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Gustav Horn "Griechenland hat Fehler gemacht, Berlin aber auch"

Ökonom Gustav Horn von der Hans-Böckler-Stiftung hält nichts von Schuldzuweisungen in der Euro-Krise. Schließlich habe auch Deutschland gravierende Fehler begangen.

Der Direktor des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, Gustav Horn, hält nichts von Schuldzuweisungen in der Euro-Krise. Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Horn, wer hat mehr Schuld am Ausbruch der Euro-Krise: Deutschland oder Griechenland?

Gustav Horn: Ich finde die Schuldfrage unangebracht. Wir müssen nicht gegeneinander, sondern miteinander agieren, um die Währungsunion zu einem Erfolg zu machen. Wir sind voneinander abhängig. Regierungschefs, die zu Gipfeltreffen nach Brüssel reisen, um möglichst viel für ihr Land rauszuholen, schaden dem Projekt. Davon abgesehen hat sich gezeigt: Mit dem Finger auf Griechenland zu zeigen, wie es deutsche Medien und Politiker oft getan haben, trifft bestenfalls die halbe Wahrheit.

Zur Person

Griechenland hat die Maastricht-Kriterien dramatisch verfehlt und versprochene Reformen immer wieder hinausgezögert.

Die Ursache der Euro-Krise sind die unterschiedlichen Inflationsraten der Mitgliedsstaaten der Währungsunion. Jedes Land muss das Inflationsziel von knapp zwei Prozent einhalten. Sonst gibt es Probleme im Handel der Länder und die Außenhandelsbilanzen werden zu heterogen. Genau das ist passiert. Wir hatten unterschiedliche Inflationsraten über einen langen Zeitraum in den einzelnen Ländern. Also nicht über ein oder zwei Jahre, sondern zum Teil seit Beginn der Euro-Einführung. Griechenland hat das Inflationsziel über Jahre missachtet und Defizite aufgebaut. So ist der Schuldenberg immer weiter gewachsen. Allerdings hat auch Deutschland die Vorgaben nicht eingehalten und das Inflationsziel nach unten hin gerissen. So wurden die Probleme in Europa verschärft.

So verschuldet sind die Euro-Länder

Was hätte Deutschland Ihrer Meinung nach tun sollen?

Die Lohnentwicklung in Deutschland war zu schwach. Die Beschäftigten hätten mehr Geld bekommen sollen. Dadurch wären ihre Einkommen gestiegen und infolgedessen auch die Nachfrage und die Preise in Deutschland. Eine Lohnsteigerung von drei bis 3,5 Prozent wäre sinnvoll gewesen. Wir waren ungefähr bei der Hälfte.

Höhere Löhne hätten doch den zarten Aufschwung in Deutschland abgewürgt und für höhere Arbeitslosigkeit gesorgt. Damit wäre keinem geholfen gewesen.

Ich muss Ihnen widersprechen. Wir haben Simulationen angestellt. Das Ergebnis: Wir hätten beim Export Einbußen gehabt, ja. Aber gleichzeitig wäre die Binnennachfrage angekurbelt worden. Die Auswirkungen hier hätten überwogen, so dass unter dem Strich sogar neue Jobs entstanden wären.

Ein Gegenbeispiel ist Griechenland. Das Land hat sich nach der Euro-Einführung einen kräftigen Schluck aus der Lohnpulle genehmigt und damit an Wettbewerbsfähigkeit verloren?

Das stimmt. Lohnerhöhungen müssen mit Bedacht erfolgen. Griechenland war da zu optimistisch. Doch noch einmal: Es gibt keinen Alleinschuldigen. Die Südeuropäer haben Fehler gemacht. Gleiches gilt aber auch für die Geberländer wie Deutschland, die Troika und die EZB. Sie haben den Krisenländern Sparmaßnahmen aufgedrückt, die die Länder in die Knie gezwungen haben. Griechenlands Wirtschaftsleistung ist um ein Viertel niedriger als vor der Krise. So entsteht Arbeitslosigkeit.

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