Korruptionsskandale und kein Ende Italienische Politiker verprassen Millionen

Die Schuldenkrise beutelt Italien, doch in der Region Latium verjubelten Abgeordnete auf einer Luxusparty mit Champagner und Austern hemmungslos Steuergelder in Millionenhöhe: Der Skandal "Laziogate" erschüttert das Land - und es ist bei weitem nicht der einzige. Die Regierung will nun durchgreifen. Derweil wurde bekannt, dass der Schuldenberg noch viel höher ist, als bislang angenommen.

Was Sie über Italien wissen sollten
Griechen, Römer, katholische Kirche und die Renaissance: Italien ist das Land mit den meisten Denkmälern, die unter dem  Schutz der Unesco stehen. 47 nationale Monumente listet die Unesco derzeit auf. Mit dabei: der griechische Juno-Tempel von Agrigent, Sizilien. Quelle: AP
Italien hat mehrere aktive Vulkane. Der Ätna (im Bild), der Vesuv und der Stromboli sind in den vergangenen 100 Jahren mehrmals ausgebrochen. Das Naturschauspiel wandelt sich schnell zur Naturkatastrophe - Erdbeben und Vulkane fordern stets zahlreiche Menschenleben. Quelle: dapd
Italien - ein Land mit den Gebirgsketten Alpen und Apenninen und 60 Millionen Einwohnern. Da bleibt nicht viel übrig für die Landwirtschaft. Lediglich ein Drittel der Landesfläche kann dafür genutzt werden. Trotzdem gehört das Mittelmeerland zu einem der weltweit größten Exporteure für Kiwifrüchte. Außerdem baut das Land erfolgreich Wein und Olivenöl an - weitere Exportschlager.
Der Hang, hierzulande italienische Dinge zu übernehmen, hat Tradition. 1861 wurde Italien als Nationalstaat gegründet, Deutschland unternahm den gleichen Schritt zehn Jahre später 1871. Die Faschisten marschierten unter Mussolini 1922 auf Rom, 1933 kamen die Nazis in Berlin an die Macht. Anfang der 1990er Jahre schaffte sich die bis dann am längsten regierende Partei Democrazia Cristiana ab. Ein Vorzeichen für die Union? Quelle: dpa
Auch das Marschieren hat Tradition. Als Rom noch eine Weltmacht war: Die Legionen aus der iberischen Stiefelhalbinsel marschierten auf der Höhe des römischen Imperiums im Jahr 117 von Portugal bis nach Syrien. 120 Millionen Menschen lebten in den Grenzen des Imperiums.
Italien hat einige bedeutende Entdecker und Abenteurer hervorgebracht. Marco Polo ging zu Fuß nach China und brachte Gewürze zurück. Im Dienste der spanischen Krone überquerte Christoph Kolumbus mit drei kleinen Karavellen den Atlantik - und entdeckte Amerika und die Neue Welt. Im Bild: Touristen betrachten Christoph Kolumbus' Grabmahl, in dem sich die sterblichen Überreste des Abenteurers befinden sollen, in Kathedrale von Sevilla, Spanien. Quelle: AP

Mehrere Korruptionsskandale sorgen derzeit in Italien für Aufregung. Während Regierungschef Mario Monti in der Welt um Vertrauen für Italien wirbt und viele Bürger im Würgegriff der Krise nicht wissen, wie sie immer höhere Abgaben bezahlen sollen, lebten Politiker auf Kosten der Steuerzahler in Saus und Braus. In der mittelitalienischen Region Latium, zu der auch die Hauptstadt Rom gehört, kostete eine Togaparty im römischen Stil mit Champagner und Austern eine fünfstellige Summe; es gab teure Übernachtungen, Wein und Luxuskrawatten - der Skandal „Laziogate“ erschüttert Italien.

In den Zeitungen ist schon die Rede von einem neuen "Tangentopoli" (etwa: "Stadt der Schmiergelder", von tangente für Schmiergeld und polis für Stadt), dem großen italienischen Schmiergeldskandal der 1990er Jahre in Mailand. Sieben der insgesamt 20 Regionen sind laut Nachrichtenagentur Ansa im Visier der Ermittler. Überprüfungen gibt es außer in Latium im Piemont, in Kampanien, der Basilikata, der Emilia Romagna, Sizilien und Sardinien. Mal geht es um Untreue, mal um Bestechung, mal haben Politiker sich „nur“ großzügig aus den Töpfen bedient.

Der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, sprach von einer „beschämenden Sache“. Und der Präsident des Rechnungshofes, Luigi Giampaolino, sagte, man sei ja Krankhaftes gewohnt. „Aber dass es so weit kommen könnte, haben wir - sofern alles wahr ist - nicht gedacht.“

Italiens Reformen

Am Mittwoch wurde ein weiterer Skandal bekannt: fünf Steuerbeamte in Genua haben rund 100 Millionen Euro an Steuergeldern unterschlagen. Damit finanzierten sie sich Privatflugzeuge, Partys und Jachten. Die Finanzpolizei nahm den Chef einer Steuerbehörde und vier seiner Angestellten fest, die im Auftrag von 400 Gemeinden Steuern eintrieben. Der Mann soll ein System aus Schwarzen Kassen aufgebaut haben und mindestens 20 Millionen Euro in die eigene Tasche gesteckt haben. Mit dem Geld seien auch Luxusautos, Urlaube sowie Musikkonzerte bezahlt worden, hieß es.

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