WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Hoffen auf 2014 So geht es den Euro-Krisenländern

Seite 2/5

Portugal

Die jüngste Regierungskrise in Portugal hat für Aufruhr an den Finanzmärkten gesorgt. Doch wie es scheint, hat Regierungschef Pedro Passos Coelho mit einer Kabinettsumbildung die Koalition vorerst kitten können. Die neue Finanzministerin Maria Luis Albuquerque, zuvor Finanzstaatssekretärin, ist in der Euro-Gruppe bekannt und geschätzt.

Die politische Krise kam zu einem Zeitpunkt, wo das Schlimmste des schmerzhaften Anpassungsprozesses überstanden schien, den Portugal seit zwei Jahren durchläuft. Im ersten Quartal schrumpfte die Wirtschaft zwar nochmals um 0,4 Prozent, doch im vierten Quartal 2012 hatte das Negativwachstum 1,8 Prozent betragen. Die Industrieproduktion legt seit zwei Monaten wieder zu, die Handelsbilanz ist positiv. Die Arbeitslosenquote sank im Mai erstmals seit Beginn der Krise, liegt aber mit 17,6 Prozent noch auf hohem Niveau. Die Lohnstückkosten sind seit Ende 2008 um 2,3 Prozent gefallen, das Haushaltsdefizit schrumpfte von 10,2 Prozent (2009) auf etwa 5,5 Prozent in diesem Jahr. Bis 2016 hat Portugal noch Zeit, um das Defizit unter drei Prozent zu bringen.

Doch trotz aller Anstrengungen bleibt die Lage labil. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass Portugals Schuldenquote 2014 mit 124 Prozent ihren Höhepunkt erreicht. Die Experten von Barclays Capital warnen: Fällt das Wachstum schwächer aus als erwartet oder muss Portugals Zentralstaat für die Schulden seiner Staatsbetriebe aufkommen, die zu rund neun Prozent des BIPs mit staatlichen Garantien unterlegt sind, könnte die Schuldenlast auf bis zu 140 Prozent vom BIP hochschießen.

Die meisten Experten glauben daher nicht, dass Portugal nach dem Ende des dreijährigen ESM-Kreditprogramms Mitte 2014 finanzpolitisch wieder auf eigenen Füßen stehen kann. Das Schatzamt hatte zwar im Mai erstmals seit dem Hilfsantrag wieder erfolgreich eine zehnjährige Anleihe auf den Markt gebracht. Doch seitdem sind die Renditen wieder gestiegen. Portugal dürfte nach Auslaufen des EMS-Kredits „übergangsweise weitere Hilfe brauchen“, heißt es bei der Berenberg Bank. Eine Option wäre, dass Portugal als erstes Land das umstrittene Anleihekaufprogramm (OMT) der Europäischen Zentralbank (EZB) in Anspruch nimmt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%