WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Hans-Werner Sinn "Europa ist auf dem falschen Weg“

Hans-Werner Sinn ist überzeugt, dass es für die Euro-Krisenländer besser ist, nicht länger am Euro festzuhalten. Am Ende seien sowieso immer die Steuerzahler der Eurozone die Leidtragenden, erklärt er im Interview.

Die höchsten Inflationen aller Zeiten
Turkmenistan, Januar 1992 - November 1993Währung: Manat Tägliche Inflationsrate: 5,71 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 12,7 Tage Quelle: Institute for Applied Economics, John Hopkins University Baltimore Quelle: AP
Armenien, Oktober 1993 - Dezember 1994Währung: Rubel Tägliche Inflationsrate: 5,77 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 12,5 Tage Quelle: REUTERS
China, Oktober 1947 - Mitte Mai 1949Währung: Yuan Tägliche Inflationsrate: 14,1 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 5,34 Tage
Griechenland, Mai 1941 - Dezember 1945Währung: Drachme Tägliche Inflationsrate: 17,9 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 4,27 Tage
Deutschland, August 1922 - Dezember 1923Währung: Papiermark Tägliche Inflationsrate: 20,9 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 3,70 Tage
Republika Srpska, April 1992 - Januar 1994Währung: Dinar Tägliche Inflationsrate: 64,3 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 1,41 Tage
Jugoslawien, April 1992 - Januar 1994Währung: Dinar Tägliche Inflationsrate: 64,6 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 1,41 Tage Quelle: dpa

Obwohl die Krisenpolitik der EZB die Eurozone wesentlich stabilisiert habe, sei Draghis Politik dem Präsidenten des Ifo Instituts ein Dorn im Auge, wie Hans-Werner Sinn im Interview mit dem Wall Street Journal zu verstehen gibt. Statt weiterhin wertvolle Zeit durch künstliche Senkungen der Zinsabstände zu vergeuden, sollten ernstzunehmende Reformen her. Die EU-Sorgenkinder müssten endlich den Gürtel enger schnallen.

Der Wirtschaftswissenschaftler an der Universität München lässt gegenüber dem Wall Street Journal außerdem verlauten, dass „die EZB ihr Mandat überschritten“ habe. Der Grund: die EZB lege den Steuerzahlern enorme Lasten auf, wobei fraglich sei, ob sie das überhaupt darf. Denn eigentlich sei es Aufgabe der Parlamente, fiskalische Maßnahmen zu entscheiden.

In erster Linie sei die Zinsentscheidung nützlich für den Kreditnehmer gewesen, sofern das Kapital aber „möglicherweise in ineffiziente Verwendungen gelenkt wird, wenn es gar keine Renditeanforderungen mehr gibt“, dann sei mit negativen Effekten zu rechnen. In einem solchen Fall seien das nichts anderes als Verluste. Dies bedeute, dass sich die EZB „in großem Umfang zur Gläubigerin von Banken“ mache. Im Falle einer Banken-Pleite, seien die Steuerzahler der Euro-Zone die Leidtragenden.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Sinn gibt zu verstehen: „Wir sind demokratisch auf dem falschen Weg in Europa, weil die EZB mit ihren Rettungskrediten in Vorlage gegangen ist und dann anschließend von der Politik verlangt, durch weitere Rettungskredite abgelöst zu werden.“ Die Konsequenz dessen sei seiner Meinung nach, über das Mandat der EZB neu nachzudenken. Dafür müssten die Verträge von Lissabon revidiert werden.

Letztlich müsse man an die Bevölkerung der EU-Krisen-Länder denken. Und für diejenigen sei es nicht die richtige Strategie, sich an den Euro zu klammern. Sein Vorschlag: Krisenländer aus der Eurozone sollten zeitweise austreten, um eine Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. „Ein Euro, in dem man nur ein- aber nicht austreten kann, ist ein Gefängnis“, erklärt er. Er verstehe den Absolutismus nicht, dass man aus dem Euro nur ein- aber nicht austreten könne.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%