Kreditverbriefungen EZB erwägt offenbar Kauf von schlechten Papieren

EZB-Chef Mario Draghi hat mehrfach betont, die Zentralbank würde nur "einfache und sichere" Kreditverbriefungen kaufen. Ein Bericht wirft nun Zweifel auf. Wie viele Risiken bürdet Draghi dem Steuerzahler auf?

EZB-Präsident Mario Draghi. Quelle: dpa

Kritiker sehen die jüngsten Manöver der Europäischen Zentralbank (EZB) ohnehin sehr skeptisch. Das gilt insbesondere für den Ankauf von verbrieften Krediten. Bisher konnte EZB-Chef Mario Draghi immer beschwichtigen indem er darauf verwies, dass die EZB nur "einfache und transparente" Papiere kaufen würde. Doch ein Bericht der Zeitung "Die Welt" sorgt erneut für Zweifel an Draghis Ausführungen.

Demnach erwägt die Notenbank auch den Ankauf von Kreditverbriefungen mit einem höheren Ausfallrisiko. Der Bericht beruft sich dabei auf mit der Debatte vertraute Personen. Es werde diskutiert, auch solche Verbriefungen zu erwerben, die ein schlechteres Rating als "A-" hätten. Befürworter dieses Vorgehens hielten das für notwendig, wenn das Aufkaufprogramm wirklich gegen Deflationsgefahren helfen soll.

Es sei daher wahrscheinlich, dass die Ratingschwelle für Ankäufe niedriger angesetzt werde. Allerdings werde die EZB die Risiken im Blick behalten. "Alter Müll" werde sicher nicht zusammengekauft.

Reaktionen auf EZB-Zinssenkung und Wertpapierkäufe

Was Kritiker hellhörig werden lässt: Den Berichten zufolge erwägt die EZB damit auch den Kauf von Papieren, die sie bisher immer ablehnte. Sie würde dann verbriefte Kredite kaufen, die von der Notenbank bisher nicht mal als Pfand für Bankdarlehen akzeptiert wurden. Das ist mit großen Risiken verbunden, die letztlich der Steuerzahler tragen muss.

EZB will sich nicht äußern

Ein Sprecher der EZB wollte sich zu den Angaben nicht äußern. Er habe darauf verwiesen, dass die Details noch nicht beschlossen seien, sie sollten erst Anfang Oktober festgelegt werden, sagte er.

Das EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny hatte in der vergangenen Woche gesagt, beim Aufkauf von Kreditverbriefungen, sogenannten Asset Backed Securities (ABS), müsse das Risiko für die EZB tragbar sein.

Verbriefte Kredite, also ABS, entstehen, wenn Banken aus ihren Forderungen ein Paket schnüren. Das verkaufen sie in Form von Wertpapieren an Investoren weiter. In diesem Fall kauft die EZB die verpackten Forderungen und entlastet damit die Bilanzen der Banken. Diese sollen dadurch mehr Spielraum für die Kreditvergabe bekommen.

Handelbar werden diese Kredite durch die Besicherung der Bank. Das Bündeln mehrerer Kredite soll das Risiko verringern und für eine gewisse Streuung sorgen. Fällt ein Kredit aus und kann nicht zurückgezahlt werden, können die anderen Darlehen das ausgleichen.

Bisher kaum ABS ausgefallen

Natürlich sind Kreditverbriefungen nicht pauschal gefährlich. In Europa sind bisher kaum ABS ausgefallen. Es kommt eben drauf an, welche Kredite verbrieft werden. Sind es Forderungen gegenüber solide wirtschaftenden Unternehmen, ist das Ausfallrisiko relativ gering. Sind es dagegen Immobilienkredite von Schuldnern, die sich für den Hauskauf hoch verschuldet haben und denen die Liquidität ausgeht, ist das Ausfallrisiko hoch.

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Vor allem in der Finanzkrise gerieten ABS in Verruf. Denn in den USA wurden vor allem faule Hypothekenkredite verbrieft, die sogenannten Subprimes. Da die Kredite reihenweise ausfielen, hatte der Käufer der Verbriefungen faule Kredite in seiner Bilanz - und musste am Ende den Verlust hinnehmen. Der Markt für solche Papiere brach daraufhin weitgehend zusammen.

Das Programm der EZB soll im Oktober starten. Die Notenbank will damit vor allem erreichen, dass Banken kleinen und mittelständischen Firmen im Süden der Euro-Zone mehr Kredite gewähren und die lahme Konjunktur so wieder Tritt fasst.

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