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Jean-Claude Juncker "Ein weiter Weg zum Herzen"

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"Wir würden uns ohne Euro in einem Währungskrieg befinden"

Gleichzeitig litt das Deutschlandbild in der Euro-Krise...

Die Form der Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Griechenland war nicht schön. Mich hat sehr gestört, dass man in Deutschland den Eindruck hat, dass die Griechen allesamt Faulpelze seien, die sich wie Nassauer benehmen würden. Solche Bilder haben wiederum dazu geführt, dass man Angela Merkel auf Plakaten in Nazi-Uniform durch Athen getragen hat. Ich habe mich deshalb – auch gegen viele Widerstände – stets dafür eingesetzt, dass Griechenland in der Währungsunion bleibt.

Warum ist Ihnen das so wichtig?

Es geht nicht nur um währungspolitische und wirtschaftliche Gründe, sondern auch um die Würde der Griechen. Man kann sie nicht einfach aus der Währungsunion hinauswerfen. Die Griechen haben natürlich lernen müssen, dass der Solidarität des einen die Solidität des anderen gegenüberstehen muss.

Der Euro, so der ursprüngliche Ansatz, sollte Europa einen. Wirkt er heute nicht eher als Sprengsatz?

Der Euro ist nicht ursächlich schuld daran, dass sich die Europäische Union auseinanderbewegt.

Sondern?

Wir würden uns ohne Euro in einem Währungskrieg befinden. Das europäische Währungssystem hätte den Irakkrieg, die Attentate vom 11. September, die Finanzkrise und die Ukrainekrise nicht überlebt. Es wäre von diesen Ereignissen gesprengt worden, und jede Zentralbank würde ihre eigene Geldpolitik ohne disziplinierende Wirkung des Euro machen. Wenn man erklärt, dass der Euro auch kontinentale Ruhe bringt, trotz vielfacher externer Schocks, dann kann man die These widerlegen, dass er als Spaltpilz wirkt.

Die Bürger glauben, für die Fehler von Politikern in anderen Ländern zahlen zu müssen.

Europa



Bisher hat noch kein Land einen Cent für Griechenland gezahlt. Viele profitieren von niedrigen Zinssätzen auf Staatsanleihen. Die Summen, um die es geht, sind beeindruckend. Wenn man sie aber auf die Bevölkerung herunterbricht, dann ist nicht Deutschland der Zahlmeister, sondern Luxemburg. Das sage ich übrigens in Deutschland häufiger als in Luxemburg (lacht). Die Vorstellung, dass man aus der europäischen Kasse mindestens herausbekommen muss, was man eingezahlt hat, ist ohnehin ein fataler Irrtum.

Wieso?

Es ist kein europäisches Denken. Es wird immer Länder geben, die mehr aufbringen als andere, weil sie über mehr verfügen. Das ist zum Guten des Ganzen.

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