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Italiens neuer Regierungschef Gentiloni Der Mann des Übergangs tritt an

Der bisherige Außenminister Paolo Gentiloni soll Italien zu Neuwahlen führen. Er ist ein enger Vertrauter seines Förderers Matteo Renzi - und gilt als der Mann des Übergangs. Für Deutschland könnte er unbequem werden.

Der designierte italienische Regierungschef Paolo Gentiloni. Quelle: REUTERS

Der künftige Regierungschef Paolo Gentiloni gilt in der an schillernden Figuren nicht gerade armen italienischen Politik als etwas farblos. Der 62-jährige Außenminister habe "wenig Charisma", beschrieb ihn Alessandro Di Batista von der oppositionellen Bewegung "Fünf Sterne". Vor allem aber sei der Aristokratensohn ersetzbar. Tatsächlich wird Gentiloni das Land wohl nur bis zu raschen Neuwahlen führen und dann wieder in die zweite Reihe treten - hinter seinen Vorgänger Matteo Renzi. So nichtssagend wie angenommen ist Gentiloni als Mann des Übergangs allerdings nicht: Wegen seiner großen Nähe zu Renzi dürfte er nicht zuletzt für die Bundesregierung unbequem sein.

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So war Gentiloni wenige Tage vor dem Verfassungsreferendum, über das der 20 Jahre jüngere Renzi gestolpert war, in einem "Welt"-Interview hart mit der Sparpolitik in der EU ins Gericht gegangen. Auf die Frage, ob er sich dagegen wehre, mehr zu sparen, antwortete er, nach sieben Jahren sei das Wachstum in Italien zurück. Aber es sei wie überall in Europa niedrig. "Es ist der Grund, warum wir gegen diese Obsession einer rigiden Finanzpolitik sind, die Europa in eine Schnecke verwandelt, während der Rest der Welt sich im Wachstum befindet." Das sorge für Unzufriedenheit und fördere den Populismus.

Unbestreitbar ist, dass populistische Parteien wie "Fünf Sterne" von der schlechten wirtschaftlichen Stimmung im Land profitiert haben, die viele auf einen zu harten Sparkurs zurückführen. Dass die Italiener nicht konsolidieren könnten, wies Gentiloni allerdings zurück: "Ich weiß, dass in Deutschland viele meinen, wir würden hier eine fröhliche Finanzpolitik betreiben", sagte Gentiloni. Tatsächlich sei das Defizit aber binnen drei Jahren von drei auf 2,3 Prozent verringert worden. "Aber wenn wir meinen, die in 30 Jahren aufgehäuften Schulden abzutragen, indem wir Italien erdrosseln, dann erdrosseln wir die gesamte europäische Wirtschaft."

Für die Bundesregierung und Finanzminister Wolfgang Schäuble, der Europas Finanzen weiter konsolidieren will, dürfte sich mit dem Wechsel von Renzi zu Gentiloni also wenig ändern: Italien bleibt unbequem. Und weil es so viel größer ist als der wirtschaftliche Zwerg Griechenland, wird es sich in der EU auch Gehör verschaffen können. Freundlich und verbindlich dürfte es unter Gentiloni dennoch zugehen. Der Spross der Adelsfamilie Gentiloni Silveri, Politikwissenschaftler, ehemaliger linker Lokalpolitiker, Ex-Journalist, gilt als angenehm und sachkundig.

Dass sich in den Monaten mit Gentiloni wenig an Renzis Kurs ändern wird, spricht auch, dass er allein seinem Vorgänger die späte Karriere zu verdanken hat. Vor wenigen Jahren wollte er Bürgermeister seiner Heimatstadt Rom werden, schaffte es aber noch nicht einmal durch die Vorwahl. Danach galt seine Karriere als beendet. Stattdessen machte ihn Renzi im November 2014 zum Außenminister. Als Ministerpräsident dürfte er nun vor allem am politischen Comeback seines Förderers arbeiten.

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