Klimakonferenz Der Klimagipfel im Ausnahmezustand

In Paris herrscht Terrorgefahr und nun kommen auch noch knapp 150 Staats- und Regierungschefs gleichzeitig in die französische Hauptstadt.

Kunst im Namen des Klimaschutzes: Vor der Klimakonferenz projizierte der Künstler Naziha Mestaoui unter dem Titel

Es haben sich angekündigt: US-Präsident Barack Obama, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, der indische Premier Narendra Modi, Chinas Xi Jinping oder der britische Regierungschef David Cameron samt Thronfolger Prinz Charles. Insgesamt fast 150 Staats- und Regierungschefs eröffnen heute den Weltklimagipfel in der französischen Hauptstadt Paris - in einer Stadt, die seit den Terroranschlägen vom 13. November ohnehin im Ausnahmezustand lebt.

Große Zubringerstraßen sind seit gestern gesperrt, an vielen Autobahnausfahrten sind Polizeiwagen postiert. Rund 2800 Polizisten und Soldaten sichern das Konferenzgelände in Le Bourget nördlich von Paris, wo sonst die weltgrößte Luftfahrtmesse stattfindet. Wenn die mächtigsten Staatsleute des Planeten dort sind, sollen es doppelt so viele sein.

Noch einmal rund 6300 Polizisten patroullieren in der Stadt, in der vor gut zwei Wochen islamistische Selbstmordattentäter an verschiedenen Orten abends Restaurantbesucher und Konzertgäste angriffen und 130 Menschen töteten.

Mehr Sicherheit geht kaum. Manche Teilnehmer und Kritiker des Mammutereignisses fürchten deshalb, dass sie mit ihren Anliegen gar nicht mehr durchdringen. Diese Konferenz der Uno-Weltgemeinschaft soll nach etlichen gescheiterten Anläufen endlich ein Erfolg werden. Die Staaten sollen sich endlich auf Maßnahmen gegen die Erderwärmung verpflichten und dafür vor allem aufhören, Kohle und Öl im großen Stil zu nutzen. Diszipliniert da eine Umgebung im Ausnahmezustand oder schadet ein Klima der Angst ringsum?

Aus diesen Gründen schwitzt die Erde

Uno-Klimachefverhandlerin Christina Figueres hat für Paris öffentlich vorgegeben: "Jetzt erst recht." Nun versammeln sich rund 40.000 Gäste auf einem 18 Hektar großen Gelände in Le Bourget nahe der Hauptstadt. Doch von all den üblichen Ereignissen rund um solche Gipfel findet kaum etwas statt: Demonstrationen, Konzerte und andere Veranstaltungen wurden verboten oder abgesagt. Zu gefährlich, so die Begründung der französischen Regierung.

Auf dem Messegelände in Le Bourget werden die großen Eisentore nach jedem ankommenden und abfahrenden Bus wieder geschlossen, Teilnehmer werden so streng durchleuchtet wie am Flughafen. Metallene Mülleimer in Bahnhöfen wurden abmontiert, etliche Gullis tragen Sicherheitssiegel der Behörden. Polizeisirenen alle paar Minuten gehören in diesen Tagen zu Paris.

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Großdemos in Paris von Kritikern der offiziellen Klimapolitik waren abgesagt worden. Doch gestern versammelten sich dennoch viele Menschen in der östlichen Innenstadt von Paris. Menschen bildeten eine Kette entlang des Boulevard Voltaire, auch als Zeichen der Solidarität mit Terroropfern von Paris, Beirut, Bamako und anderswo. Das Konzertgebäude Bataclan, wo Terroristen 89 Menschen töteten, lag an der Strecke. Auf der Place de la République gab es offenbar Krawalle. Die Polizei setzte Tränengas ein und nahm mehrere Menschen fest. Weil der zentrale Protestmarsch verboten war, stellten Aktivisten dort lange Reihen an Schuhen aufs Pflaster. Die sollten für die Demonstranten stehen, sie nicht dort sein durften. Manche Schuhe waren mit Botschaften für die Klimaverhandler geschmückt.

Am Abend besuchte dann US-Präsident Barack Obama nach seiner Ankunft in Paris den Konzertsaal Bataclan und gedachte der Terroropfer. Das Gebiet war sehr weiträumig .

Mit Material von dpa

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