat der deutsche Historiker Götz Aly in seinem Buch „Hitlers Volksstaat“ beschrieben. Danach hinterließen die Deutschen in dem Inselstaat eine Spur des Hungers, der Verelendung und Ausbeutung, des Todes.

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Geostrategisches Interesse

Als die Deutschen am 27. April 1941 in Athen einmarschierten, teilten sie das Land zusammen mit ihren italienischen und bulgarischen Verbündeten in drei Besatzungszonen auf, von denen die Reichswehr zunächst die nördliche Region um Saloniki erhielt. Von September 1943 beherrschte Deutschland abgesehen von der bulgarischen Besatzungszone ganz Griechenland.

Für die Nazis war Griechenland im Kampf gegen die britischen Seestreitkräfte von geostrategischem Interesse. Nachdem sie die Insel Kreta erobert hatten, begannen sie diese zu befestigen. Bezahlen mussten dies die Griechen. Historiker Aly spricht in seinem Buch von einem „äußerst kostspieligen, mit griechischen Drachmen bezahlten Ausbau“.

Im griechischen Tabak sah die Hitlerdiktatur eine willkommene Möglichkeit, sowohl die Kriegsmoral der deutschen Bevölkerung und Soldaten als auch die Einnahmen des Staatshaushaltes zu steigern. Zu diesem Zweck schafften die Deutschen Tabak aus Griechenland weg, dessen Menge den Jahresbedarf deutscher Raucher deutlich überstieg und der dem Reichsfiskus Tabaksteuern von fast 2,5 Milliarden Reichsmark bescherte.

Daneben, betont Aly, seien sämtliche Erze, Olivenöl, Korinthen sowie Seide für die Fallschirmproduktion außer Landes geschafft worden. Den Versand organisierte die Spedition Schenker, die heute zur Deutschen Bahn gehört.

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