Internationale Bedeutung des Euro Mehr Kredite werden in Euro abgeschlossen

Trotz Griechenlandkrise gewinnt der Euro international zunehmend an Bedeutung. Zwar ging der Euro-Anteil an den weltweiten Devisenreserven leicht zurück, Grund war aber vor allem der Kursrückgang.

"Der Euro ist stabil, der Euro ist stark"
Stärker als gedacht"Scheitert der Euro, scheitert Europa" ist einer der Sätze von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die vielen in Erinnerung bleiben. Mittlerweile wurde er ein wenig umgedeutet, an Griechenland dürfe der Euro nicht scheitern, hieß es kürzlich. Bisher sieht es danach auch aus, die Gemeinschaftswährung hält sich trotz des eskalierenden Griechenland-Dramas überraschend stabil. Auf Wochensicht verläuft die Entwicklung des Euro zum Dollar seitwärts, die Verluste vom Handelsbeginn am Montag hat die Gemeinschaftswährung wieder ausgeglichen. "Während sich die Lage in Griechenland zuspitzt, zeigt sich der Devisenmarkt weiterhin gelassen", schreibt die Commerzbank in einem Kommentar. Aus Sicht der Analysten liegt das vor allem an der Europäischen Zentralbank (EZB). "Die Lorbeeren gehören der EZB, die mit ihrem Versprechen, dass sie all ihre Instrumente nutzen würde, um Ansteckungseffekte einzudämmen, Spekulationen binnen kurzer Zeit den Garaus gemacht hat." Quelle: REUTERS
Retter in der NotOffenbar gibt es einige, deren Vertrauen in den Euro vor allem auf dem Engagement der Zentralbank fußt. Alle glauben das aber nicht: "Die Wette gegen den Euro war gefährlich und verlustreich”, sagt Ray Attrill, Chef-Devisenstratege der National Australia Bank in Sydney. „Es gibt genug Leute, die daran glauben, dass ein Austritt Griechenlands keine signifikanten Ansteckungseffekte haben wird und dass die EZB und die EU-Politiker alles tun werden, um den Euro zu stützen. Ich gehöre nicht dazu“. Quelle: dpa
Positive oder negative Folgen?Die Folgen eines Austritts des Landes aus dem Euro („Grexit“) würden am Devisenmarkt sehr unterschiedlich bewertet, begründet Lutz Karpowitz von der Commerzbank die geringe Reaktion der Märkte auf Griechenland-Meldungen. So sei die Gruppe derjenigen, die einen Austritt als positiv für den Euro bewerte, etwa gleich groß wie die Gruppe, die ihn negativ sehe. „Nach einem Grexit dürfte allerdings schnell klar werden, dass Ansteckungseffekte ausbleiben“, erwartet Karpowitz. Anfängliche Verluste würde der Euro zügig wieder gutmachen. Quelle: dpa
Ansteckungseffekte ja oder nein?Eine mittel- bis langfristige Gefahr für den Euro könnte von möglichen Ansteckungseffekten anderer Euro-Länder wie Spanien oder Portugal ausgehen. Österreichs Finanzminister rechnet nicht damit: "Der Euro ist stabil, der Euro ist stark", sagte Hans Jörg Schelling am Dienstag in Wien. Er erwarte durch den ungelösten Schuldenstreit mit Griechenland keine Finanzkrise. Selbst wenn sich die Griechen bei dem geplanten Referendum gegen die Vorschläge der internationalen Geldgeber aussprechen sollten, erwarte er keine "Ansteckungseffekte" für die Euro-Zone. Quelle: REUTERS
Untergang abgesagt?Insgesamt hält die Mehrheit der Analysten die Gefahr für den Euro für deutlich geringer als vor einigen Monaten. "Ein "Grexit" wird nicht mehr mit dem Ende des Euro verknüpft", sagt Claudia Windt, Analystin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Insgesamt habe die Untergangsrhetorik deutlich abgenommen. Quelle: dpa
VertrauensproblemEin Grexit könnte weniger ein Ansteckungs-, als ein Vertrauensproblem für den Euro werden. "Ein Austritt Griechenlands dürfte den Euro merklich schwächen", sagt Bernd Krampen, Analyst bei der NordLB. Davon würde zwar die heimische Exportwirtschaft profitieren, gesamtwirtschaftlich wäre der Vertrauensverlust allerdings problematisch. Quelle: REUTERS
Grexit oder Graccident Quelle: Marcel Stahn

Der Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone steht zwar auf der Kippe, aber die Gemeinschaftswährung ist bisher noch nicht so stark eingebrochen, wie das vielleicht zu erwarten gewesen wäre. Die Auswirkungen auf den Eurokurs halten sich trotz der Dramatik weiterhin in Grenzen, Investoren scheinen nicht unbedingt mit einem Grexit zu rechnen. Auch schon vor der Eskalation der Griechenland-Krise hat der Euro nach Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) international an Bedeutung gewonnen.

Der weltweite Anteil der in Euro abgeschlossenen Kreditgeschäfte stieg im ersten Quartal 2015 auf etwa 30 Prozent, wie die Währungshüter am Mittwoch in Frankfurt mitteilten. Das sind laut EZB neun Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum.

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Bei den weltweiten Devisenreserven machte sich dagegen der Kursrückgang des Euro bemerkbar. Laut EZB ging der Anteil der Gemeinschaftswährung an den Devisenreserven 2014 um 2,2 Prozentpunkte auf 22,2 Prozent zurück. Wenn man die Wechselkursschwankungen herausrechnet, blieb der Anteil des Euro den Angaben zufolge aber nahezu stabil. Seit Anfang 2014 war der Kurs des Euro von etwa 1,40 Dollar auf unter 1,10 Dollar gefallen.

Die derzeit unterschiedliche Geldpolitik in den USA und der Eurozone hat bisher laut EZB kaum spürbare Auswirkungen für die Bedeutung der Gemeinschaftswährung an den Finanzmärkten. „Trotz der unterschiedlichen Geldpolitik verlagern Devisenhändler derzeit ihre Portfolios im Schnitt nicht aus der Eurozone“, wird EZB-Direktor Benoît Coeuré zitiert. Während der Leitzins im Euroraum auf lange Zeit extrem niedrig bleiben dürfte, zeichnet sich in den USA die erste Zinserhöhung seit der schweren Wirtschaftskrise ab.


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