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Interview mit Oettinger Neuer Schuldenschnitt für Griechenland denkbar

Exklusiv

EU-Energiekommissar Günther Oettinger will den Druck auf die Mitgliedstaaten erhöhen, einen einheitlichen Binnenmarkt für Strom und Gas zu schaffen.

Günther Oettinger Quelle: dapd

Zur weiteren Gesundung Griechenlands hat der EU-Energiekommissar einen weiteren Schuldenschnitt nicht mehr ausgeschlossen. „Man kann einen Schuldenschnitt nicht ausschließen“, sagte Oettinger der WirtschaftsWoche, fordert aber zuvor weitere Reformschritte Griechenlands und der anderen unter hoher Verschuldung leidenden Länder Südeuropas. „Wir brauchen erst weitere Konsolidierungsfortschritte in Griechenland selbst, aber auch beispielsweise in Portugal. Und Fortschritte in eigenständiger Verantwortung in Italien und mit einem eingeschränkten Programm in Spanien. Erst dann ist ein Schuldenschnitt auch für die öffentlichen Gläubiger Griechenlands denkbar.“

Aktuell käme ein Schuldenschnitt zu früh. „Im Augenblick ist der Firewall nicht hoch genug und würde ein weiterer Schuldenschnitt in Griechenland automatisch Vertrauen zerstören. Das würde die Finanzierung der anderen Länder erschweren.“

Kuriose Folgen der Energiewende
Schwierige Löschung von Windrad-BrändenDie schmalen, hohen Windmasten sind bei einem Brand kaum zu löschen. Deshalb lassen Feuerwehrleute sie meist kontrolliert ausbrennen – wie im April in Neukirchen bei Heiligenhafen (Schleswig-Holstein). Quelle: dpa
Tiefflughöhe steigtDie Bundeswehr hat die Höhe bei nächtlichen Tiefflügen angepasst. Wegen Windradmasten kann die Tiefflughöhe bei Bedarf um 100 Meter angehoben werden. Der Bundesverband Windenergie (BWE) begrüßt, dass dadurch Bauhöhen von bis zu 220 Meter realisiert werden können. Die Höhe des derzeit höchsten Windradtyps liegt bei etwa 200 Metern. Quelle: dpa
Dieselverbrauch durch WindräderViele neue Windkraftanlagen entstehen – ohne ans Netz angeschlossen zu sein. Solange der Netzausbau hinterherhinkt, erzeugen die Windräder keine Energie, sondern verbrauchen welche. Um die sensible Technik am Laufen zu halten, müssen Windräder bis zu ihrem Netzanschluss mit Diesel betrieben werden. Das plant etwa RWE bei seinem im noch im Bau befindlichen Offshore-Windpark „Nordsee Ost“. Quelle: AP
Stromschläge für FeuerwehrleuteSolarzellen lassen sich meist nicht komplett ausschalten. Solange Licht auf sie fällt, produzieren sie auch Strom. Bei einem Brand droht Feuerwehrleuten ein Stromschlag, wenn sie ihren Wasserstrahl auf beschädigte Solarzellen oder Kabel halten. Diese Gefahr droht nicht, wenn die Feuerwehrleute aus sicherer Entfernung den Wasserstrahl auf ein Haus richten – aber, wenn sie dabei ins Haus oder aufs Dach gehen. Stromschlagsgefahr gibt es ebenso für Feuerwehrleute, wenn sie nach einem Straßenunfall Personen aus einem beschädigten Elektroauto bergen müssen. Quelle: AP
Störende SchattenWindräder werfen Schatten – manche Anwohner sehen darin eine „unzumutbare optische Bedrängung“, wie es das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ausdrückte. Es gab einer Klage recht, die gegen ein Windrad in Bochum gerichtet war. Im Februar wies das Bundesverwaltungsgericht die Revision des Investors ab. Das Windrad wird nun gesprengt. Quelle: dpa
Gestörte NavigationAuf hoher See wird es voll. Windparks steigern nicht nur das Kollisionsrisiko mit Schiffen. Die Rotoren stören auch das Radarsystem. Der Deutsche Nautische Verein schlägt daher vor, dass Windparks nur genehmigt werden, wenn die Betreiber auch neue Radaranlagen an den Masten installieren. Quelle: dapd
Windrad-LärmWindräder drehen sich nicht nur, dabei machen sie auch Geräusche. Je stärker der Wind, desto lauter das Windrad – und das wollen viele Bürgerinitiativen nicht hinnehmen. Ein Beschwerdeführer aus dem westfälischen Warendorf erreichte im September 2011 vorm Verwaltungsgericht Münster zumindest, dass eine Windkraftanlage nachts zwischen 22 und 6 Uhr abgeschaltet wird. Quelle: dpa

