Griechische Banken Am Rand des Abgrunds

Der Abzug von Kundengeldern und ein wachsender Berg fauler Kredite bringen die vier großen griechischen Banken in Existenznot.

Eine Frau passiert die Nationalbank von Griechenland in Athen Quelle: REUTERS

Die führenden internationalen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch haben die Bonität der vier großen griechischen Banken, die zusammen rund 95 Prozent des griechischen Marktes kontrollieren, auf B– herabgestuft. Die griechischen Geldhäuser rangieren jetzt nur noch eine Stufe über „Default“, was gemeinhin heißt, sie sind praktisch pleite. Ein Default-Ranking hätte für die Banken dramatische Folgen: Sie würden gänzlich vom Interbankenmarkt abgeschnitten, kein anderes Geldhaus würde ihnen mehr Kredit gewähren. Ein Banken-Run würde einsetzen, ihre Liquidität austrocknen, sie müssten ihre Pforten schließen. Wie zur Warnung verringern die ausländischen Banken jetzt schon ihr Engagement bei den Griechen.

Dass sie die griechischen Banken bisher noch etwas besser als „insolvent“ bewertet, begründet Standard & Poor’s mit deren „Potenzial an außergewöhnlichem Kapital- und Liquiditätsbeistand durch die EU“. Für Fitch ist klar: „Die Note B– besagt, dass ein substanzielles Ausfallrisiko besteht und nur eine begrenzte Sicherheit gegeben ist, solange diese Banken Zugang zur Zentralbank-Finanzierung haben.“

Was droht Griechenland und seinen Banken?

Dass sie überhaupt noch existieren, verdanken die griechischen Banken der Rettung durch die Euro-Partner. Seit 2012 wurden sie mit 25 Milliarden Euro aus dem Europäischen Finanzhilfeprogramm EFSF sowie 11,4 Milliarden Euro privaten Geldern rekapitalisiert und auf vier systemisch wichtige Banken konzentriert: die Nationalbank von Griechenland (NBG), die Piräus-, die Alpha- sowie die Eurobank. An allen vier hält der griechische Bankenrettungsfonds HFSF beachtliche Anteile – zwischen 35,4 Prozent bei der Eurobank und 66,9 Prozent bei der Alphabank.

Aktuell hilft ihnen das nicht viel. Die durch den Wahlsieg von Syriza verunsicherten Griechen räumen ihre Konten, um ihre Euro zu Hause oder im Ausland in Sicherheit zu bringen. Moody’s schätzt, dass die Banken in den zwei Monaten bis Anfang Februar bereits 15 Milliarden Euro Einlagen eingebüßt haben. Andere Beobachter taxieren den Verlust auf 20 Milliarden Euro. Das wären mehr als zehn Prozent ihrer gesamten Einlagen, mehr als auf dem Höhepunkt der vorangegangenen Finanzkrise 2012.

Kennzahlen der vier griechischen Großbanken

Die vier großen Banken stehen aber nicht erst unter Druck, seit verängstigte Bürger ihre Konten plündern. Gravierender ist der Berg fauler Kredite, der mit der lang anhaltenden Rezession beständig wuchs. Ende 2013 summierten sich die problematischen Kredite, bei denen die Schuldner mit Zins und Tilgung im Verzug sind, auf rund 100 Milliarden Euro, mehr als ein Drittel ihres gesamten Kreditvolumens. Spitzenreiter war hier Ende 2013 die Alphabank. Fitch zufolge waren 45,6 Prozent ihrer Kredite faul. Und bislang wird es nicht besser, wie die Quartalsberichte einzelner Banken zeigen. So stieg der Anteil fauler Kredite im Portfolio der NBG in den neun Monaten bis September 2014 um knapp drei Prozentpunkte. Hätte sie nicht eine profitable Tochter mit erheblich geringerem Ausfallrisiko in der Türkei, stünde sie noch schlechter da.

Die notleidenden Kredite drohen die Banken in den Abgrund zu reißen. Denn gegen den Ausfall von Krediten haben sie zu wenig Vorsorge getroffen. Bei der Alphabank liegt der Anteil der durch Rückstellungen gedeckten notleidenden Kredite bei weniger als 40 Prozent. Am besten schneidet noch die Eurobank mit 46,5 Prozent ab. Doch auch das ist laut Fitch noch zu wenig, da die Immobilienpreise weiter auf Talfahrt sind und wegen der schwachen Wirtschaftslage noch viele Kredite notleidend zu werden drohen. Natürlich ist ein hundertprozentiger Ausfall unwahrscheinlich. Aber solvente Banken sichern ihre problembehafteten Kredite zu etwa 70 bis 80 Prozent durch Rückstellungen ab.

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