Kopenhagen-Attentat Attentäter von Kopenhagen wollte für IS kämpfen

Nach und nach wird das Bild des 22-Jährigen schärfer, der am Wochenende in Kopenhagen zwei Menschen erschoss. Aber war er ein Einzeltäter? Zwei Festnahmen sprechen dagegen.

Die zehn reichsten Terrorgruppen der Welt
Platz 10: Boko HaramJahreseinkommen: 25 Millionen US-Dollar Ziele: „Die moderne Erziehung ist Sünde“ – dafür steht Boko Haram. Die islamistische Terrorgruppe, die sich mittlerweile „Vereinigung der Sunniten für den Ruf zum Islam und den Dschihad“ nennt, will westliche Bildung in Nigeria verbieten und die Scharia einführen. Sie machte sich einen Namen, indem sie zahlreiche Christen und moderate Muslime in Nigeria ermordet hat. Im Frühjahr 2014 hatte Boko Haram über 200 Mädchen aus einer Schule entführt (Foto). Quelle: AP
Platz 9: Real IRAJahreseinkommen: 50 Millionen US-Dollar Ziele: Die Real IRA beansprucht der einzige rechtmäßige Nachfolger der „Irish Republican Army“ (IRA) zu sein. Wie ihre von 1919 bis in die 70er Jahre bestehende paramilitärische Organisation, strebt auch die neue IRA die komplette Unabhängigkeit ganz Irlands – also auch Nordirlands – von Großbritannien an. Die 1997 gegründete Gruppe zeigt sich verantwortlich für einen Bombenanschlag 1998 im nordirischen Omagh, der 29 Menschen tötete. Beim Beschuss einer Kaserne tötete die Real IRA 2009 zwei britische Soldaten. Quelle: AP
Platz 8: Al-ShabaabJahreseinkommen: 70 Millionen US-Dollar Ziele: Sie waren sogar Osama bin Laden zu hart: Bis zu dessen Tod bemühte sich die somalische Terrororganisation al-Shabaab ins Netzwerk von al-Qaida aufgenommen zu werden. Bin Laden wehrte sich dagegen, da al-Shabaab auch Muslime ermordet. Das Ziel der Gruppe ist es, einen islamischen Staat am Horn von Afrika zu errichten und sich an einem weltweiten Dschihad zu beteiligen. Sie bekämpft dafür die somalische Regierung und kontrolliert bereits Teile Südsomalias, wo sie streng nach der Scharia regiert. Das Foto zeigt Denis Allex, einer 2013 von den Terroristen getötete französische Geisel. Al-Shabaab hat bin Ladens Nachfolger Aiman az-Zawahiri die Treue geschworen und gilt seitdem als lokaler Ableger von al-Qaida. Quelle: dpa
Platz 7: Laschkar e-TaibaJahreseinkommen: 100 Millionen US-Dollar Ziele: Im Kaschmirkonflikt zwischen Indien und Pakistan mischt auch die Terrororganisation Laschkar e-Taiba mit. Sie wollen die Muslime im indischen Teil Kaschmirs befreien und einen islamischen Staat errichten. Auf ihr Konto gehen Anschläge in Mumbai 2006 und 2008 – unter anderem auf das Luxushotel Taj Mahal Palace (Foto). Quelle: REUTERS
Platz 6: Al-Qaida und seine AblegerJahreseinkommen: 150 Millionen US-Dollar Ziele: Das lose weltweite Netzwerk meist sunnitischer Islamisten will einen weltumspannenden Gottesstaat aller islamischen Länder herbeiführen. Spätestens seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ist al-Qaida in aller Munde. Das Foto zeigt die New Yorker Gedenkstätte. Quelle: AP
Platz 5: TalibanJahreseinkommen: 400 Millionen Euro Ziele: Die Taliban wollen ihre Macht in Afghanistan zurückerlangen, die sie nach dem Einmarsch der US-Einheiten ins Land 2003 verloren hatten. Die Islamisten verüben seit dem von Pakistan aus gezielte Anschläge gegen afghanische und internationale Truppen sowie gegen die afghanische Bevölkerung. Letztere leidet am meisten darunter: mehr als doppelt so viele Anschläge treffen die Zivilbevölkerung. Das Bild zeigt einen Anschlag vom Oktober 2014. Quelle: dpa
Platz 4: HisbollahJahreseinkommen: 500 Millionen US-Dollar Ziele: Einerseits Partei, andererseits Miliz – die schiitische Hisbollah stellt mehrere  Parlamentsabgeordnete im Libanon und war schon an mehreren libanesischen Regierungen beteiligt. Die Miliz der Hisbollah sieht sich angesichts der schwachen libanesischen Armee als die Beschützer des Libanons – vor allem vor Israel. Die Hisbollah entstand 1982, nachdem Israel das Land angegriffen hatte. Mit den USA, Kanada und Israel stufen lediglich drei Staaten die gesamte Hisbollah als terroristisch ein; die EU sieht lediglich die Miliz als Terrororganisation. Quelle: dpa
Platz 3: FARCJahreseinkommen: 600 Millionen US-Dollar Ziele: Von der marxistischen Gruppe zum Drogenkartell – die „Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia“ (FARC), zu deutsch Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens, finanzieren ihren Kampf gegen den Staat  durch Drogenhandel, Erpressung, Entführungen und Goldabbau. Quelle: dpa
Platz 2: HamasJahreseinkommen: Eine Milliarde US-Dollar Ziele: Vom Gaza-Streifgen aus arbeitet die Hamas seit 1987 daran, Israel zu zerstören und einen islamischen Staat zu errichten. Sie finanziert sich vor allem dadurch, dass sie internationale Hilfsgelder für den Gaza-Streifen abzwackt. Quelle: REUTERS
Platz 1: Islamischer StaatJahreseinkommen: 2 Milliarden Euro Ziele: Der „Islamische Staat im Irak und Syrien“ (ISIS) war einmal – die Terrorgruppe will weltweit expandieren und nennt sich nur noch „Islamischer Staat“ (IS). Diese Expansion finanziert der IS aus dem Verkauf von Öl aus den eroberten Gebieten und durch Spenden einflussreicher Personen aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Katar und Kuwait. Außerdem verkaufen IS-Mitglieder Frauen als Bräute und Kunstobjekte aus geplünderten Museen sowie archäologischen Grabungsstätten. Hinzu kommen Lösegelder, erhobene Steuern und Zölle. Quelle: AP

