Jugendarbeitslosigkeit auf Rekordhoch "Wohlergehen einer ganzen Generation gefährdet"

Weltweit steigt die Jugendarbeitslosigkeit. Besonders heftig trifft es die Euro-Sorgenkinder, wie neue Zahlen aus Griechenland und Portugal zeigen. Die Internationale Arbeitsorganisation warnt vor verheerenden Folgen.

So viel kostet eine Stunde Arbeit in Europa
Supporters of the ultranationalist Bulgarian party Ataka (attack) wave national flags during a anti-government rally in central Sofia, Bulgaria Quelle: dpa/dpaweb
A woman peers through a Romanian flag during a protest against President Traian Basescu in Bucharest, Romania, Quelle: dapd
Die Flagge der Europäischen Union weht neben den Nationalfahnen der EU-Mitglieder Spanien Niederlande, Irland und Griechenland sowie Rumaenien (hinten v. l.), Portugal, Tschechien und Schweden Quelle: dapd
Die deutsche Flagge weht am 09.08.2012 an einem Schiff der Reederei Hiddensee vor der Silhouette der historischen Altstadt von Stralsund Quelle: dpa
Eiffelturm Quelle: gms
Der Dannebrog, die dänische Flagge, weht am 27.06.2012 an einem Ferienhaus in Henne Strand Quelle: dpa
Boddenhafen von Barth Quelle: ZB
Graslei in Gent Quelle: gms

Nur etwa jeder dritte Jugendliche in Griechenland hat eine Arbeit. Wie das Statistische Amt (Elstat) am Donnerstag mitteilte, stieg die Jugendarbeitslosigkeit im Februar auf 64,2 Prozent. In Portugal waren im ersten Quartal 2013 rund 42 Prozent der unter 24-Jährigen ohne Job. Weltweit steigt die Jugendarbeitslosigkeit nach Angaben der Vereinten Nationen - allerdings nicht überall so dramatisch wie in manchen Euro-Staaten. In Deutschland dagegen hat sich die Arbeitslosenzahl in der jungen Altersgruppe von 2005 bis 2012 halbiert.

Weltweit werde die Jugendarbeitslosigkeit 2013 durchschnittlich 12,6 Prozent betragen - nach 12,4 Prozent im Vorjahr, erwartet die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in einem am Mittwoch in Genf veröffentlichten Trendbericht. Etwa 73,4 Millionen 15- bis 24-Jährige werden demnach 2013 ohne Job sein. Die ILO warnte, das Wohlergehen einer ganze Generation sei gefährdet. Immer mehr Jugendliche würden den sozialökonomischen und politischen Systemen ihrer Staaten misstrauen, wie Massenproteste in Spanien und Griechenland gegen Sparmaßnahmen der Regierungen zeigten.