EU-Staaten müssen mehr für Energie-Binnenmarkt tun

EU-Kommissar Günther Oettinger will den Druck auf die Mitgliedstaaten erhöhen, einen einheitlichen Binnenmarkt für Strom und Gas zu schaffen. „Wir werden kommende Woche aufzeigen, welche weiteren Schritte notwendig sind“ kündigte Oettinger die Vorlage eines Zwischenberichts an. „Wenn wir jetzt den Stand und die Versäumnisse für alle 27 Mitgliedstaaten auflisten, wird das einen Schub auslösen, der zu weiteren Schritten führt. Transparenz ist Zuckerbrot und Peitsche.“

Die für 2014 vorgesehene Vollendung des Binnenmarktes sei bisher nicht ausreichend vorangekommen. „Es fehlt teilweise noch an der Umsetzung unserer Gesetzespakete in nationales Recht, dann geht es um die praktische Anwendung des Rechts. Binnenmarkt heißt Transparenz, Wettbewerb und möglichst wenig staatliche Beihilfen, also weniger Subventionen.“

Oettinger erwartet, dass der Binnenmarkt die Preisentwicklung dämpfen wird, auch wenn die Ersparnisse „auf Euro und Cent schwer auszurechnen“ seien. „Ich behaupte: Die Vollendung des Binnenmarktes wird keine fallenden Preise bringen, aber stark steigende Preise verhindern.“

Energiewende: Woher kommt der Strom 2020?
Braunkohlekraftwerk Garzweiler Quelle: dapd
Windkraft Quelle: dapd
Geothermie Quelle: dpa
Biomasse Quelle: dpa
Wasserkraft Quelle: APN
Solarkraft Quelle: dpa
Stromleitungen Quelle: dpa

Deutschland sollte Solarausbau bremsen

Oettinger rät der Bundesregierung, den Ausbau der Solarenergie in Deutschland stärker abzubremsen. Ansonsten werde Deutschland schon 2015 seine Obergrenzen erreicht haben und den Zubau praktisch einstellen. „Deshalb kann ich der deutschen Energiepolitik nur zu einer Geschwindigkeitsbegrenzung beim Ausbau der Erneuerbaren raten. Durch die neue Obergrenze für Solaranlagen ist der Anreiz sogar noch verstärkt worden. Der Deckel wird vermutlich 2015 erreicht sein“, warnt Oettinger im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Jetzt wird also alles mit der heute verfügbaren Technik zugebaut, die wir dann über 20 Jahre finanzieren. Und all der technische Fortschritt, der später kommt, geht an uns vorbei. Das ist weder energie- noch kosteneffizient.“

Oettinger kritisiert, dass das Erneuerbare Energiengesetz (EEG) dem Staat zu wenige Steuermöglichkeiten einräumt und fordert eine dringende Reform. „Das EEG war eine glänzende Idee für den Start, von null Prozent auf drei Prozent Fotovoltaik“, so Oettinger. „Jetzt müsste man die Förderung auf Energie- und Kosteneffizienz und an der Infrastruktur ausrichten. Wie in jeder anderen Branche sollte gelten: Es wird nur dort produziert, wo man die Ware auch abtransportieren kann.“ Doch diese Einflussmöglichkeit biete das EEG nicht. „In Deutschland entscheiden künftig 30 Millionen Hauseigentümer, wo der Strom produziert wird, und der liebe Gott, wann. Ich fürchte: Erst die steigenden Strompreise durch die EEG-Umlage oder Risiken bei der Versorgungssicherheit werden in Deutschland eine grundlegende EEG-Reform ermöglichen.“

Zudem hält Oettinger eine stärkere Harmonisierung der Bedingungen für die Stromproduktion aus erneuerbaren Energieträgern für erforderlich. „Wir glauben, dass für Solarparks oder Windparks Investoren nicht nur im eigenen Land, sondern europaweit die besten Standorte auswählen sollten, für Solarenergie beispielsweise Südeuropa. Das geht nur mit einer europäisch einheitlichen Förderung.“

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