Nach den Terroranschlägen von Kopenhagen verdichten sich die Hinweise auf ein islamistisches Motiv des getöteten Attentäters. Der 22-jährige arabischstämmige Todesschütze wollte sich einem Medienbericht zufolge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien anschließen. Weil er diesen Wunsch während einer Gefängnisstrafe geäußert habe, hätten ihn die Behörden auf eine Liste radikalisierter Häftlinge gesetzt, berichtete die Zeitung „Berlingske“ am Montag. Die Polizei nahm zwei mutmaßliche Komplizen fest, die wegen Verdachts der Mithilfe in Untersuchungshaft kamen.

Die Männer sollen dem Attentäter „mit Rat und Tat“ geholfen haben, wie die Polizei erklärte. Sie wurden bereits am Sonntag festgenommen. Medienberichten zufolge haben die Männer dem Attentäter Waffen besorgt, was die Polizei zunächst nicht bestätigte.

Der 22-Jährige war der Polizei unter anderem wegen Gewaltdelikten und Verstößen gegen das Waffengesetz bekannt. Der Mann sei in Dänemark geboren und im Bandenmilieu aufgefallen, teilte die Polizei mit. Laut dem Fernsehsender tv2 hieß er Omar Abdel Hamid El-Hussein. Dass er sich dem IS anschließen wollte, bestätigten die Behörden nicht.

Die Eltern des Attentäters sind Medienberichten zufolge Palästinenser. Er soll sich mehrfach sehr wütend über Israel geäußert und gesagt haben, dass er Juden hasse. Nach Informationen des dänischen Rundfunks war er erst vor wenigen Wochen aus dem Gefängnis entlassen worden. Im November 2013 hatte er laut „Danmarks Radio“ einen Messerangriff in einer S-Bahn verübt.

Der Vater des Täters reagiert bestürzt auf die Tat. „Ich bin genauso schockiert wie der Rest der Welt“, sagte er der Zeitung „Jyllands Posten“. Er habe erst durch einen Anruf der Polizei von den Anschlägen seines Sohnes erfahren.

Der Terrorist hatte am Samstag und in der Nacht zum Sonntag angegriffen. Bei Schüssen auf ein Kulturcafé starb ein dänischer Filmemacher. Vor einer Synagoge im Stadtzentrum tötete der Angreifer einen 37 Jahre alten jüdischen Wachmann. Die Polizei erschoss den Terroristen bei einer versuchten Festnahme, nachdem er das Feuer eröffnet habe. Die bei den Anschlägen verletzten fünf Polizisten sind auf Weg der Besserung.

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Dänemark wollte am Montag mit Trauerkundgebungen der beiden Opfer gedenken. Zur Hauptveranstaltung am Abend in Kopenhagen erwarteten die Veranstalter mindestens 13 000 Menschen. Als Zeichen der Solidarität mit Dänemark wurden in Brüssel die Flaggen vor allen EU-Institutionen auf halbmast gesetzt.

Die israelische Regierung erntete mit ihrem Aufruf an die in Europa lebenden Juden zur Auswanderung nach Israel deutlichen Widerspruch. Die Juden hätten ihren Platz in Europa und im Besonderen in Frankreich, sagte Frankreichs Staatspräsident François Hollande. „Die Situation in Europa ist nicht so schlimm, das Leben in Europa ist nicht so katastrophal“, sagte Dänemarks Chefrabbiner Jair Melchior dem israelischen Rundfunk.

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