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Juan Ramón Rallo "Wir müssen Spanien vor der Insolvenz retten"

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"Es sieht düster aus"

Europas Krisenländer im Reformcheck
GRIECHENLANDWirtschaft: Die griechische Wirtschaft steckt in einer dramatischen Rezession. 2011 schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 6,8 Prozent. Für 2012 erwartet die EU-Kommission einen Rückgang von 4,7 Prozent. Die griechische Regierung hatte zuletzt einen Rückgang von 2,8 Prozent vorhergesagt. Das Bild zeigt den griechischen Container-Hafen in Piräus. Quelle: dpa
Haushalt: Trotz drastischer Sparanstrengungen lag das griechische Haushaltsdefizit 2011 bei 10,6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Für dieses Jahr erwartet die Regierung ein Defizit von 6,7 Prozent.  Quelle: dpa
Ausblick: Wie es in dem Krisenland weiter geht, ist unklar. Die Wähler haben den Sparkurs der beiden etablierten Parteien Nea Demokratia und Pasok abgestraft. Gewinner der Wahlen sind extreme rechte und linke Parteien. Ob diese jedoch eine Regierung bilden können, ist fraglich. An die vereinbarten Sparziele jedenfalls wollen sich die meisten Politiker nicht mehr halten. Quelle: dapd
PORTUGALWirtschaft: Im zweiten Land, das unter dem Schutz des Euro Rettungsschirms steht, geht es steil bergab. 2011 schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent - für dieses Jahr prognostiziert die portugiesische Regierung einen Rückgang von 3,3 Prozent. Hoffnung setzt die EU auf 2013: Dann soll die Wirtschaft in Portugal wieder um 0,3 Prozent wachsen. Quelle: dpa
Haushalt: Im Gegensatz zu anderen Euro-Krisenländern hat Portugal seine Sparauflagen für 2011 sogar übererfüllt. Das Haushaltsdefizit lag 2011 bei etwa 4,5 Prozent – und damit unter der mit dem IWF vereinbarten Zielmarke von 5,9 Prozent Quelle: dpa
Ausblick: Was die Sparziele betrifft, liegt Portugal im Zeitplan. Allerdings kann die schwache Wirtschaftsentwicklung das schnell wieder ändern. Ein weiteres Problem ist die Refinanzierung des Staates. Das bisherige Hilfspaket sieht vor, dass sich Portugal ab 2013 wieder selbst 10 Milliarden Euro am Kapitalmarkt beschaffen muss. Experten halten dies für unrealistisch. Sie gehen davon aus, dass ein neues Hilfspaket nötig ist.    Quelle: Reuters
SPANIENWirtschaft: 2011 erzielte Spanien noch ein Mini-Wachstum von 0,7 Prozent. Nach wie vor hat die Wirtschaft das Platzen der Immobilienblase nicht verdaut. Für dieses Jahr erwartet die EU-Kommission einen Rückgang um 1,8 Prozent, im kommenden Jahr soll die Wirtschaft um 0,3 Prozent schrumpfen. Quelle: Reuters

Lassen Sie uns ein bisschen von der spanischen Regierung wegkommen, und über die Privatwirtschaft sprechen: Auch von dort könnten mehr Impulse und Investitionen für die heimische Wirtschaft kommen. Doch das vorhandene Geld wird lieber im Ausland investiert. Sind spanische Unternehmen nicht patriotisch genug?

Darum geht es nicht. Unternehmen müssen dort sein, wo sie Geschäfte machen können. Ich kann den Konzernen keinen Vorwurf machen, dass sie momentan nicht genug in unserem Land investieren, wo momentan alles den Bach runtergeht. Patriotismus darf nicht bedeuten, sinnlose Investitionen zu tätigen. Die Frage ist doch vielmehr, warum können die großen und kleinen Unternehmen hier nicht optimal ihren Geschäften nachgehen!?

Verraten Sie es uns.

Wir müssen ihnen helfen, ihre Produktionskosten zu senken. Das ginge über Steuererleichterungen, aber auch durch eine Reform des Energiemarkts. Schließlich ist er der teuerste in Europa. Ein weitere Möglichkeit ist die Reform des Arbeitsmarktes, die die Regierung löblicherweise schon eingeleitet hat. Sie hat den Unternehmen mehr Flexibilität ermöglicht, um auch in Krisenzeiten stark zu bleiben.

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    Die spanische Arbeitsmarktreform

    Die spanische Wirtschaft steht nicht nur kurz-, sondern auch langfristig vor großen Herausforderungen. Immer mehr hochqualifizierte Spanier wandern ab, etwa nach Deutschland. Droht der „brain drain“?

    Natürlich. Die Spanier, die wegziehen, sind nicht nur gut ausgebildete Ingenieure, sondern auch Menschen mit Unternehmergeist und Kreativität. Wir verlieren Humankapital. Die Bildungsausgaben laufen damit ins Leere: Der Staat bildet Menschen aus und diese zahlen dann ihre Steuern woanders, nur nicht in Spanien.

    Europa



    Welche Perspektiven haben die Menschen, die zurückbleiben, insbesondere die Arbeitslosen?

    Keine guten, fürchte ich. Es wird zeitnah zu keinem Aufschwung kommen. Die Arbeitsmarktreform wird keine neuen Jobs in großer Zahl schaffen können. Sie wird lediglich verhindern, dass weitere Arbeitsplätze vernichtet werden. Dank der neu geschaffenen Flexibilität besteht die Möglichkeit, dass die Unternehmen nach dem Ende der Krise – vielleicht ab 2014 –schnell Arbeitsplätze schaffen können. Bis dahin sieht es allerdings düster aus.

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