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Konjunktur Schweiz "Die Schweiz befindet sich in der Rezession"

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Erinnerungen an die Frankenkrise 2011 werden wach

In der Folge des Masseneinwanderungseinkommens könnten sich die Beziehungen zur Europäischen Union verschlechtert, bis hin zur Aufkündigung bilateraler Verträge. Für die Schweiz würde das den wirtschaftlichen Abstieg verstärken: 55 Prozent der Exporte gehen zurzeit in die EU, Schweizer Produkte in Europa würden teurer - das könnte vor allem für Konzerne wie Nestlé und Mövenpick Schwierigkeiten bedeuten, die im schlimmsten Fall auch zu Stellenabbau führen könnte.

Die Eidgenossenschaft würde damit den freien Zugang zu einem zollfreien Markt verlieren, der wie die Zuwanderung von Fachkräften aus der EU als Hauptfaktor für den Wirtschaftsboom in der Schweiz gilt.

Die Stärke der Schweizer Wirtschaft gefährdet momentan aber vor allem die Kombination aus der Stärke des Franken, der Wachstumsflaute und der wirtschaftspolitischen Unsicherheit, die nicht zuletzt auch eine Folge der Masseneinwanderungsinitiative - und deren (Nicht-)Umsetzung - ist.

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Vorsichtig positive Nachrichten gibt es trotzdem: Denn die Schweiz ist eines der wenigen Länder, das scheinbar unbeteiligt aus der Griechenlandkrise hervorgeht. Wirklich bedroht war die Wirtschaft des Landes zu keinem Zeitpunkt. Obwohl die Schweiz Mitglied des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist, muss sie - wie auch andere Staaten - keine Verluste tragen, sollte Griechenland seine Schulden nie zurückzahlen, heißt es in einer offiziellen Mitteilung des IWF. So weit so gut: Es bleibt allerdings offen, ob die Mitgliedsländer des IWF nicht doch zur Kasse gebeten werden, sollte ein Zahlungsaufall noch Realität werden. Das vermutet zumindest die "Neue Zürcher Zeitung". Nach deren Berechnungen käme im schlimmsten aller Fälle auf die Schweizer Steuerzahler insgesamt eine Summe von 323 Millionen Franken zu. Das wäre allerdings ein verhältnismäßig kleiner Betrag und beläuft sich damit insgesamt auf nur 0,5 Prozent der "ordentlichen Bundesausgaben."

Dass die Schweizer Wirtschaft derzeit nur eine kleine Delle in ihrem Aufschwung erlebt, ist dennoch unwahrscheinlich. Die Talfahrt wird wohl vorerst weitergehen - das war zum letzten Mal der Fall bei der Frankenkrise 2011. Damals hatte die SNB schon den sogenannten Franken-Deckel eingeführt, das heißt der Mindestkurs der Währung lag bei 1,20 Franken je Euro - und gleichzeitig den Leitzins auf Null gesetzt, um die Wirtschaft vor Deflation und Rezession zu schützen. Das funktioniert nun aber nicht mehr.

Die Krise dürfte sich auch am Arbeitsmarkt bald zeigen. Um längerfristig mithalten zu können, werden wohl Entlassungen und Produktionsverlagerungen ins Ausland nötig sein. „Trotzdem ist die Schweiz sehr gut durch die Krise gekommen – und wenn wir nun über eine schlechte Wirtschaft klagen, dann jammern wir auf hohem Niveau,“ sagt Sturm.

Mit Material von dpa und Reuters.

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