Konjunktur Berechtigte Hoffnungen trotz Wachstums-Einbruch

Auch wenn die Zahlen es noch nicht zeigen: Deutschlands Wirtschaft wächst wieder kräftig.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi Quelle: dapd

Man hatte Schlimmes erwartet, aber es kam katastrophal. Die deutsche Wirtschaft ist im vierten Quartal 2012 um 0,6 Prozent geschrumpft. Schon in den Monaten zuvor war das Bruttoinlandsprodukt kaum gewachsen. Nun sogar ein Minus. Ginge es 2013 so weiter, die Rezession wäre da.

Doch stattdessen könnte es heiter werden. Der Grund: Das von EZB-Chef Mario Draghi im Herbst aufgelegte Anleihekaufprogramm zeigt seine Wirkung. Seitdem herrscht Ruhe an den internationalen Finanzmärkten, und die deutschen Unternehmen haben ihre Ängstlichkeit abgelegt. Doch wird der sich abzeichnende Aufschwung nur ein Strohfeuer, oder trägt er länger? Fest steht: Erst mal investieren die Unternehmen wieder kräftig und treiben so die Wirtschaft an. Harte Zahlen, die dies belegen, gibt es zwar noch nicht, doch das wichtigste Barometer der deutschen Wirtschaft, der ifo-Geschäftsklimaindex, steigt kräftig. "Meine 20 Jahre Erfahrung mit Konjunkturprognosen haben mir gezeigt, dass ein starker Anstieg des ifo immer eine Konjunkturwende bedeutet", sagt Commerzbank-Analyst Ralph Solveen.

Konjunkturindikatoren

Die Auslandsnachfrage wird steigen

Der Mangel an Investitionsbereitschaft war es, der die deutsche Wirtschaft 2012 hauptsächlich belastet hat. Hinzu kam im vierten Quartal, dass die Exporte nicht so stark gewachsen sind wie zuvor. Auch an dieser Front macht sich jetzt wieder Optimismus breit. Die Auslandsnachfrage dürfte 2013 kräftig steigen: Das Wachstum in den Emerging Markets zieht allmählich an, und der US-Einkaufsmanagerindex, wichtigste Messgröße für die Lage der Weltwirtschaft, hat im Januar das kräftigste Plus seit neun Monaten verzeichnet.

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Selbst in den Peripheriestaaten der Euro-Zone dürfte sich die Lage stabilisieren. Hier hatte die Krise noch stärker eingeschlagen und – anders als in Deutschland – die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen merklich verschlechtert. Doch nun fallen die Renditen für Unternehmensanleihen spürbar, auch Bankkredite werden allmählich billiger.

Das alles deutet auf eine Erholung hin. Für einen sich selbst tragenden Aufschwung reicht es jedoch nicht. Dafür müssen die Krisenländer die angestoßenen Reformen durchsetzen, ihre Haushalte sanieren und wettbewerbsfähiger werden. Erst dann könnte Draghis Aktion, die nichts weiter als ein umfassender Vertrauensvorschuss für die Krisenstaaten ist, Erfolg haben. Bleiben die Reformen aus, ginge die Krise von Neuem los – und zwar unter deutlich schlechteren Vorzeichen.

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