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Kanzlerin in London "Merkelator" kann Cameron nicht umstimmen

Weder die Deutschen noch die Briten wollen das angespannte Verhältnis noch weiter strapazieren.  Doch hinter verschlossenen Türen wurde offenbar Klartext gesprochen.

merkel cameron Quelle: dapd

Bundeskanzlerin Angela Merkel lächelte vor den laufenden Kameras und der britische Premier David Cameron gab sich als zuvorkommender Gastgeber. Doch dass es beim  anschließenden Abendessen der beiden Regierungschefs am Mittwochabend in der Downing Street hart zur Sache ging, kann als sicher gelten, auch wenn ein deutscher Regierungssprecher anschließend betonte, die Gespräche hätten "in freundschaftlicher Atmosphäre" stattgefunden.

Denn es ging schließlich ums Eingemachte - sprich, die Kontroverse um den künftigen EU-Haushalt und das Verhältnis Großbritanniens zu Europa. Zwar bemühten sich beide Seiten, nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen: Im Anschluss an das rund zweistündige Treffen in der 10 Downing Street verließ die Kanzlerin unverzüglich den Amtssitz des britischen Premiers, ohne sich den Fragen der Journalisten zu stellen und auch die Deutsche Botschaft hüllte sich demonstrativ in Schweigen.

Die Briten allerdings machten klar, dass David Cameron sich trotz der mahnenden Worte der Kanzlerin, die den britischen Regierungschef gewarnt hatte, er solle sich nicht durch Ultimaten isolieren, trotzig zeigte und weiter auf eine Kürzung des EU-Haushaltes pochte.  "Wenn man 27 Interessenten zusammenbringen will in der EU, dann ist es meistens nicht besonders gut, mit Ultimaten zu beginnen", warnte Angela Merkel ihren jüngeren britischen Kollegen.

Geschichte des Europaparlaments

"Großbritannien und Deutschland sind beide Nettozahler, dass heißt wir haben eine Menge gemeinsamer Interessen" erklärte sie versöhnlich. Bei englischem Wild und deutschem Kuchen habe man sich nicht nur über die Höhe des künftigen Budgets, sondern auch über die künftigen Ausgaben und den kontroversen britischen Rabatt unterhalten, hieß es nach britischer Darstellung.

Es war ein heikler Besuch,  der schon im Vorfeld für viel Wirbel gesorgt hatte. Das Verhältnis zwischen Berlin und London wird von den unterschiedlichen Auffassungen in der Europapolitik belastet. Die Fronten sind auf beiden Seiten verhärtet. Anders als früher ist Deutschland nicht mehr länger zu Zugeständnissen gegenüber den Briten bereit, die es dem britischen Premier leichter machen, seinen Landsleuten den Verbleib in der EU schmackhaft zu machen.

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