Klimagipfel in Paris Weltenretter bei der Arbeit

Es ist der Tag der Hoffnungsvollen: Zur Eröffnung des Uno-Gipfels versichern sich die Staats- und Regierungschefs, dass der Temperaturanstieg weltweit noch auf zwei Grad zu begrenzen ist.

Obama bei seiner Ansprache Quelle: dpa

Manchmal ist es nichts Besonderes, Regierungschef zu sein. Zur Eröffnung der Weltklimakonferenz von Paris ist so ein Tag. Da warten reihenweise Leibwächter vor den Toilettencontainern für die Delegationen im Messezentrum von Le Bourget. Auch Weltenlenker müssen sich vor der Eröffnung mal frisch machen. Gleich wird die Riesenkonferenz mit insgesamt rund 40.000 Gästen losgehen.

Allein 150 Staats- und Regierungschefs sind angereist, um sich nach etlichen gescheiterten Anläufen der letzten Jahre doch noch verbindlich auf Maßnahmen gegen die Erderwärmung zu verständigen. Die Konferenz ist trotz enormer Sicherheitsvorkehrungen tadellos organisiert, die Stimmung ist hoffnungsvoll.

Die wichtigsten Streitpunkte der Klimakonferenz
Temperaturziele Quelle: AP
LastenteilungHistorisch haben vor allem die Industrieländer Emissionen in die Luft gepumpt. Doch längst spielen aufstrebende Schwellenländer wie Indien und China eine entscheidende Rolle, wenn man den Temperaturanstieg eindämmen will. Die pochen aber auf ihr Recht, wirtschaftlich zu den reichen Staaten aufzuholen. Einige Experten meinen: Wenn die Konferenz scheitert, dann an diesem Punkt. Quelle: AP
US-Außenminister John Kerry Quelle: REUTERS
Kühltürme Kohlekraftwerk Quelle: dpa
Indien Quelle: AP
Flut in Mosambik Quelle: AP

Da schlendert die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff noch eben beim EU-Pavillon zu einem informellen Austausch vorbei. Da taucht die norwegische Regierungschefin Erna Solberg tief in ihre Umhängetasche und sucht ihren Teilnehmerausweis. Ohne den kommt sie nicht durch den Eingang für VVIPs, also den für die richtig Wichtigen. Manche Delegationschefs scheitern an dieser Tür und müssen sich in den Strom der Regierungsleute hinein in den Versammlungssaal fügen.

Im Kampf gegen Terror und Klimawandel

Drinnen im Saal eröffnet der Konferenz-Leiter, der französische Außenminister Laurent Fabius, um 11.11 Uhr das Geschehen und redet den Delegationen ins Gewissen.

Auch Frankreichs Präsident François Hollande tritt ans Rednerpult, das aus simplen groben Pressspanplatten gezimmert ist, so wie die meisten provisorischen Bauten für den Gipfel. Die Anschläge vor zwei Wochen in Paris seien eine Heimsuchung für die Menschen und eine Verpflichtung für die Politiker gewesen, sich gegen die zwei großen Gefahren für alle einzusetzen, gegen Terror und gegen den Klimawandel. "Nie stand bei einer Konferenz so viel auf dem Spiel", appelliert Hollande, "für die Zukunft unseres Planeten und die Zukunft unseres Lebens".

Dann schraubt der Präsident die Erwartungen an die Mammutkonferenz mit rund 10.000 Delegationsmitgliedern hoch. Der Temperaturanstieg im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung müsse und könne begrenzt werden. "Wir müssen glaubhaft einen Weg aufzeigen, die Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen oder wenn möglich sogar unter 1,5 Grad", sagt Hollande. Verringern die Menschen ihren Verbrauch von fossiler Energie wie Kohle oder Öl und Gas nicht, gehen viele Klimaforscher von einem Temperaturplus von vier Grad aus.

Doch auch mit den bisherigen Einschränkungen ist das Ziel weit entfernt: Die Zusagen der Regierungen vor dem Gipfel für einen Umbau ihrer Wirtschaft können den Anstieg auf vielleicht 2,7 Grad begrenzen.  Es fehlt also noch was - vor allem bis hin zu den 1,5 Grad, die kleine Inselstaaten fordern, die fürchten, im Meer zu versinken.

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