"Internationale Verankerung notwendig" Chef der Wirtschaftsweisen: Energiewende braucht Verbündete

Exklusiv

Der Vorsitzende der Fünf Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, hat die Bundesregierung aufgefordert, die Energiewende nicht im Alleingang durchzuziehen, sondern international Mitstreiter zu suchen.

Aus diesen Gründen schwitzt die Erde
Das BevölkerungswachstumDie Anzahl der Menschen auf der Erde wächst jedes Jahr um etwa 70 bis 80 Millionen Personen. Das entspricht fast der Bevölkerungsgröße Deutschlands. Bis 2050 soll laut Schätzungen der Vereinten Nationen die Weltbevölkerung auf knapp 10 Milliarden Menschen angewachsen sein. Dass die Kinder nicht hierzulande oder bei unseren europäischen Nachbarn geboren werden, ist hinreichend bekannt. Vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern in Afrika und Asien wächst die Bevölkerungszahl. Dadurch wächst auch der Bedarf an Rohstoffen, Energie, Wasser und Nahrung. Quelle: dpa
WirtschaftswachstumTrotz Kyoto-Protokoll aus dem Jahr 1992 hat sich der CO2-Ausstoß kaum verringert. Lediglich als 2009 aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise viele Industriestätten weniger produzierten, sank der Wert der Kohlendioxidemission auf 784 Millionen Tonnen. Schon ein Jahr später lag der Wert wieder bei 819 Millionen Tonnen. Dabei entsteht ein Großteil der Emissionen in nur wenigen Ländern wie China, den USA und der EU. Quelle: dpa/dpaweb
AutomobileWährend Carsharing und der öffentliche Nahverkehr in Ländern wie Deutschland in Zeiten hoher Bezinkosten viele Anhänger findet, ist der weltweite Trend eindeutig ein anderer. Immer mehr PKW fahren über den Globus. 2010 wurde erstmals die 1.000.000-Marke geknackt. Besonders viele Autos pro Einwohner werden in Monaco und den USA gefahren. Quelle: dpa
Kohle, Kohle, KohleDer seit Mai 2012 stetig ansteigende Ölpreis hat dafür gesorgt, dass Kohle wieder an Attraktivität gewonnen hat. Die Wiederauferstehung der Kohle ist für die Umwelt eine Katstrophe. Laut BUND sind Kohlekraftwerke mehr als doppelt so klimaschädlich wie moderne Gaskraftwerke. Die großen Dampfwolken aus den Kühltürmen der Kraftwerke machen ein anderes Problem deutlich: Mehr als die Hälfte der eingesetzten Energie geht meist als ungenutzte Wärme verloren. Quelle: dpa
AbholzungDas Handout der Umweltschutzorganisation WWF zeigt die illegale Abholzung eines Waldgebietes in Sumatra (Indonesien). Jährlich gehen knapp 5,6 Millionen Hektar Wald verloren. Die fortschreitende Abholzung von Regenwäldern trägt entsprechend mit zur globalen Erderwärmung bei. Denn die Wälder speichern Kohlendioxid. Quelle: dpa
RindfleischRinder sind wahre CO2-Schleudern. Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch in Brasilien erzeugt genauso viel klimaschädliches Kohlendioxid wie eine 1.600 Kilometer lange Autofahrt. In diese Rechnung fließen mehrere Faktoren ein. Zum einen können auf dem für die Rinder genutzten Weideland keine Wälder mehr wachsen. Zum anderen scheiden Rinder das klimaschädliche Gas Methan aus. Laut WWF sind in Deutschland fast 70 Prozent der direkten Treibhausemissionen auf die Ernährung mit tierischen Produkten zurückzuführen. Quelle: dpa
WegwerfgesellschaftNicht nur Unmengen an Verpackungsmüll produzieren die Deutschen. Wir schmeißen auch jede Menge Lebensmittel weg, pro Kopf etwa 100 Kilogramm pro Jahr. Auch diese Verschwendung wirkt sich massiv negativ auf das Klima aus. Quelle: dpa

„Angesichts eines deutschen Anteils von rund zwei Prozent an den globalen Treibhausgasemissionen ist klar, dass selbst eine in Deutschland perfekt umgesetzte Energiewende für das Klima völlig folgenlos bleiben wird – sofern sich nicht eine breite Allianz von Staaten auf einen vergleichbaren Pfad begibt“, schreibt der Vorsitzende des Sachverständigenrats für Wirtschaft und Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung in einem Gastbeitrag für die WirtschaftsWoche. Die deutsche Energiewende sei „im globalen Maßstab nicht mehr als eine Machbarkeitsstudie. Um seiner angestrebten Pionierrolle gerecht zu werden, muss Deutschland daher nicht nur die nationalen Hausaufgaben der Energiewende lösen, sondern vor allem ihre internationale Verankerung sicherstellen.“

Dazu müsse es gelingen, den Emissionshandel als Mittel zur Senkung des CO2-Ausstoßes zu reaktivieren. „Durch eine konsequente Erweiterung um weitere Sektoren, eine verlässliche Fortschreibung über das Jahr 2020 hinaus und die Optimierung des Handelssystems muss seine Rolle als Leitsystem der EU-Klimapolitik gestärkt werden“, schreibt der Ökonom. „Parallel dazu sollte sich die EU darauf verständigen, das europäische System des Emissionshandels durch die schrittweise Integration von Schwellen- und Entwicklungsländern mithilfe gezielter Transferzahlungen so weit auszubauen, dass ein im globalen Maßstab wirksamer Klimaschutz möglich wird.“

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