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Griechenland Zufriedenheit abgestürzt wie in Kriegszeiten

Die Krise hat in Griechenland schwere Spuren hinterlassen. Quelle: dpa

Die Krise hat in Griechenland schwere Spuren hinterlassen. Glücksforscher Stavros Drakopoulos hat die dramatischen Auswirkungen auf die Zufriedenheit seiner Landsleute wissenschaftlich untersucht - und weiß, was hilft.

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Professor Drakopoulos, im Glücksatlas 2018 landen die Griechen bei der Lebenszufriedenheit auf dem letzten Platz in Europa, noch hinter ihrem armen Nachbarland Albanien. Hätten Sie das erwartet?
Das ist nicht überraschend, wenn man sich die katastrophalen Auswirkungen der Krise auf die Wirtschaft und die Gesellschaft in Griechenland ansieht. Wir dürfen nicht vergessen, dass in den Krisenjahren die Wirtschaftsleistung um beinahe 25 Prozent eingebrochen ist. Die Arbeitslosenquote 2013 schnellte auf annähernd 28 Prozent hoch - verglichen mit dem Stand von 2009 beinahe eine Verdreifachung. Aus der Glücksforschung wissen wir, dass das Bruttoinlandsprodukt und die Arbeitslosenquote entscheidend sind für das Glücksniveau eines Landes.

Decken sich die neuen Ergebnisse mit den Erkenntnissen aus Ihrer Forschung?
Selbst wenn wir andere Variablen und Methoden benutzen, kommen wir immer wieder zum selben Ergebnis: Die Gesamtzufriedenheit hat in Griechenland in der Krise dramatisch abgenommen. Eine derart rapide Verschlechterung der wichtigen wirtschaftlichen Kennziffern ist ein seltenes Phänomen in der entwickelten Welt. Das lässt sich eigentlich nur mit der Entwicklung in Kriegszeiten vergleichen.

Wie hat genau hat sich seit Beginn der Krise die Zufriedenheit entwickelt?
Wir sehen einen dramatischen Einbruch in der Zeit von 2015 bis 2017, verglichen mit den Anfangsjahren der Krise von 2008 bis 2010. In den anderen europäischen Ländern, die von der Krise betroffen waren, also Spanien, Portugal und Italien, beobachten wir Ähnliches. In den vergangenen Jahren zeigt sich in Griechenland dann wieder eine Erholung, was wahrscheinlich mit der Rückkehr zu Wirtschaftswachstum in den Jahren 2017 und 2018 zu tun hat und natürlich mit dem Rückgang der Arbeitslosenquote. Im World Happiness Report steht Griechenland 2018 auf Platz 79 von 156 Ländern. Der Tiefststand war 2015 mit Platz 102.

Zur Person

Welche Faktoren waren da genau am Werk?
Neben dem Einbruch bei den Pro-Kopf-Einkommen und dem Anstieg der Arbeitslosigkeit sehen wir, dass die Korruption die Zufriedenheit gemindert hat. Gleichzeitig hat die hohe Lebenserwartung das Zufriedenheitsniveau deutlich gestützt.

Hat eigentlich schon mal ein griechischer Politiker mit Ihnen über Ihre Forschungsergebnisse gesprochen?
Nein.

Was würden Sie raten, wenn ein Politiker Sie fragen würde, wie die Griechen wieder glücklicher werden könnten?
Wirtschaftswachstum und rückläufige Arbeitslosenquoten würden die Zufriedenheit heben. Außerdem hat die Sparpolitik die niedrigen Einkommensgruppen besonders stark getroffen. Eine Politik der Umverteilung würde das gesamte Zufriedenheitsniveau deshalb anheben. Das gilt übrigens für alle Länder, denn zusätzliches Einkommen schafft in den unteren Einkommensgruppen mehr Glück und Zufriedenheit als in höheren Einkommensgruppen. Eine Politik, die speziell in Griechenland besonders effektiv sein müsste, ist der Kampf gegen Steuerhinterziehung. Korruption schmälert die Zufriedenheit. Da Steuerhinterziehung ein wichtiger Aspekt von Korruption ist, müsste eine entschlossene Politik, die dafür sorgt, dass alle Steuern zahlen, einen starken positiven Einfluss auf das Glücksempfinden haben.

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