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Italiens Gewerkschaftschefin Susanna Camusso "Monti hat alles falsch gemacht"

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Italiener finden viele Arbeiten zu anspruchslos

Das sind die korruptesten Länder Europas
Eine Hand reicht einen Umschlag mit Bargeld über einen Schreibtisch. Quelle: dpa/dpaweb
Maori warrior perform during an official maori welcome to Britain's royals, Prince Charles (unseen) and his wife Camilla (unseen) Quelle: dpa
An Swedish embassy employee adjusts a Swedish Quelle: dpa
The Swiss flag is projected on the international headquarters of Nestle, Quelle: dpa
A Dutch supporter, his face painted in the colors of the national flag Quelle: AP
Das Brandenburger Tor ist in den frühen Morgenstunden am 05.12.2012 in Berlin hinter einem beleuchteten Tannenbaum zu sehen. Quelle: dpa
A woman leaves a government job center in Madrid Quelle: dapd

Jedem, der nach Italien in den Urlaub fährt, fällt auf: Viele Jobs werden bei Ihnen von Ausländern übernommen. Sind sich die Italiener für manche Arbeiten auch zu schade?

Zum Teil, ja. »Zu schade« ist natürlich ein heikler Begriff. In letzter Zeit wird viel über die Statistik diskutiert, nach der italienische Frauen wieder als Haushaltshilfe arbeiten, als badanti, wie das bei uns bedauerlicherweise heißt.

Wieso bedauerlicherweise? Badanti kommt doch von badare, aufpassen.

Es ist eine Bezeichnung, die man sich vor allem für die in der Altenpflege tätigen Immigranten ausgedacht hat. In Italien herrscht nach wie vor eine Arbeitshierarchie, die in anderen Ländern ihresgleichen sucht: Manche qualifizierte Arbeit gilt ganz einfach als anspruchslos. Dazu gehört alles, was mit Betreuung und Pflege zu tun hat und früher zur unbezahlten Hausarbeit zählte, die traditionell von Frauen verrichtet wurde.

Sie haben gesagt, der Hauptfeind der Arbeitnehmer sei die Arbeitslosigkeit. Hätte die Antwort vieler Gewerkschafter früher nicht gelautet: Der Hauptfeind ist der Fabrikherr?

In einem Land, das sich hauptsächlich aus Klein- und Kleinstbetrieben zusammensetzt, spielt die Figur des Fabrikherrn kaum noch eine Rolle. Es steht allerdings außer Frage, dass sich viele unserer Unternehmer nicht um den Verfall der italienischen Industriegesellschaft scheren. Seit rund zwanzig Jahren hat es für mich in Italien keine nennenswerten Investitionen mehr gegeben, die Gewinne schöpfen zunehmend andere ab.

So viel kostet eine Stunde Arbeit in Europa
Supporters of the ultranationalist Bulgarian party Ataka (attack) wave national flags during a anti-government rally in central Sofia, Bulgaria Quelle: dpa/dpaweb
A woman peers through a Romanian flag during a protest against President Traian Basescu in Bucharest, Romania, Quelle: dapd
Die Flagge der Europäischen Union weht neben den Nationalfahnen der EU-Mitglieder Spanien Niederlande, Irland und Griechenland sowie Rumaenien (hinten v. l.), Portugal, Tschechien und Schweden Quelle: dapd
Die deutsche Flagge weht am 09.08.2012 an einem Schiff der Reederei Hiddensee vor der Silhouette der historischen Altstadt von Stralsund Quelle: dpa
Eiffelturm Quelle: gms
Der Dannebrog, die dänische Flagge, weht am 27.06.2012 an einem Ferienhaus in Henne Strand Quelle: dpa
Boddenhafen von Barth Quelle: ZB

Nicht nur von Unternehmern in Italien hört man aber immer wieder, dass die Gewerkschaften ein wichtiger Grund dafür sind, dass kaum noch investiert wird.

Die uralte Leier! Das ist doch Unsinn. In Wirklichkeit bedeutete der große wirtschaftliche Umbruch in den achtziger Jahren, die erste digitale Revolution, für Italien eine wettbewerbsbedingte Abwertung: Während die Welt sich in technologischen Neuerungen und bahnbrechenden Veränderungen übertraf, hat unser Land sich selbst herabgestuft und die Abwertung der Lira als Wettbewerbselement benutzt. Als man dann einmütig beschloss, dem Euro beizutreten – das war das letzte große Anliegen, das vom ganzen Land rückhaltlos mitgetragen wurde –, wurde dieses Wettbewerbselement wirkungslos. Dadurch wurde der Wert der Arbeit herabgemindert. Nicht von ungefähr sind wir in punkto Gehälter auf dem vorletzten Platz in Europa. Nach uns kommt nur noch Griechenland.

Europa



Was verdient denn zum Beispiel ein normaler Fiat-Arbeiter?

Ein normaler Fiat-Arbeiter, der seine zwei Schichten macht, was in den alten Werken der Durchschnitt ist, kommt mit Ach und Krach auf 1.200 Euro netto.

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