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Kosten der Euro-Rettung Deutschlands Wohlstand geht dahin

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Lohnbonanza beendet Wettbewerbsfähigkeit

Die zehn größten Euro-Lügen
Ex-EZB-Chef Jean-Claude Trichet Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble Quelle: dpa
Giorgios Papandreou Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble Quelle: dapd
Chef der Eurogruppe Jean-Claude Juncker Quelle: dapd
Angela Merkel mit Draghi Quelle: dapd
Mariano Rajoy Quelle: REUTERS

Ein weiterer Effekt der Niedrigzinsen: Sie verleihen der Konjunktur ordentlich Schub und kurbeln die Nachfrage nach Arbeitskräften an. Das klingt zunächst einmal nicht schlecht. Aber weil die Alterung der Bevölkerung das Arbeitskräfteangebot in den nächsten Jahren sinken lässt, werden Arbeitskräfte künftig knapp. Das eröffnet den Gewerkschaften Spielräume, die Löhne so kräftig zu erhöhen wie lange nicht mehr. Die jüngsten Tarifabschlüsse von rund drei Prozent geben einen Vorgeschmack auf die Lohnbonanza der nächsten Jahre – sie sind ein Menetekel für Einbußen in Sachen Wettbewerbsfähigkeit.

Im nächsten Jahr dürften die effektiven Stundenlöhne nach Schätzung der Ökonomen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft um 3,6 Prozent wachsen – mehr als doppelt so schnell wie die Produktivität. Die Folge: Die Lohnstückkosten, entscheidende Größe für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit, steigen um 2,3 Prozent. Bereits seit Anfang 2012 klettern sie schneller als im Schnitt der Euro-Zone (siehe Grafik). Dadurch verliert Deutschland die Kostenvorteile, die es sich durch die Agenda-Reformen und die Lohnzurückhaltung in den vergangenen Jahren erarbeitet hat.

Deutschland verliert seinen Vorsprung

In den Peripherieländern dürften die Regierungen das mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen. Ihr simples Kalkül: Je stärker Deutschland seine Kosten nach oben treibt, desto weniger müssen sie selbst tun, um die eigenen Kosten in den Griff zu bekommen. Ökonomisch ist das eine Milchmädchenrechnung. Denn durch die Kletterpartie der Löhne verliert Deutschland nicht nur seinen Wettbewerbsvorsprung gegenüber den Euro-Ländern, sondern auch gegenüber den USA und China – mit der Folge, dass die deutsche Wirtschaft, die knapp 63 Prozent ihrer Exporterlöse außerhalb der Währungsunion erwirtschaftet, als Konjunkturlokomotive für den Kontinent ausfällt.

Wie der Euro Deutschlands Wohlstand gefährdet

Dann aber dreht sich die Spirale weiter: Büßt Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit ein, dürfte sich die EZB bemüßigt fühlen, den Wechselkurs des Euro einmal mehr zu schwächen – und den Euro gegenüber dem Dollar abwerten. Das könnte manche Unternehmen freuen. Selbst Eric Schweitzer, neuer Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), glaubt ja, dass "der Euro unsere Produkte günstiger macht". Das Problem ist nur: Das süße Gift der Abwertung hat langfristig verheerende Wirkungen: Es betäubt das Kostenbewusstsein der Betriebe, treibt die Importpreise, fördert Lohnzuwächse, provoziert Inflation – und am Ende versinkt die Wirtschaft in einem Teufelskreis aus Abwertung und Teuerung.

Schutz in Anleihen wirtschaftlich starker Länder

Die Niedrigzinsen entwerten darüber hinaus das Vermögen der Sparer. In den Nordländern reichen die Renditen für Staatsanleihen längst nicht mehr, um Sparer für die Geldentwertung zu entschädigen (siehe Grafik). Daran dürfte sich so schnell nichts ändern. Denn zum einen werden die krisengeplagten Anleger wohl weiter Schutz in den Anleihen der wirtschaftlich starken Länder suchen. Zum anderen versuchen die großen Zentralbanken, die überbordenden Schuldenberge ihrer Regierungen durch negative Realzinsen abzuschmelzen.

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