Islamischer Staat So treiben wir den IS in die Pleite

Ignoriert vom Westen hat sich der IS zur reichsten Terror-Organisation der Welt gemausert – nicht zuletzt wegen der Untätigkeit zahlreicher Länder. Nun ist es höchste Zeit, den Dschihadisten die Geldquellen abzudrehen.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verwendet die Schahada, das islamische Glaubensbekenntnis, auf schwarzem Grund. Quelle: dpa

In der Nacht zum 17. Mai seilten sich US-Elitesoldaten der „Delta Force“ über dem Irak ab – und schlugen der Hydra namens „Islamischer Staat“ (IS) einen Kopf ab. Der Kopf hieß Abu Sayyaf und war ein ranghoher Kommandeur der Terrormiliz, die im Irak und in Syrien das Kalifat errichtet hat und sich im „heiligen Krieg“ gegen die „Ungläubigen“ im Westen wähnt.

Der Tod dieses Wirrkopfs ist es aber nicht, was Howard Shatz beschäftigt. Sondern sozusagen dessen buchhalterischer Nachlass, den die US-Truppen mitgehen ließen. Darin fand Shatz, Terrorismus-Experte der Denkfabrik RAND in Santa Monica, wichtige Hinweise auf die Finanzquellen des IS.

Nie zuvor hat die Welt eine so reiche Terrorgruppe gesehen wie den IS. Mindestens eine Million Dollar pro Tag verdienen die Terroristen mit dem illegalen Verkauf von Öl, schätzt David Cohen, der oberste US-Steuerfahnder. Analytiker Howard Shatz nennt Öl aber nur als eine von vielen Geldquellen des IS, der – anders als al-Qaida – kaum auf Spenden fixiert sei.

Zudem ließen sich die geringen laufenden Kosten flexibel anpassen. „Die Finanzierungsbasis des IS ist im Moment nachhaltig“, sagt der Ökonom, und die Finanzen seien überdies buchhalterisch gut erfasst. Das klingt professioneller, als man es einer Terrorgruppe zutraut.

Natürlich ist der Öl-Schmuggel die wichtigste Einnahmequelle der Terroristen. In Syrien, wo seit Beginn des Bürgerkriegs vor vier Jahren quasi Anarchie herrscht, fielen den Islamisten mehr als 40.000 kleinere Ölfelder in die Hände – meist ineffiziente Tiefpumpen, die stoisch ihre rostigen Köpfe in den Boden senken.

Doch mit der Okkupation des nordirakischen Mossul kamen im Juni 2014 rund 4000 reichere Bohrstellen und kleine Raffinerien auf dem Territorium des Irak hinzu. Je nach Preis und Fördermenge spült das „schwarze Gold“ in roher und verarbeiteter Form zwischen ein und drei Millionen Dollar pro Tag in die Kassen der Islamisten, schätzen die US-Behörden.

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Wichtigster Kunde dürfte Syrien sein. Diktator Baschar al-Assad ist zwar politisch und religiös ein Gegner der Islamisten, die auf seinem Territorium ihr Kalifat errichtet haben. Militärisch werden ihm die vom Westen unterstützten Oppositionellen gefährlicher, da sie nach seiner Macht in Damaskus trachten. Assad braucht also Sprit – und den liefern ihm offenbar die Salafisten zu Spottpreisen.

„Ohne die Nachfrage aus Damaskus würde der IS weitaus größere Schwierigkeiten haben, sich zu refinanzieren“, sagt Howard Shatz. Aber es gebe Hinweise, dass die Türkei und der Irak einige Mengen des billigen, weil illegalen Öls, abnehmen: „Entlang der Lieferkette finden sich genug Mittelsmänner, die mitverdienen.“ Die haben einen Anreiz, das Schmuggelsystem aufrecht zu erhalten und stabilisieren so das Terror-Regime.

Öl ist indes nicht die einzige Einnahmequelle der Dschihadisten. Die Miliz, die ein Gebiet von der Hälfte der Bundesrepublik kontrolliert, ist an allen Hauptstraßen postiert – und verlangt Zölle auf Ein- und Ausfuhren. Ein Teil der Versorgung läuft weiterhin über Syrien und den Irak, im besetzten Mossul gibt es weiterhin Gewerbetreibende mit Handelskontakten nach Bagdad. Güter müssen bewegt werden, die Wegelagerer des IS lassen sich das etwas kosten.

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