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Jürgen Stark „Das kann nicht Aufgabe einer Zentralbank sein"

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"Die Märkte wurden nur temporär beruhigt"

EZB-Präsident Mario Draghi Quelle: dapd

Was nutzt das Festhalten an edlen Prinzipien, wenn am Ende darüber das ganze System zerbricht?

Wo würde das denn hinführen? Wir haben seit Mai 2010 bereits für rund 210 Milliarden Euro Staatsanleihen gekauft. Dieses Instrument ist von Zeit und Volumen her begrenzt, wir können nicht unbegrenzt unsere Bilanz ausweiten. Darauf hat auch Präsident Mario Draghi hingewiesen.

Haben die Anleihekäufe denn wenigstens etwas gebracht?

Damit wurden allenfalls temporär die Märkte beruhigt und die Anleihezinsen für Staaten gesenkt. Letzteres kann aber nicht Aufgabe einer Zentralbank sein.

Hätte die EZB nicht früher korrigierend eingreifen müssen, um die Schieflage innerhalb der Euro-Zone zu verhindern?

Die EZB hat ihren Auftrag, die Preisstabilität zu gewährleisten, voll erfüllt. Auf die unterschiedliche Entwicklung der Lohnstückkosten in der Euro-Zone haben wir schon 2005 sehr deutlich hingewiesen. Die Politik hat das damals nicht als akutes Problem angesehen.

Die Geldpolitik der EZB folgt dem Prinzip „One size fits all“. Für manche Länder waren die Zinsen zu expansiv, für andere zu restriktiv – nur im Durchschnitt haben sie gestimmt, doch das durchschnittliche Land gab es nicht.

Instrumente für die fälligen Anpassungen waren und sind auf den nationalen Ebene vorhanden. Der Immobilienboom in einigen Ländern hätte ohne Weiteres mit aufsichtsrechtlichen und steuerlichen Instrumenten gebremst werden können. Überfordern Sie also die Zentralbank nicht.

Wie beurteilen Sie die Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF), der immer mehr versucht, die Rolle einer zentralen Weltnotenbank zu übernehmen?

Der IWF versucht in der Tat, sich als globaler Kreditgeber der letzten Instanz zu etablieren, und bietet neuerdings auch Staatsfinanzierungen ohne die üblichen Programmkonditionen an. Ich finde diese Entwicklung nicht gut, denn wir haben weltweit schon zu viele Sicherheitsnetze. Man darf die Politik nicht aus ihrer Verantwortung entlassen.

Nach all dem wundert uns nur eines: Ihr freiwilliges Ausscheiden aus der EZB.

Da gibt es ein großes Thema, das dies begründet: dass ich nicht zufrieden bin, wie sich diese Währungsunion entwickelt hat. Punkt!

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