Wo die Europäer am längsten arbeiten
Platz 34: Die Niederlande1379 Stunden pro Jahr und Arbeiter. Die Holländer arbeiten im Schnitt 39.0 Stunden pro Woche. Die Arbeitsproduktivität liegt bei 103,5 (Arbeitsproduktivität je geleisteter Arbeitstunde; prozentuale Veränderung relativ zum Vorjahr, Index 2005 = 100) Im Bild: Das Schiff Carsten Maersk fährt in den Hafen von Rotterdam ein. Alle Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2011, Quellen: Eurostat ( Arbeitszeit pro Woche, Arbeitsproduktivität), sozialpolitik-online.de, oecd.org Quelle: REUTERS
Platz 33: Deutschland Die Arbeitnehmer hierzulande haben 2011 im Schnitt 1413 Stunden gearbeitet. Die Arbeitszeit hat hier stetig abgenommen: 1960 arbeiteten die Arbeitnehmer in West-Deutschland 2163 Stunden im Jahresdurchschnitt, 1991 waren es noch 1545 Stunden. Die Produktivität der Arbeit ist allerdings gestiegen. 2011 lag sie bei 106.9 im Vergleich zum Indexjahr 2005. Die Deutschen haben 2011 im Schnitt 40.7 Stunden pro Woche gearbeitet. Quelle: dapd
Platz 31: FrankreichIm größten Nachbarland Deutschlands arbeiteten die Angestellten 2011 im Schnitt 1476 Stunden und 39,5 Stunden pro Woche. Die Arbeitsproduktivität pro geleistete Arbeitsstunde lag bei 104,1 Indexpunkten. Quelle: REUTERS
Platz 29: IrlandDie Arbeitnehmer haben hier im vergangenen Jahr im Schnitt 1543 Stunden und 38,4 Stunden pro Woche gearbeitet, die Arbeitsproduktivität war mit 117,3 Indexpunkten hoch. Quelle: dapd
Platz 28: BelgienDie belgischen Arbeitnehmer verbrachten im Jahr 2011 durchschnittlich 1577 Stunden und 39,2 Stunden pro Woche bei der Arbeit. Die Produktivität der Arbeit lag 2009 zuletzt bei 100,5 Punkten (geschätzt). Quelle: REUTERS
Platz 27: ÖsterreichDie Arbeitnehmer im Alpenland haben 2011 im Schnitt 1599,7 Stunden und 41,8 Stunden pro Woche gearbeitet. Die Produktivität lag bei 108,7 Indexpunkten. Quelle: REUTERS
Platz 24: Vereinigtes KönigreichAuf den britischen Inseln haben die Menschen 2011 im Schnitt 1625 Stunden und 42,2 Stunden pro Woche gearbeitet. Die Arbeitsproduktivität lag bei 102,2 (2009, geschätzt). Quelle: dpa
Platz 21: SpanienIm größten Land auf der iberischen Halbinsel haben die Menschen im Jahr 2011 im Schnitt 1690 Stunden und 40,3 Stunden pro Woche gearbeitet. Die Arbeitsproduktivität lag bei 109,1. Im Bild: Menschen demonstrieren in Madrid gegen die Rettung der angeschlagenen Banken. Quelle: REUTERS
Platz 18: PortugalDie portugiesische Wirtschaft leidet unter der Schuldenkrise des Landes. Die Menschen haben 2011 im Schnitt 1711 Stunden und 41,1 Stunden pro Woche gearbeitet. Die Arbeitsproduktivität pro geleisteter Arbeitsstunde lag im gleichen Zeitraum bei 105,8 Indexpunkten. Quelle: Reuters
Platz 14: Italien Die Italiener haben im vergangenen Jahr 1774 Stunden gearbeitet; 38,8 Stunden pro Woche stand jeder Arbeiter am Fließband und im Büro. Die Arbeitsproduktivität ist niedrig, sie hat im Vergleich zum Jahr 2005 nur um 0,4 Prozent zugelegt. Im Bild: Das Stahlwerk ILVA bei Tarant war einst ein Wahrzeichen für den Aufschwung in der Nachkriegszeit, nun ist das Werk ein Symbol für den Niedergang der italienischen Industrie. Das Werk hat 14.600 Mitarbeiter, die um ihre Arbeitsplätze fürchten, seitdem die Justiz das Werk wegen Luftverschmutzung schließen möchte. Quelle: REUTERS
Platz 13: Tschechische RepublikDeutschlands Nachbarland ist fleißig. Die Tschechen arbeiteten 2011 im Schnitt 1774 Stunden und 41,0 Stunden pro Woche. Die Produktivität lag im gleichen Jahr bei 112,5 (Index, 2005:100). Quelle: REUTERS
Platz 7: PolenDer deutsche Bundespräsident hatte sich kürzlich recht positiv über die fleißigen Polen geäußert. Wirft man ein Blick auf die durchschnittliche Arbeitszeit ist das nicht zu verneinen: Die Polen arbeiteten 2011 im Schnitt 1937 Stunden, bei einer Arbeitszeit von 40,9 Stunden pro Woche. Die Produktivität kann sich mit 117,3 auch sehen lassen, sie nahm im Vergleich zu 2010 um 2,9 Prozent zu. Laut OECD-Ranking arbeitet arbeitet nur ein Land in der EU mehr als die Polen. Quelle: AP
Platz 4: GriechenlandDas verschuldete Land steht am Abgrund der Zahlungsunfähigkeit. Doch die Menschen schuften hier soviel wie nirgendswo in der EU, nämlich 2032 Stunden im Jahresschnitt. Unter den 34-OECD-Ländern sind nur Chile (Platz 3 mit 2047 Stunden) Südkorea (Platz 2, 2047 Stunden) und Mexiko (Platz 1, 2249,94 Stunden) fleißiger. Pro Woche sind die Griechen im Schnitt 40,4 Stunden bei der Arbeit. Die Produktivität ist allerdings niedrig, sie liegt bei 100,2 im Vergleich zum Jahr 2005 (=100). Vor der Krise lag sie noch bei 111,9 (2008). 2011 ging sie um 0,9 Prozentpunkte zurück, 2010 gar um 2,4 Prozent. Quelle: dapd

Über dem weltweiten Durchschnitt liegt den Angaben zufolge die Jugendarbeitslosigkeit in den Industriestaaten einschließlich der EU, wo sie zwischen 2008 und 2012 um fast ein Viertel auf 18,1 Prozent gestiegen sei. Nur in sechs Industriestaaten sei die Quote geringer als 10 Prozent, dazu gehöre auch Deutschland.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht als Hauptgrund dafür die Veränderung der Altersstruktur in Deutschland. Die Arbeitslosigkeit sei nicht gesunken, „weil mehr Arbeits- oder Ausbildungsplätze mit Jugendlichen besetzt wurden“, sagte DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke. Jugendarbeitslosigkeit sei hierzulande vor allem ein Qualifikationsproblem. Mehr als die Hälfte aller Arbeitslosen Jugendlichen im Jahr 2010 hätten keinen Berufsabschluss gehabt.

In Arbeit
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Zu den dramatischen Zahlen in Griechenland sagte Finanzminister Ioannis Stournaras am Donnerstag, die Talfahrt der Wirtschaft werde 2014 ein Ende haben. Damit werde auch die Arbeitslosigkeit zurückgehen. Erste positive Zeichen habe es bereits gegeben: Im April 2013 sind nach offiziellen Angaben 29.000 Menschen mehr eingestellt als entlassen worden.

In Portugal stieg die Arbeitslosigkeit insgesamt auf den Rekordstand von 17,7 Prozent. Nach dem Bericht der INE waren zum 31. März mehr als 952.000 Menschen im ärmsten Land Westeuropas als arbeitssuchend gemeldet.

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