Kontrollen am Brenner "Das alles ist nicht nachvollziehbar"

Arno Kompatscher, Landeshauptmann von Südtirol, kann die geplanten Kontrollen am Brenner nicht verstehen und bereitet seine Provinz auf den massenhaften Zustrom von Flüchtlingen vor.

Österreichs Grenzübergangsstelle am Brenner. Quelle: Sophia Gräbe für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Landeshauptmann, wann sind Sie das letzte Mal über den Brenner gefahren?
Arno Kompatscher: Ich fahre regelmäßig über die Grenze, ungefähr alle zehn Tage. Ich treffe mich dann meist mit meinem Amtskollegen in Tirol. Das letzte Mal war ich vor fünf Tagen in Innsbruck.

Hätten Sie sich vor einem Jahr vorstellen können, dass es am Brenner wieder Grenzkontrollen geben würde?
Nein, niemals! Ich konnte mir nicht einmal eine Diskussion darüber vorstellen.

Arno Kompatscher Quelle: PR

Und heute?
Für mich ist das alles immer noch nicht nachvollziehbar. Jedes Jahr fahren rund elf Millionen Fahrzeuge über den Pass, davon zwei Millionen schwere Lkw. Der Brenner ist ein wichtiges Nadelöhr von Nord- nach Südeuropa. Der Pass ist aber auch ein Symbol für die Überwindung von Trennungen und Grenzen in Europa, für das Ende nationalstaatlichen Denkens. Für uns Südtiroler stehen der Brenner und der Fall der innereuropäischen Grenzkontrollen aber auch für die Wiederzusammenführung mit Tirol in Österreich.

Haben Sie kein Verständnis für die österreichische Regierung, wenn sie Limits bei der Aufnahme von Flüchtlingen setzt?
Mit mehr als 90.000 aufgenommenen Asylsuchenden hat Österreich im vergangenen Jahr wirklich Großes geleistet. Die Flüchtlinge müssen allerdings nicht nur untergebracht werden, sie müssen auch integriert werden. Und da sieht Wien offenbar die Grenzen der Belastbarkeit der Gesellschaft erreicht. Andererseits wollen auch viele Tiroler auf der österreichischen Seite keinen Zaun am Brenner.

So viel Geld bekommen Flüchtlinge in den europäischen Ländern

Ist die Flüchtlingspolitik der österreichischen Regierung auch eine Reaktion auf den starken Zulauf, den die Rechtspopulisten zurzeit in Österreich haben?
Ich glaube, Wien will auch ein Signal senden: Zum einen an die Schlepper, dass es sich nicht lohnt, Flüchtlinge nach Italien zu bringen und zum anderen an die italienische Regierung, sie möge doch bitteschön ihre Hausaufgaben bei der Erstregistrierung der Flüchtlinge machen.

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