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Islamistischer Terror Die perfide Strategie des IS

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Keine Friedensverträge, permanenter „Heiliger Krieg“

Drittens setzt der IS mit Twitter, Facebook und Youtube auf eine effiziente Internet-Strategie, die vor allem aufs ausländische Publikum zugeschnitten ist. Mit grausamen Szenen sollen Kandidaten angesprochen und die Bevölkerung im Westen eingeschüchtert werden. Brutal sind zwar auch andere Regimes im Mittleren Osten, zum Beispiel Syriens Herrscher Baschar Assad. Aber während diese versuchen, ihre Grausamkeiten zu verheimlichen, prahlt der IS mit seinen Gräueltaten und setzt diese mit der Verbreitung im Internet gezielt ein, auch um seine Untertanen gefügig zu machen.

Als Gegenleistung verspricht der IS seinen Anhängern das sofortige Glück. Der IS versteht sich als Kalifat, und er verlangt von allen Moslems, wo immer sie sind, dieses Kalifat als Referenzgröße zu akzeptieren. Darin unterscheidet er sich von Al Kaida. Deren Chef Osama bin Laden hatte den Terror als Vorstufe zum Kalifat gesehen; er hatte aber nicht geglaubt, dass dieses Kalifat zu seinen Lebzeiten realisiert werde.

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Zentral (und verheerend) ist im Kalifat der Glaube an die Apokalypse. Im Gegensatz zu anderen radikal-islamischen Bewegungen ist der Islamische Staat überzeugt, dass er Teil eines göttlichen Plans sei. Eine besondere Rolle spielt die ehemals syrische Stadt Dabik, die vom IS kontrolliert wird. Dort werde die Armee Roms ihre Lager aufstellen, sagte der Prophet. Deshalb hat die Stadt in der Ideologie der Islamisten eine überragende Bedeutung. In Dabik würden die Armee des Islam und Roms aufeinander stoßen, und Dabik werde das Endes Roms bedeuten. Wobei Rom eine Metapher für den Westen und dessen Kultur ist. Danach werde der Islamische Staat neue Gebiete erobern.

Das Kalifat hat seine eigenen Vorstellungen über das Zusammenleben mit Andersgläubigen. Das nationalstaatliche Konzept von Grenzen widerspricht dem IS. Friedensverträge will er nur einzugehen, wenn sie zeitlich befristet sind, und zwar maximal auf zehn Jahre. Der Kalif muss zudem mindestens ein Mal pro Jahr in den Heiligen Krieg ziehen, sonst verliert er seine Legitimität.

Dem Dschihad kann er auch in Europa frönen - zum Beispiel wenn er wie jetzt im Orient unter Druck gerät. Luftangriffe des Westens und Russlands, Bodentruppen kurdischer Milizen - sie haben in den vergangenen Wochen dem Vormarsch der Dschihadisten einen Riegel geschoben. Gerade die jüngste Schlacht um die irakische Stadt Sinjar, die von kurdischen Einheiten zurückerobert wurde, zeigen die Schwächen des IS. Nach dem Verlust von Sinjar kann der IS die für ihn logistisch wichtige Verbindungsstraße zwischen Mosul und seiner Hauptstadt Rakka nicht mehr benutzen.

Der Fall Sinjat zeigt: Sobald der IS auf Widerstand stößt, zeigen sich seine Schwächen. Er ist nur dort stark, wo seine Gegner schwach sind. Erkennt er ein Zögern, stößt er vor. Diese Erkenntnis sollte auch der Westen beherzigen, wenn er gegen Dschihadisten in Europa vorgehe, meinen Anti-Terror-Experten.

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