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Italien Bunga-Bunga is back, Draghi bald weg

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Wirbel um angebliche Schmiergelder

Italiens Abschlusszeugnis 2012

Der fürstliche Aufpreis von gut zwei Milliarden Euro habe laut Antonio Rizzo, einem ehemaligen Berater der Dresdner Bank in London, zur Zahlung von Schmiergeldern gedient, berichtet die "Börsen-Zeitung“. Rizzo habe nach eigenen Angaben Telefongespräche aufgezeichnet, die diesen Vorwurf bestätigten. In die Affäre involviert gewesen sein sollen neben elf Bankmanagern der Monte dei Paschi auch deren ehemaliger Verwaltungsratspräsident Giuseppe Mussari sowie Ettore Gotti Tedechi, ehemaliger Chef der Santander Italia und später an der Spitze der Vatikanbank IOR.

Die elf Italo-Banker seien in der Londoner City als "Mister Five Percent” bekannt gewesen, weil sie bei wichtigen Deals ihrer Bank stets fünf Prozent der Provision als Schmiergelder kassiert haben sollen. Die Vatikanbank IOR soll als Beraterbank bei der Übernahme der Banca Antonveneta ebenfalls in den Skandal verwickelt gewesen sein und ein Geheimkonto bei Monte dei Paschi unterhalten haben. Als Hauptfigur aber gilt der gerade als Präsident des italienischen Bankenverbandes ABI zurückgetretene Mussari.

Der Kauf der Banca Antonveneta mitten in der Finanzkrise besiegelte den Anfang vom Ende der ältesten Bank der Welt. Die verlustreichen Derivategeschäfte sollen dazu gedient haben, Verluste zu kaschieren, die durch den überhöhten Kaufpreis entstandenen seien.

So bedrohlich sind die größten Banken der Welt
Klasse 1 – UBS, Santander, Royal Bank of Scotland Quelle: AP
Klasse 1 – Morgan Stanley Quelle: REUTERS
Klasse 1 – Standard Chartered Quelle: REUTERS
Klasse 1 – Unicredit Quelle: dpa
Klasse 2 – Barclays Quelle: dpa
Klasse 2 – Wells Fargo Quelle: REUTERS
Klasse 2 – Industrial and Commercial Bank of China Quelle: REUTERS

Allein aus dem überhöhten Übernahmepreis könnte den Aktionären der Monte dei Paschi ein Schaden von zwei Milliarden Euro entstanden sein. Der italienische Steuerzahler musste für die so geschwächte Bank 2009 mit rund zwei Milliarden Euro bluten. Kläger gibt es damit genug.

Auf Klagen gefasst machen müssen sich auch die Banca d’Italia und ihr damaliger Chef Draghi. Die elf Bankmanager werden in den nächsten Tagen vor Gericht aussagen. Erhärtet sich der Schmiergeldverdacht, gibt es für Draghi eigentlich keine Alternative mehr zum Rücktritt vom Posten des Präsidenten der Europäischen Zentralbank.

Denn wer als oberster Bankenaufseher bei einem Preisaufschlag von fast 50 Prozent für ein und dieselbe Bank in nur wenigen Monaten nicht misstrauisch wird, ist den Bürgern kaum mehr als geeignete Person zu vermitteln für den Chefposten einer Notenbank, die von 2014 an die Bankenaufsicht über alle systemrelevanten Banken in Europa übernehmen soll.

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