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Hoffen auf 2014 So geht es den Euro-Krisenländern

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Spanien

So denkt Spanien über Europa
Im Internet waren die satirischen Landkarten des bulgarischen Designers Yanko Tsvetkov schon lange ein Renner. Er zeichnete jeweils den Blick verschiedener Gruppen oder Nationalitäten auf Europa und die Welt, in dem er die Namen der jeweiligen Länder durch Klischees ersetzte, die am häufigsten mit diesen Ländern assoziiert werden. Mittlerweile gibt es die Landkarten auch gebunden, als "Atlas der Vorurteile", erschienen im Knesebeck-Verlag. Auf 80 Seiten stellt der Designer dar, wie die verschiedenen Nationalitäten ihre Nachbarn wahrnehmen. Auch den Spaniern widmet Tsvetkov eine ganze Seite. Und die lassen kein Gutes Haar an ihren Nachbarn - nicht mal an den weiter entfernten. So stehen beispielsweise "verheiratete Priester" für Russland, Estland, Lettland und Litauen werden zum "Russischen Galizien" und Weißrussland zum "Russischen Franco". Ebenfalls wenig schmeichelhaft: Die Ukrainer sind aus Sicht der Spanier "Radioaktive Nannys". Quelle: Screenshot
Ähnlich charmant ist die spanische Sicht auf Rumänien: Wegen der vielen Alten- und Krankenpfleger, die von dort kommen und in anderen europäischen Ländern Arbeit suchen, ist Rumänien in der spanischen Europasicht schlicht das Land der Windelwechsler. Quelle: dpa
Sich selbst sehen die Spanier übrigens als "Café para todos" - also als Café oder beliebten Treffpunkt für alle anderen Europäer. Was ja auch nicht falsch ist. Quelle: dpa
Bei vielen Iren mag die spanische Einordnung als "Rotschöpfe" ja stimmen. Alle Briten unter "kotzende Touristen" zusammenzufassen, tut dagegen sicher sehr vielen Unrecht. Quelle: dpa
Die Türkei kommt mit "östliches Marokko" eigentlich noch recht gut weg. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Deutschland dagegen hat - Sparpolitik & Co. sei Dank - gar keinen guten Stand bei den Spaniern. Wegen der deutschen Rolle in der Euro-Krise wird Deutschland auf der Landkarte, die Spaniens Europasicht verdeutlichen soll, "Cruella de Merkel" genannt. Quelle: dpa
Schöne Strände, gute Küche und guten Wein haben die Spanier selbst. Was fällt ihnen darüber hinaus zu Italien ein? Auf der spanischen Seite im Atlas der Vorurteile steht statt Italien "Muttersöhnchen". Griechenland bekommt dagegen den Beinamen "schlechtes Olivenöl". Auch nicht nett. Quelle: AP

Regierung, Notenbank und die meisten Analysten sind sich einig: Spanien hat den Tiefpunkt der Rezession überschritten. Für das zweite Quartal deutet sich eine rote Null an, zwischen Juli und September könnte das BIP sogar leicht zulegen. Gut läuft vor allem der Export, der von Januar bis April um 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zulegte. „In den nächsten Monaten werden wir eine Reihe guter Daten sehen“, freut sich Wirtschaftsminister Luis de Guindos.

Auch der Finanzsektor stabilisiert sich etwas. Die Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und EZB hat im Juni ihre quartalsmäßige Überprüfung der spanischen Bankensanierung durchgeführt. Diese sei „auf gutem Wege“, lobt EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn. Bislang ist die Kreditklemme der Banken, die kaum gleichzeitig ihre Kapitaldecke stärken und das Kreditvolumen erhöhen können, ein zentrales Wachstumshemmnis auf der Iberischen Halbinsel. „In Spanien sind die Zinsen für kleinere Kredite um 2,3 Prozent höher als für hohe Kredite“, berichtet EZB-Chef Mario Draghi. Darunter leiden vor allem kleine und mittlere Betriebe.

Die Hoffnung der Spanier, spätestens 2014 wieder durchstarten zu können, hat allerdings einen Dämpfer erhalten. Der IWF hat soeben seine Wachstumsprognose für Spanien gesenkt. Statt bei plus 0,7 Prozent werde das Wachstum nahe null liegen – wegen zusätzlicher Sparmaßnahmen und einer sinkenden Dynamik der Weltwirtschaft. Damit ist der IWF pessimistischer als die EU-Kommission, die ein Plus von 0,9 Prozent erwartet. Erschwerend kommt hinzu, dass die Regierung durch einen Spendenskandal angeschlagen ist.

Der Ex-Schatzmeister der Regierungspartei Partido Popular (PP) belastet Premier Mariano Rajoy, der wie viele Parteigenossen Schwarzgelder aus illegalen Parteispenden erhalten haben soll. Ein Rücktritt des Regierungschefs würde das Land in neue Turbulenzen stürzen. Allerdings hat die sozialistische Opposition wenig Interesse an Neuwahlen – sie liegt in Umfragen hinter der PP.

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