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Kreditwürdigkeit Moody's stuft Spanien um drei Stufen ab

Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit Spaniens um gleich drei Stufen abgesenkt. Damit steht das Land nur noch eine Stufe über Ramschniveau.

Ratingagentur Moody's Quelle: dpa

Spanien bekommt das Misstrauen der Anleger und Analysten immer härter zu spüren: Nachdem Madrid inzwischen für seine Anleihen Rekordzinsen zahlen muss, stufte die Ratingagentur Moody's Spanien am Mittwochabend von A3 auf Baa3 ab - das ist nur noch eine Stufe über Ramschstatus. Zypern wurde wegen seiner engen Verbindungen zu Griechenland tiefer in die Ramschstufe befördert, die Kreditwürdigkeit wird nur noch mit Ba1 bewertet.Lob gab es dagegen vom Internationalen Währungsfonds (IWF) für Irland, das auf Konsolidierungskurs sei.

Die Abstufung Spaniens sei Folge der Flucht unter den EU-Rettungsschirm zur Rettung maroder Banken, erklärte Moody's. Da Madrid für die bis zu 100 Milliarden schwere EU-Spritze gerade stehen müsse, steige somit auch die spanische Staatsverschuldung. Nach der nun erfolgten Senkung der Kreditwürdigkeit werde in den kommenden Monaten eine weitere Herabstufung geprüft.

Spaniens Baustellen
Spanien hat wie die anderen südeuropäischen Euro-Länder von den niedrigen Zinsen in der Währungsunion profitiert und einen kräftigen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Ähnlich wie in Irland bildete sich eine Immobilienblase, die mit einem lauten Knall platzte: Der Bausektor fiel in sich zusammen, die Arbeitslosigkeit stieg rasant. Quelle: REUTERS
Seit 2008 stieg die Arbeitslosenquote von knapp über zehn auf fast 25 Prozent. Bei den Jugendlichen ist fast jeder Zweite arbeitslos. Hatten bislang vor allem ungelernte Arbeitskräfte in der Bauwirtschaft und im Servicebereich ihren Job verloren, trifft es jetzt auch qualifizierte Kräfte. Nach einem schwachen Wachstum in der ersten Jahreshälfte 2011 befindet sich Spaniens Wirtschaft jetzt wieder in der Rezession. In diesem Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,7 Prozent schrumpfen. Quelle: dpa
Das Hauptproblem: Fortbildungsprogramme und Arbeitsvermittlung wurden bislang vernachlässigt, Teilzeitverträge existierten bislang fast gar nicht. Auf Seiten der Arbeitnehmer haben sich zu viele Angestellte in komfortablen Bedingungen eingenistet. Flexibilität und Mobilität bei Stellensuchenden sind so gut wie gar nicht ausgeprägt. Quelle: REUTERS
Ausgerechnet die Hochqualifizierten bewegen sich nun – mit fatalen Folgen für Spanien. Weil Jobs und Perspektiven für Akademiker fehlen, schauen sich junge Iberer zunehmend im Ausland nach Jobs um. In Deutschland könnte sie fündig werden. Die Bundesregierung warb im vergangenen Herbst um spanische Ingenieure. Mit Erfolg. Bis zum Jahresende 2011 bewarben sich mehr als 14.000 junge Iberer um einen Job zwischen Hamburg und München. Spanien droht nun der „brain drain“. Quelle: dpa
Ein weiteres Problem: Spaniens Regierungschef legt ein hohes Reformtempo vor – doch die Kommunal- und Regionalregierungen zeigen keinerlei Sparbereitschaft. Während die Zentraladministration seit 2001 ihr Personal um 22 Prozent reduziert habe, sei die Belegschaft der autonomen Gemeinschaften um 44 Prozent und die der Gemeinden um 39 Prozent gestiegen, rechnete Antonio Beteta vor, der Staatssekretär für öffentliche Verwaltungen. Quelle: REUTERS
Höhere Sozialausgaben und sinkende Steuereinnahmen aufgrund der Rezession und der Abwanderung von Hochqualifizierende führen zwangsläufig zu einem Anstieg der Verschuldung. Die Gesamtverschuldung liegt derzeit mit knapp 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zwar unter dem Schnitt der Eurozone, aber diese Zahl dürfte bis 2014 rasant wachsen. Die Ratingagentur Moody’s geht davon aus, dass die Verschuldung bis Jahresende bei rund 80 Prozent des BIPs liegen wird. Quelle: dpa
Auch die Finanzmärkte sind skeptisch. Zwar haben die großzügigen Geldausleihen der Europäischen Zentralbank (EZB), bei der sich vor allem südeuropäische Banken mit Liquidität versorgt haben, auch die Renditen spanischer Staatsanleihen auf ein erträgliches Niveau gedrückt. Doch die Anleger verlangten von Spanien zuletzt wieder höhere Renditen als für Italien – ein deutliches Zeichen des Misstrauens. Quelle: REUTERS

Mit dem spanischen Staat wurde von Moody's auch noch gleich der Fonds für Bankenrestrukturierung, der 2009 gegründete Fondo de Reestructuración Ordenada Bancaria, auf die selbe Stufe Baa3 abgewertet. Begründung: Der Fonds werde vollständig und bedingungslos von der Regierung garantiert. Es sei klar, dass die Verantwortung für die Sanierung der Banken bei der spanischen Regierung liege, hieß es in der Moody's-Mitteilung. Moody's erwartet, dass die spanische Staatsverschuldung in diesem Jahr auf 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen und bis zur Mitte des Jahrzehnts weiter zunehmen wird.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy forderte am Mittwoch bereits angesichts der zunehmenden Misere Hilfen der Europäischen Zentralbank für sein Land. In einem Schreiben an EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionschef José Manuel Barroso hieß es, die EZB solle ein Programm zum Aufkauf spanischer Staatsanleihen wiederaufleben lassen. Mit den Käufen hatte die EZB im vergangenen Herbst die Zinsen für spanische Staatsanleihen gedrückt.

Zypern im Abwärtssog um Griechenland

Die Kreditwürdigkeit von Zypern, die Moody's bereits im März auf Ramschniveau gesenkt hatte, wurde am Mittwochabend um zwei weitere Stufen auf Ba1 nach unten korrigiert. Begründet wurde dies mit neuen Sorgen angesichts eines möglichen Euro-Ausstiegs von Griechenland nach der Parlamentswahl am kommenden Sonntag.

Der IWF sieht Irland trotz der Spannungen im Euroraum auf Konsolidierungskurs und zahlt Dublin deswegen eine weitere Rate von 1,4 Milliarden Euro aus dem gemeinsamen Rettungspaket mit der EU aus. Das unter den EU-Rettungsschirm geflüchtete Land habe im vergangenen Jahr seine Finanzen erheblich stabilisiert und Ende Mai seine Verschuldung um 1,3 Prozentpunkte vom Bruttoinlandsprodukt verringert, lobte der IWF in einer in Washington veröffentlichten Pressemitteilung. Dublin setze Reformen des Finanzsektors wie vorgesehen um. Der IWF stellt zur Sanierung Irland über drei Jahre 23,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Insgesamt erhält Dublin von EU und IWF 85 Milliarden Euro.

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