Italien Silvio Berlusconi hat genug

Mit blumigen Worten und viel Pathos verabschiedet sich Silvio Berlusconi von der großen politischen Bühne. Nach einigem Hin und Her erklärte der skandalumwitterte italienische Ex-Premier, dass er bei der nächsten Wahl nicht antritt.

Nach 18 Jahren in der Politik verabschiedet sich Berlusconi von der großen Bühne - Zur Wahl 2013 will er nicht mehr kandidieren Quelle: dapd

Der frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi will bei der Parlamentswahl im Frühjahr 2013 nun doch nicht noch einmal ins Rennen gehen. Nach langen Überlegungen teilte der 76-Jährige am Mittwochabend auf der Website seiner Partei PdL (Volk der Freiheit) offiziell mit, dass er nicht als Kandidat zur Verfügung stehe. Nach 18 Jahren in der Politik tritt der Mailänder Medienunternehmer, Milliardär und dreimalige Ministerpräsident damit in die zweite Reihe zurück. Im Sommer hatte Berlusconi noch erwogen, erneut zu kandidieren, um seiner Mitte-Rechts-Partei aus einem massiven Umfragetief zu helfen.

Berlusconi verabschiedete sich mit dem gewohnten Pathos von der großen politischen Bühne. „Aus Liebe für Italien kann man verrückte Dinge tun“, beginnt Berlusconi seine Erklärung. Vor 18 Jahren habe er das Feld betreten, nun trete er einen Schritt zurück. In seiner beliebten Fußballsprache erklärt er, nun müssen die Jungen „spielen und Tore schießen“. Er bleibe beratend an der Seite. Über den Spitzenkandidaten soll in einer Vorwahl entschieden werden, Berlusconi schlägt als Termin den 16. Dezember vor.

Der König von Italien
Silvio Berlusconi ist nicht nur berühmt und berüchtigt als Italiens Ministerpräsident. Der 75-Jährige ist mit einem von
Noch vor dem Abschluss seines Jurastudiums 1959 wurde Berlusconi Geschäftsführer eines Mailänder Bauunternehmens. 1961 machte er sich mit der Firma Cantieri Riuniti Milanesi selbstständig. Berlusconi etablierte sich schnell als Investor zukunftsweisender Wohn- und Geschäftskomplexe um Mailand.
In den 70er Jahren richtete Berlusconi sein unternehmerisches Interesse zunehmend auf den Mediensektor. Fininvest, 1978 gegründet, erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 5,9 Milliarden Euro und fuhr einen Gewinn von 160 Millionen Euro ein. Unternehmensleiterin ist seine Tochter Marina Berlusconi. Das Unternehmen mit Sitz in Rom und Mailand, bei dem mehr als 20.000 Mitarbeiter beschäftigt sind, gehört nach Medienangaben zu 63,3 Prozent Silvio Berlusconi und zählt zu den größten Arbeitgebern des Landes. Der Wert der Unternehmen wird auf insgesamt rund sechs Milliarden Euro geschätzt.
Einen Anteil von jeweils 7,65 Prozent halten die Kinder Marina und Pier Silvio, die drei anderen Kinder Barbara (im Bild), Eleonora und Luigi teilen sich zusammen 21,4 Prozent. Zu Fininvest gehört das Film- und Fernsehunternehmen Mediaset, der Verlag Mondadori, die Finanzberatung Mediolanum, der Fußballverein AC Mailand und das Teatro Manzoni in Mailand.
Größter Umsatzbringer in Berlusconis Reich ist der Medienkonzern Mediaset (Umsatz 2010: 4,3 Milliarden Euro, Gewinn: 352,2 Millionen Euro), an dem Fininvest mit 39 Prozent beteiligt ist. Dazu gehören drei landesweite TV-Sender, die dem Ministerpräsidenten eine beachtliche mediale Präsenz sichern: Italia 1, Rete 4 und der Flagschiffsender Canale 5 - spezialisiert auf populäre Unterhaltungssendungen wie
Zum Mediaset-Konzern gehören neben der Werbeagentur Publitalia außerdem noch die spanischen Kanäle Cuatro und Telecinco und die Bezahlplattform Mediaset Plus. Zusätzlich betreibt das Unternehmen zahlreiche digitale Spartensender wie Boing, La 5, Iris und den Einkaufssender Mediashopping und hält Anteile an Produktionsfirmen und Werbeagenturen. Im November 2008 war Mediaset mit drei Prozent beim deutschen Bezahlsender Premiere - heute Sky (Bild) - eingestiegen.
Bücher, Zeitschriften (darunter das Magazin

Berlusconis Lob geht an Monti

Die junge Generation um Parteichef Alfano müsse nun „das Wunder von 1994“ wiederholen und das Land vor den rückwärtsgewandten Linken schützen – ein Wunder werden sie in der Tat brauchen, angesichts der Umfragewerte, Korruptions- und Mafiaskandale.

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Während er den lange als politischen Nachfolger aufgebauten Alfano nur einmal am Rande erwähnt, widmet er Monti einen großen Teil der Erklärung. Dabei lobt Berlusconi den Wirtschaftsprofessor Monti auffällig. Er hätte getan, was er könne und das sei in der derzeitigen Lage viel, um sich gegen die „neokolonialen Bestrebungen in manchen europäischen Kreisen“ zu wehren  – ein deutlicher Seitenhieb auch auf Angela Merkel. Laut einem Bericht des „Corriere della Sera“ hat Berlusconi Monti zudem gebeten, das Lager der Konservativen anzuführen.

Monti war nach Berlusconis Rücktritt im November 2011 von Staatspräsident Giorgio Napolitano in das Amt berufen worden und hat mit einer Reihe von Spar- und Steuergesetzen europäisches Vertrauen in Italien zurückgewonnen. Im April 2013 wählt Italien ein neues Parlament.

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