Korruptionsvorwürfe Janukowitsch soll 100 Milliarden Dollar unterschlagen haben

Korruptionsnetze wie bei der Mafia: Viktor Janukowitsch soll die Ukraine um 100 Milliarden Dollar betrogen haben. Das entspricht mehr als der Hälfte der ukrainischen Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr.

Der Maidan steht in Flammen
Der berühmte Maidan, der Unabhängigkeitsplatz in Kiew, steht in Flammen. Ein Demonstrant schützt seine Augen, während er Stacheldraht um das Feuer zieht. Quelle: dpa
Sicherheitskräfte stürmten in der Nacht auf Mittwoch (19. Februar) den von Demonstranten besetzten Unabhängigkeitsplatz. Auf beiden Seiten gab es Tote und Verletzte, als die Situation eskalierte. Quelle: dpa
Die meisten Todesopfer starben durch Schusswunden, wie Vertreter von Behörden und Opposition erklärten. Hunderte Menschen wurden verletzt, dutzende von ihnen schwer. Quelle: dpa
Die Regierungsgegner setzten zahlreiche Barrikaden in Brand, um die Polizei zu vertreiben. Der Maidan verwandelte sich in ein Flammenmeer, Rauchsäulen steigen in den Himmel. Quelle: dpa
Die Unruhen weiteten sich auf mehrere Städte im Westen des Landes aus. In Stanislau und Lemberg besetzten Demonstranten am späten Dienstagabend nach Polizeiangaben mehrere Verwaltungsgebäude der Regionalregierung. In Ternopil wurde das Polizeihauptquartier in Brand gesetzt, wie Medien berichteten. Nach Angaben eines Oppositionspolitikers besetzten Demonstranten zudem das Gebäude der Staatsanwaltschaft. Quelle: dpa
Die ehemalige Sowjetrepublik erlebte den bislang blutigsten Tag seit Beginn ihrer Unabhängigkeit vor mehr als 20 Jahren. Demonstranten warfen mit Steinen und Molotowcocktails. Quelle: dpa
Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht: Ein nächtliches Krisentreffen von Präsident Viktor Janukowitsch mit Oppositionsführern blieb ohne Ergebnis. Quelle: dpa

Der amtierende Generalstaatsanwalt der Ukraine erhebt schwere Vorwürfe gegen den abgesetzten Präsidenten Viktor Janukowitsch. Mit einem der Mafia ähnlichen System habe Janukowitsch den ukrainischen Staat um bis zu 100 Milliarden Dollar betrogen, sagte Oleg Machnitski in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2010 habe der inzwischen nach Russland geflohene Politiker persönlich ein Korruptionsnetz verantwortet, das fast sämtliche Ebenen des Staates und der Gesellschaft durchdrungen habe. Der während der Entmachtung Janukowitschs zum Generalstaatsanwalt ernannte Machnitski gehört der rechtsradikalen Swoboda-Partei an. Er äußerte sich am Dienstag in London.

Dort hatte er mit Vertretern Großbritanniens und der USA darüber beraten, wie unterschlagenes Staatsvermögen in die Ukraine zurückgeführt werden kann. US-Justizminister Eric Holder und die britische Innenministerin Theresa May erklärten, beide Länder wollten der Ukraine dabei helfen, das von Janukowitsch und seinen Gefolgsleuten gestohlene Geld aufzuspüren und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Dem ukrainischen Chefankläger Machnitski zufolge gelangte Geld teilweise auch nach Westeuropa. Er nannte keine Namen von Banken, die an verdächtigen Geschäften beteiligt gewesen sein könnten.

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Die unterschlagenen Summen seien aber vor allem in Russland gelandet, sagte Machnitski weiter. Allein 32 Milliarden Dollar hätten Janukowitsch und seine Helfer in Lastwagen über die Grenze geschafft. "Dieses Geld fließt nun in die Finanzierung der Separatisten im Osten der Ukraine." Er räumte ein, dass der Betrag noch nicht genau beziffert werden kann. Die von ihm genannten 100 Milliarden Dollar entsprechen mehr als der Hälfte der ukrainischen Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr. Weder der untergetauchte Janukowitsch noch seine Kontaktleute waren für eine Stellungnahme zu erreichen.

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