WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Kommentar Risse im System der Notenbanken

Seite 2/2

Villalón gibt grünes Licht

Nachdem am vergangenen Mittwoch auch noch Cruz Villalón, der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshof (EuGH), der EZB grünes Licht für ihr Anleihekaufprogramm gegeben hatte, geriet die Schweizerische Nationalbank (SNB) offenbar in Panik. Bei 1000 Milliarden Euro EZB-Bilanzverlängerung mag ein Mindestkurziel von 1,20 Schweizer Franken je Euro vielleicht noch zu verteidigen gewesen sein. Doch bei 2300 Milliarden Euro hätte die SNB schätzungsweise um die 20.000 Euro pro Eidgenosse einsetzen müssen, um den Euro zu stützen – pro Jahr.

Angesichts dieser Summen hat die SNB dann lieber die Reißleine gezogen und betreibt Verlustbegrenzung. Mit den Marktinterventionen am Devisenmarkt und der abrupten Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro am Donnerstag um zeitweilig 30 Prozent hat sich die SNB einen geschätzten Verlust von bis zu 100 Milliarden Dollar eingehandelt. Das wären rund 20 Prozent der Schweizerischen Wirtschaftsleistung. Neben den herben Kursverlusten am heimischen Aktienmarkt droht der Schweiz nun auch eine lange Rezession. Der öffentliche Aufschrei wird groß sein.

Die SNB ist die erste bedeutende Notenbank, die von den Marktkräften in die Knie gezwungen wurde. Der psychologische Effekt auf die Investoren sollte nicht unterschätzt werden. Die Finanzmärkte wurden in den vergangenen Jahren nur durch das Vertrauen in die Omnipotenz der Notenbanken zusammen- und am Laufen gehalten. Jetzt werden erste Risse im System der geldpolitischen Zwangswirtschaft sichtbar. Panikreaktionen sind jederzeit möglich. Zumal sich die Märkte inzwischen Welten von ihren Fundamentaldaten entfernt haben.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Historische Turbulenzen nach SNB-Entscheidung

    Sicher aber ist jetzt schon: Die nächste Notenbank, die in die Bredouille geraten wird, wird die EZB sein. Ihr wird bei einem Platzen der Spekulationsblase an den Anleihenmärkten dasselbe Schicksal widerfahren wie der SNB. Nur mit dem Unterschied, dass die Verluste der EZB, für die der deutsche Steuerzahler entsprechend des deutschen EZB-Kapitalanteils mit 26 Prozent haftet, weitaus größer ausfallen werden. Die SNB wird das Desaster politisch überleben. Für die EZB aber sieht die Zukunft ungewisser aus. Über das groß angelegte Kaufprogramm für Staatsanleihen führt die EZB durch die Hintertür Eurobonds ein und treibt damit die Haftungsgemeinschaft in der Eurozone weiter voran - ohne demokratische Legitimation. Der politische Ärger ist damit programmiert.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    Zur Startseite
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%