Kreditwürdigkeit von Spanien und Griechenland Ein Lob, aber keine Entwarnung

Ratingagenturen haben die Kreditwürdigkeit von Spanien und Griechenland angehoben. Die Meldung klingt gut - erweckt aber einen falschen Eindruck.

Die Kreditwürdigkeit Spaniens und Griechenlands wurde von der US-Ratingagentur Standard & Poor’s angehoben. Quelle: dpa

Die Kreditwürdigkeit der Euroländer Spanien und Griechenland hat sich nach Einschätzung von Ratingagenturen verbessert. Standard & Poor's hob am Freitag die Bonitätsnote von Spanien um eine Stufe auf „BBB“ an. Die Note liegt damit nun zwei Stufen über dem sogenannten Ramschniveau. Die Ratingagentur Fitch bewertet Griechenland mit der „Note B“, eine Stufe höher als bisher.

In Spanien hätten sich die Wirtschaftsaussichten und die Wettbewerbsfähigkeit verbessert, begründete S&P seine Heraufstufung. Dies sei eine Folge der strukturellen Reformen seit dem Jahr 2010.

Auf einem guten Weg

„Spanien hat Fortschritte gemacht. Dort sind die Lohnkosten gesunken und die Exporte florieren. Auch wenn die Arbeitslosigkeit noch hoch ist, ist das Land doch auf einem guten Weg“, sagt auch Arturo Bris, der für das International Institute for Management Development“ (IMD), eine private Wirtschaftshochschule im Schweizer Lausanne, in dieser Woche die Wettbewerbsfähigkeit der wichtigsten Volkswirtschaften der Welt untersucht hat.

Allerdings ist damit noch längst nicht alles gut. Es gibt einen leichten positiven Trend, für Entwarnung ist aber zu früh. Zwar machten die Iberer im IMD-Ranking sechs Plätze im Vergleich zum Vorjahr gut, doch noch immer rangiert der Fußball-Weltmeister höchstens mittelprächtig konkurrenzfähig. Spanien liegt auf Rang 39 im IMD-Ranking, einen Platz vor der Türkei und einen Platz hinter Russland.

Europa ist nur bedingt wettbewerbsfähig
Ein Mann trägt eine griechische Flagge Quelle: dpa
ItalienAuch Italien büßt zwei Plätze ein und fällt von Rang 44 auf Rang 46. Die Studienleiter kritisieren vor allem das Finanz- und Justizsystem. Die Abgaben seien zu hoch und Verfahren viel zu langwierig und intransparent. Lediglich bei der Produktivität und mit seiner Infrastruktur liegt der Stiefelstaat im Mittelfeld. Ein wenig besser macht es ... Quelle: REUTERS
Ein Mann schwenkt eine portugiesische Flagge Quelle: AP
Stierkampf Quelle: dpa
Eine Frau hält eine Fahne mit einer französischen Flagge in der Hand Quelle: REUTERS
Das Parlamentsgebäude in Wien Quelle: dpa
Finnische Flagge Quelle: dpa
IrlandAuch Irland gelang es im vergangenen Jahr die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Die Insel liegt 2014 auf Rang 15, zwei Plätze besser als noch 2013. Internationale Investoren lieben das Land, das 2010 als erstes unter den Euro-Rettungsschirm flüchten musste (Rang 4). Auch die Behörden und die Steuerpolitik wird gelobt. Die Beschäftigung (Rang 50) und der Binnenkonsum (Rang 43) bleiben hinter den Erwartungen zurück. Quelle: AP
Ein Mann schwenkt eine Flagge mit der Aufschrift Holland Quelle: AP
 Die deutsche Flagge und der Adle im Bundestages in Berlin Quelle: dpa
Schweizer Fahne Quelle: dpa

Die Lage ist angespannt: Die Beschäftigungssituation ist desaströs, um die öffentlichen Finanzen ist es schlecht bestellt und die Fiskalpolitik ist leistungshemmend, fassen die Studienautoren zusammen.

Noch schlechter sieht es in Griechenland aus. Fitch begründete seine Heraufstufung von Griechenland mit den verbesserten Wirtschaftsaussichten und den Fortschritten bei der Sanierung der Staatsfinanzen. Denn das Euro-Krisenland habe im Jahr 2013 erstmals seit einem Jahrzehnt mehr Geld eingenommen als ausgegeben.

Der sogenannte Primärüberschuss ist aber Augenwischerei, da die enormen Zinskosten und Kapitalspritzen an Banken herausgerechnet werden. Kosten, die schlicht anfallen.

Die Wirtschaft ist weiterhin weit davon entfernt, wettbewerbsfähig zu sein. Im IMD-Ranking liegt das Land auf Rang 57 (von 60 getesteten Nationen), noch hinter Jordanien und Bulgarien.

Die Infrastruktur ist unterdurchschnittlich, die Behörden furchtbar ineffizient und der Binnenkonsum quasi nicht existent.

Keine Frage: Die Meldung „Ratingagenturen stufen die Krisenländer hoch“ klingt gut, erweckt aber einen falschen Eindruck.

Die Lage in Südeuropa ist noch immer angespannt.

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