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Hoffen auf 2014 So geht es den Euro-Krisenländern

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Italien

Der Ärger in Rom war groß, als die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) in der vergangenen Woche Italiens Bonität auf „BBB“ heruntersetzte. „Die Herabstufung ist nicht nachvollziehbar“, ließ das Finanzministerium verlauten. Die Bonitätsbewertung der drittgrößten Volkswirtschaft Europas liegt jetzt nur noch zwei Stufen über Ramsch-Niveau. Leider gibt es dafür Gründe. Italien steckt in der längsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Laut IWF dürfte die Wirtschaft in diesem Jahr um 1,8 Prozent schrumpfen.

Haushaltssaldo und BIP-Wachstum

„Die Wachstumsaussichten werden sich mittelfristig nur verbessern, wenn es zu umfassenden Reformen kommt“, warnen die IWF-Ökonomen. Fakt ist: Die italienische Justiz gehört zu den langsamsten der Welt, hinzu kommt ein riesiges Korruptionsproblem. Die Lohnstückkosten sind über die Jahre explodiert. All das wirkt sich negativ auf das Wachstum aus, das Italien dringend benötigt, um seine Schulden in den Griff zu bekommen. Diese betrugen im April fast zwei Billionen Euro, was rund 127 Prozent des BIPs entspricht.

Nicht marode Banken oder ein aufgeblasener Immobiliensektor sind Italiens größtes Problem, sondern die fatale Kombination aus Minuswachstum und leeren Kassen. Brüssel sprang der Regierung um Ministerpräsident Enrico Letta deswegen Anfang Juni bei und erlaubte, für „Zukunftsinvestitionen“ vom Konsolidierungskurs abzuweichen. Anders als der Gesamtschuldenstand liegt die jährliche Defizitquote im grünen Bereich; bisher rechneten Experten für 2013 mit einem Minus von 2,9 Prozent vom BIP.

Wissenswertes über Italien

Doch nun plant die Regierung Mehrausgaben von sechs Milliarden Euro. Mit dem Geld soll etwa die beschlossene Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Monate aufgeschoben werden. Auch die von der Vorgängerregierung eingeführte Immobiliensteuer steht auf der Kippe. Solche Pläne lassen vermuten, dass Rom vor allem Geschenke an die Bevölkerung finanzieren will. Experten zweifeln deswegen daran, dass Italien die Gnadenfrist aus Brüssel zu nutzen weiß.

„Die Regierungskoalition ist zu uneins, um wirksame Reformen durchzusetzen“, sagt Andreas Scheuerle, Italien-Analyst der DekaBank. Doch bleiben diese aus, werde „Italien auf Jahre hinweg nur schwach wachsen“. Immerhin: Für 2014 sagt der IWF ein Plus von 0,7 Prozent voraus.

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