Idee des Piraten-Gründers Euro-Rettung per 5000-Euro-Schein

Um den Euro zu retten, schlägt ein prominentes Mitglied der Piratenpartei die Einführung von 5000-Euro-Scheinen vor. Denn damit würde der Euro zur bevorzugten Währung bei illegalen Geschäften.

Der Gründer der Piratenbewegung in Schweden, Rickard Falkvinge, macht derzeit mit kruden Vorschlägen von sich reden. Quelle: dpa

Als der Urvater der Piratenpartei Anfang 2011 vom Parteivorsitz im Mutterland  Schweden zurücktrat, begründete Rick Falkvinge das mit Motivationsmangel. Er sei auf dem Titel des amerikanischen Time-Magazins, bei der BBC und Al-Jazeera gewesen, was könne da noch kommen? Seine Mission sei erfüllt.

Inzwischen sehnt sich Falkvinge offensichtlich wieder nach mehr Öffentlichkeit und sorgt mit teilweise kruden Thesen für Schlagzeilen. So forderte er erst kürzlich, den Besitz von Kinderpornografie zu legalisieren und setzte damit auch die deutschen Piraten unter Rechtfertigungsdruck.

Nun hat Falkvinge eine neue Idee in seinem Blog ausgebreitet. Darin geht es um, nichts weniger, als die Rettung des Euro.

Und die Lösung ist vergleichsweise simpel: Die Europäer müssten einfach 1000-, 2000-, und 5000-Euro-Scheine herausgeben.

Hintergrund ist nicht die drohende Inflation, sondern den Euro für illegale Geschäfte attraktiver als den Dollar zu machen. Schließlich wäre schon ein mit 1000-Euro-Noten gefüllter Aktenkoffer 15 mal so viel wert, wie eine Tasche voller Dollar, rechnet Falkvinge vor. Bei 5000er-Scheinen betrüge der Vorteil sogar das 50-fache.

Damit könnte der Euro beim Waffen- und Drogenhandel den Dollar ersetzen und in der Folge deutlich an Wert gegenüber der US-Währung zulegen. „Es wäre kein Rettungspaket für die tiefer liegenden, strukturellen Probleme, würde aber eine Atempause verschaffen, um die realen Probleme zu lösen“, schreibt Falkvinge. Er betont allerdings, dass es sich bei seinem Beitrag eher um ein Gedankenspiel, als einen konkreten Vorschlag handelt.  

Kriminelle lieben 500-Euro-Schein

So abwegig, wie seine Überlegung auf den ersten Blick aussieht, ist sie gar nicht. Schließlich ist bereits der 500-Euro-Schein bei Kriminellen enorm beliebt. Die italienische Notenbank wies in einem Bericht darauf hin, dass die Mafia die violetten Scheine bevorzugt nutze. Auch  Steuerflucht würde dadurch begünstigt. Das könnte einen möglichen Positiveffekt in Krisenstaaten konterkarieren, zumal die bewusste Förderung illegaler Märkte politisch nicht durchsetzbar wäre und auch von den USA kaum hingenommen werden würde.

