Kapitalmarkt-Rückkehr Griechenlands Augenwischerei

Das Euro-Krisenland wagt den Schritt an die Kapitalmärkte und gibt fünfjährige Bonds heraus. Athen will damit ein positives Zeichen setzen - und über den tatsächlichen Zustand des Landes hinwegtäuschen.

Der griechische Premierminister Antonis Samaras mit Finanzminister Yannis Stournaras Quelle: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird auf Auslandsreisen reich beschenkt. Mal gibt es ein Fußballtrikot, mal einen Dolch, mal Porzellan. Griechenland hat sich kurz vor dem Besuch der CDU-Politikerin am Freitag in Athen etwas Besonderes ausgedacht: Das Land kehrt an die Kapitalmärkte zurück. Vier Jahre nachdem das Euro-Krisenland das Vertrauen der Gläubiger verlor und unter den Rettungsschirm flüchten musste, gibt Griechenland Staatsanleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren aus. Zwei Milliarden Euro sollen nach übereinstimmenden Medienberichte so aus dem Ausland eingesammelt werden.

Die Rückkehr an die Kapitalmärkte ist ein Zeichen der Stärke. Griechenland will beweisen, dass die vermeintliche Rückkehr zur Normalität von den Gläubigern getragen wird. Die Hoffnung auf Besserung, sie soll nicht mehr nur propagiert werden, sondern mit Tatsachen unterfüttert werden. Angela Merkel kommt die Nachricht, sechs Wochen vor der Europawahl gelegen. Schließlich stützt sie das deutsche Mantra, in der Euro-Krise sei das Schlimmste überstanden. Deutsches Geld sei nicht verpulvert worden. Keine Überraschung also, dass das Bundesfinanzministerium die Pläne der griechischen Regierung schon vorab begrüßte. „Das ist letztendlich ein Beleg dafür, dass das Programm erfolgreich verläuft und dass das Vertrauen der Finanzmärkte zurückkehrt“, sagte eine Sprecherin am Montag in Berlin kurz nachdem erste Gerüchte über die griechische Bondsplatzierung aufgekommen sind.

Auch Gustav Horn, der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, bewertet den Schritt Griechenlands zurück an die Märkte per se positiv: „Das ist ein ermutigendes Zeichen. Es macht deutlich, dass es offenbar genügend Vertrauen in Griechenland und in das Euro-System gibt“, so Horn im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online. Doch der Ökonom schränkt ein, dass die Aktion nicht überbewertet werden dürfe. „Griechenland ist längst noch nicht auf dem grünen Zweig. Die wirtschaftliche Situation ist verheerend.“

So schlug sich Griechenland 2013

Das belegt auch ein Blick auf die Zahlen. Demnach ist Griechenland im Vergleich zu 2011 kaum vorangekommen. Die Arbeitslosigkeit (27 Prozent) ist höher denn je, der Schuldenschnitt von 2012 ist bereits verpufft. Private Gläubiger wurden 2012 genötigt, auf rund 100 Milliarden zu verzichten, die Staatsverschuldung in Prozent des Bruttoinlandsprodukts sank von rund 170 Prozent auf 156,9 Prozent. Doch der Trend hielt nicht an. Ende 2013 stand das Land schon wieder mit dem einem Rekordminus da (177,3 Prozent). Das liegt freilich auch daran, dass die Wirtschaftsleistung (also das BIP, die Referenzgröße) gesunken ist. Inzwischen erwirtschaftet Griechenland nur noch 181,7 Milliarden Euro im Jahr – rund 50 Milliarden Euro weniger als vor dem Ausbruch der Schuldenkrise.

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