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Interview "Kampf gegen Geldwäsche hat oberste Priorität"

Nicos Anastasiades geht als Favorit in die zypriotische Präsidentschaftswahl am 17. Februar. In Zypern steht der Präsident an der Spitze von Staat und Regierung. Im Interview mit der WirtschaftsWoche bittet der konservative Politiker um Finanzhilfe - und verspricht, eine hart Hand gegen Korruption und Geldwäsche.

Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützte Nicos Anastasiades in seinem Wahlkampf. Quelle: REUTERS

Herr Anastasiades, wie schnell hoffen Sie, wird Zypern Hilfe aus dem ESM erhalten?

Ich hoffe schnell. Zypern hat den Zugang zu den Finanzmärkten 2011 verloren. Unser Bankensektor muss dringend rekapitalisiert werden, nachdem seine Liquidität durch den griechischen Haircut in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Außerdem benötigen wir Mittel, um unsere kurz- und mittelfristigen Haushaltsausgaben abzudecken. Die scheidende Regierung und die Troika haben sich im Prinzip auf die Bedingungen des Memorandums of Understanding geeinigt. Ein Großteil davon ist übrigens schon vom Parlament beschlossen, zumeist einstimmig. Ich hoffe, dass wir finanzielle Unterstützung so schnell wie möglich bekommen, denn sie ist das einzige Mittel, unsere Wirtschaft wieder auf den richtigen Weg zu bekommen.

Finden Sie die ausgehandelten Konditionen denn akzeptabel?

Das Memorandum of Understanding enthält bestimmte Punkte, denen wir nicht ganz zustimmen. Aus Verantwortung zu unserem Land und gegenüber unseren EU-Partnern werden wir aber das, was vereinbart ist, nicht wieder in Frage stellen. Nun ist der Zeitpunkt, Reformen einzuleiten, die Zypern aus der Krise führen. Wenn wir im Laufe dieses Prozesses unsere Haushaltsziele erreichen oder sogar übertreffen, dann werden wir die Gelegenheit haben, Verbesserungen vorzuschlagen. Dies betrifft Maßnahmen, die wir als ungerecht oder als schädlich für die Konjunktur empfinden. Wir verstehen jedoch voll und ganz, dass wir zunächst unsere Glaubwürdigkeit wiederherstellen müssen, um das Vertrauen unserer Gläubiger und der Finanzmärkte zurückzugewinnen.

Wissenswertes über Zypern

Welchen Betrag wird Zypern benötigen? Es ist von 17,5 Milliarden Euro die Rede, allerdings ist der Bedarf der Banken noch nicht abschließend geklärt. 

Wir wissen, dass die Regierung und die Zentralbank die Schätzungen zum Kapitalbedarf der Banken derzeit überprüfen, um den Verhandlungspartnern der Troika einen abschließenden Bericht übergeben zu können. Wir müssen das Ergebnis geduldig abwarten. Zypern ist allerdings ein kleines Land und es wird sich um keinen Betrag handeln, der ein großes Problem für die Eurozone darstellen wird. Es ist wichtig, das systemische Risiko für die Glaubwürdigkeit der Eurozone zu berücksichtigen, wenn die Finanzhilfe nicht rechtzeitig eintrifft.

Zypern hat im internationalen Vergleich einen großen Bankensektor. Muss er schrumpfen?

Wir müssen in der Tat darüber reden, unseren Bankensektor umzustrukturieren und zu rationalisieren. Das ist ja übrigens auch eine Säule des Plans, den Zypern mit der Troika vereinbart hat. Die Banken haben schon mit einem weitreichenden Umbau ihrer Bilanzen begonnen und ihre Abhängigkeit vom griechischen und anderen ausländischen Markt zurückgefahren. Wir sehen es auch als notwendig an, dass der Bankensektor umstrukturiert wird, damit er an Wettbewerbsfähigkeit gewinnt und das Risiko für die Gesamtwirtschaft sinkt. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass der zypriotische Bankensektor nach wie vor über signifikante Einlagen verfügt. Er weist übrigens auch ein im internationalen Vergleich gesundes Verhältnis von Krediten zu Einlagen aus. Der zypriotische Bankensektor hat durchaus das Potenzial, eine der starken Wachstumsstützen unserer Wirtschaft zu bleiben.

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