Die Verstecke der Schwarzgeld-Schmuggler
"Haben Sie Bargeld dabei?"Zöllner kontrollieren stichprobenartig, ob Reisende hohe Bargeldsummen im Gepäck haben. Die Kontrollen können direkt am Grenzübergang stattfinden, aber auch durch mobile Einsatztrupps, die einige Kilometer im Landesinneren lauern. Wer mehr als 10.000 Euro dabei hat, muss dies den Zöllnern mitteilen. Wenn Reisende schweigen und die Ermittler trotzdem hohe Summen finden, informieren sie per Kontrollmitteilung das Finanzamt des Betroffenen. Quelle: Hauptzollamt Ulm
Schmuggelroute Bregenz - Lindau: Besonders häufig sind die Zöllner an den Grenzen zu Luxemburg und der Schweiz unterwegs. Zahlreiche Bargeldfunde melden traditionell die Beamten aus der Region Lindau am Bodensee. Dort - im Dreiländereck Schweiz-Österreich-Deutschland - kommen zahlreiche Steuerflüchtige vorbei, die ihr Schwarzgeld zurück in die Heimat schmuggeln wollen. Quelle: Hauptzollamt Ulm
Daten-CD's schrecken Hinterzieher auf: 2010 war für Deutschlands Bargeld-Fahnder ein Rekordjahr. Die Tatsache, dass der deutsche Fiskus eine CD mit Kundendaten der Schweizer Großbank Credit Suisse gekauft hatte, schreckte zahlreiche Hinterzieher auf. Viele entschieden sich für eine strafbefreiende Selbstanzeige beim Finanzamt, andere versuchten, ihr Geld heimlich zurückzuholen. Aber längst nicht allen Steuersündern gelang es, durch die Zollkontrollen zu schlüpfen. Quelle: Reuters
Angst vor dem Abkommen:Auch 2011 blieb die Angst vor Entdeckung groß - vor allem wegen des Steuerabkommens, über das Deutschland und die Schweiz verhandeln. Es sieht eine engere Kooperation der eidgenössischen Banken mit deutschen Steuerfahndern sowie eine pauschale Strafsteuer für Schwarzgeld vor. Ob das Abkommen in Kraft tritt, steht aber noch nicht fest, da die SPD Nachbesserungen fordert. Quelle: dapd
Scheine ohne Ende: Allein die Fahnder im Großraum Lindau (Bodensee) stellten 2011 rund drei Millionen Euro Bargeld sicher und fanden in den Unterlagen von Reisenden Konto- und Depotauszüge, die auf ein Auslandsvermögen von satten 500 Millionen Euro hindeuten. Schätzungen zufolge dürften sich daraus Steuernachzahlungen im mittleren zweistelligen Millionenbereich für den deutschen Fiskus ergeben - allein durch Funde in Lindau und Umgebung, wohlgemerkt. Quelle: dpa
Schlechtes Versteck im Koffer:Nur selten liegt das Bargeld ganz offen im Koffer wie im Fall dieses Krimi-Fans, den die Lindauer Zöllner kürzlich schnappten. Die meisten Schmuggler lassen sich bessere Verstecke einfallen. Quelle: Hauptzollamt Ulm
Cash am Körper: Großer Beliebtheit erfreuen sich Taschen, die unter der Kleidung ganz eng am Körper getragen werden. Anfang März erwischten Zöllner am Grenzübergang Bietingen einen 59-jährigen Metzgermeister aus Bayern, der 147.000 Euro in zwei Bauchtaschen schmuggelte. Wegen Nichtanmeldens des Bargeldes muss er nun ein Bußgeld zahlen, zudem wird sein Heimatfinanzamt informiert - dem er dann erklären muss, woher das Geld stammt. Quelle: Hauptzollamt Ulm

Schließlich sollen auch bei Terroristen schon die 500-Euro-Noten beliebt sein, die daher manchmal auch „Bin Ladens“ genannt werden. „Wir schätzen, dass mehr als 90 Prozent der 500-Euro-Noten, die in Großbritannien ausgegeben werden, in den Händen der organisierten Kriminalität gelangt sind“, erklärte Ian Cruxton, Sprecher der britischen Behörde zur Bekämpfung organisierter Kriminalität (SOCA)  vor zwei Jahren der BBC. Die Abgabe der Scheine wurde daher eingeschränkt.  

Ebenfalls zur Kriminalitätsbekämpfung hat Kanada 2002 die 1000-Dollar-Note aus dem Verkehr gezogen. In den USA ist bereits seit 1969 der Hunderter mit dem Porträt Benjamin Franklins die höchste Banknote. Scheine über 500, 1000 und 5000 Dollar wurden Ende der Sechziger zurückgezogen. Mit der Einführung elektronischer Zahlungsverfahren war damals zudem noch eine wertvollere Banknote überflüssig, die es bis dahin gegeben hat: der 10 000-Dollar-Schein.

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