Italien Nachbeben bringt weitere Gebäude zum Einsturz

Nach dem verheerenden Erdbeben in Mittelitalien hat es starke Nachbeben gegeben. Weitere Häuser stürzten ein. Ministerpräsident Matteo Renzi versprach den Regionen Hilfsgelder in Höhe von 50 Millionen Euro und rief den Notstand aus.

Viele Häuser in Amatrice liegen nach dem Erdbeben in Trümmern. Quelle: dpa

Erneut haben mehrere Erdstöße die Katastrophenregion in Mittelitalien erschüttert. Das stärkste der Nachbeben ereignete sich um 6.28 Uhr und hatte nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS eine Stärke von 4,7. Die Erdbebenwarte in Potsdam gab die Stärke mit 4,4 an. Das Zentrum lag etwa fünf Kilometer nordwestlich des Ortes Amatrice. Der Erdstoß brachte im Ortszentrum weitere Gebäude zum Einsturz, wie die Nachrichtenagentur ANSA meldete. Über Verletzte gab es zunächst keine Informationen.

Die Zahl der Toten ist auf 278 gestiegen. Das berichtete der Sender RaiNews24 unter Berufung auf offizielle Stellen am Freitagabend.

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi hat den vom folgenschweren Erdbeben heimgesuchten Gemeinden seines Landes schnelle Hilfe beim Wiederaufbau versprochen. Er billigte ein vorläufiges Notfall-Hilfspaket im Umfang von 50 Millionen Euro. Die Bewohner der Unglücksregion würden außerdem von der Steuer befreit, kündigte Renzi an. Beobachter werteten dies indes nur als Anfang einer langen und kostspieligen Wiederaufbaukampagne.

Zudem rief der Ministerrat den Notstand aus und sagte Hilfsgelder von 50 Millionen Euro zu. Auch die Erdbebenvorsorge müsse verbessert werden. „Das muss unsere Hausaufgabe für die Zukunft sein“, so Renzi.

Überlebende unter Schock nach Erdbeben in Italien

Das Ausmaß der Schäden ist immens: Die Dörfer Amatrice und Accumoli in Latium und Pescara del Tronto in den Marken hat das Erdbeben vom frühen Mittwochmorgen praktisch eingeebnet.

Rettungsmannschaften mit Spürhunden setzten ihre Suche nach Überlebenden mit Hochdruck fort, auch wenn mehr als 470 Nachbeben ihre Arbeit erschwerten. Rund um die am härtesten getroffenen Gegenden hievten die Teams Zementbrocken, Geröll und Metall von Trümmerhügeln, an deren Stelle einmal Häuser standen. „Wir arbeiten unermüdlich weiter, bis die letzte Person gefunden ist, und stellen sicher, dass niemand mehr verschüttet ist“, sagte der Sprecher der Rettungskräfte, Lorenzo Botti. In Pescara del Trento gelang es Feuerwehrleuten unter dem Jubel der Umstehenden, ein zehnjähriges Mädchen lebend aus den Trümmern ziehen. Das war 17 Stunden nach dem Beben.

Noch am Abend gab es aber keinen richtigen Überblick, wie viele Menschen in der bei Sommerurlaubern beliebten Region waren – in der Ferienzeit kommen viele Hauptstädter mit ihren Familien in die Berge gut 140 Kilometer nordöstlich von Rom. Die Regierungen in Madrid und Bukarest meldeten, ein Spanier und fünf Rumänen seien in dem Erdbeben umgekommen.

Der Hilfseinsatz für die Erdbebenopfer wurde allgemein gelobt, auch von Regierungschef Renzi. „Wir sind die Besten der Welt im Umgang mit Notfällen“, erklärte er mit Blick auf die vielen freiwilligen Helfer. Allerdings begann eine Diskussion über die Einhaltung von Bauvorschriften in dem Land, das der größten Gefährdung durch Erdbeben ausgesetzt ist, die es in Westeuropa gibt.

Initiative "Italienische Häuser"

Renzi stellte die Initiative mit dem Titel „Italienische Häuser“ vor, um der anhaltenden Kritik an den Baustandards entgegenzutreten. Die jüngste Vorschläge, wonach in Italien erdbebensichere Häuser gebaut werden könnten, nannte Renzi indes absurd. Es sei illusorisch zu denken, dass man alles kontrollieren könne, sagte er auf einer Pressekonferenz. Man könne sich nur schwerlich vorstellen, dass die Erdbeben-Tragödie und die Verwüstung hätten verhindert werden können, indem man „einfach eine andere Bautechnologie verwendet“, sagte er. „Wir reden über Ortschaften aus der Zeit des Mittelalters.“

Tatsächlich müssen sich italienische Gemeinden mit alten Häusern zwar nicht an die Vorschriften zum Bau erdbebensicherer Gebäude halten. Doch werden diese Standards häufig selbst bei Neubauten nicht angewandt.

Staatsanwälte nahmen italienischen Medienberichten zufolge Ermittlungen wegen des Einsturzes der erst 2012 renovierten Schule Romolo Capranica auf. Sie war mit Mitteln aus einem Fonds instandgesetzt worden, der nach der Erdbebenkatastrophe von L'Aquila vor sieben Jahren geschaffen wurde. Damals kamen mehr als 300 Menschen um.

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