Krieg um Donezk Kämpfe in der Ukraine verschärfen sich

Die jüngsten Vermittlungen im Ukrainekonflikt fruchten nicht. Die Rebellen kündigen eine Offensive an. Der Nato zufolge haben sie bedeutende Verstärkungen erhalten.

Pjotr Poroschenko, der Schoko-Zar
Pjotr Poroschenko gilt wegen seines Süßwarenkonzerns Roshen als Schoko-Zar der Ukraine. Der 48-jährige Milliardär hatte bereits die prowestliche Orangene Revolution von 2004 mitfinanziert. Sein Fernsehsender 5. Kanal berichtete damals wie heute detailliert über die Demonstrationen in Kiew. Viele Wähler schätzen an dem Oligarchen, dass er mit Geld umgehen kann. Quelle: dpa
Der Befürworter einer EU-Annäherung der Ukraine saß in der Vergangenheit bereits als Chef des Nationalen Sicherheitsrates, als Außenminister sowie als Wirtschaftsminister an den Hebeln der Macht. Während der proeuropäischen Proteste in den vergangenen Monaten stieg die Popularität des ausgebildeten Diplomaten, nachdem er sich zwischen Randalierer und die Polizei gestellt hatte. Quelle: REUTERS
Im Wahlkampf wurde Poroschenko auch von Kanzlerin Angela Merkel empfangen. Auf viele Ukrainer, die deutsche Stabilität schätzen, machte dies Eindruck. Der wenig charismatische Unternehmer gilt vor allem als „ausgleichender Ruhepol“ in der gespannten Lage. Unnachgiebig zeigt er sich aber gegenüber den bewaffneten Separatisten im Osten des Landes. Quelle: dpa
Im Gegensatz zu seiner Kontrahentin, der früheren Regierungschefin Julia Timoschenko (im Bild), fordert Poroschenko keinen schnellen Nato-Beitritt. Im äußerst schwierigen Verhältnis zum großen Nachbarn Russland setzt Poroschenko bei allen Ressentiments weiter auf Dialog. Russland war bislang der wichtigste Markt für seine Süßwaren. Quelle: dpa
Bereits 1998 war der Jurist erstmals mit den Sozialdemokraten in das Parlament eingezogen. Mit diesen überwarf er sich aber bald. Poroschenko gehörte zu den Gründern der prorussischen Partei der Regionen, die Viktor Janukowitsch ins Präsidentenamt hievte. Quelle: REUTERS
Wegen „Differenzen“ verließ Poroschenko auch diese Partei, gründete seine eigene politische Bewegung, die aber kaum in Erscheinung tritt. Im Wahlkampf verzichtete er anders als andere Kandidaten auf Unterstützung einer Partei. Geboren wurde er am 26. September 1965 nahe Odessa. Quelle: dpa
Poroschenkos Roshen-Konzern ist vor allem für süße Pralinen bekannt. Experten schätzen Poroschenkos Vermögen auf 1,3 Milliarden US-Dollar (rund eine Milliarde Euro). Quelle: dpa

Eskalation in der Ostukraine: Ungeachtet aller Vermittlungsbemühungen haben die prorussischen Rebellen eine Offensive angekündigt. Seine Kämpfer wollten weitere Gebiete erobern und seien in fünf Richtungen auf dem Vormarsch, sagte Rebellenchef Alexander Sachartschenko am Freitag. Die ukrainischen Truppen würden an die Grenzen der Region Donezk zurückgedrängt. Die Nato sah Anzeichen für einen Großangriff. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko drohte den Rebellen mit Vergeltung.

Sachartschenko sagte: „Unsere Seite wird keine Versuche mehr unternehmen, über einen Waffenstillstand zu reden.“ Unklar blieb, ob er eine Vereinbarung zum Abzug der schweren Waffen von der Front einhält. Diplomaten aus Deutschland, Frankreich, Russland und der Ukraine hatten sich in Berlin darauf geeinigt, dass die Rebellen und die Regierungssoldaten ihre schweren Waffen jeweils 15 Kilometer von der Demarkationslinie zurückziehen sollten, die im vergangenen Herbst nach Gesprächen in Minsk festgelegt worden war.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Ukraine

Bei einem Raketenangriff auf den Flughafen von Donezk kamen nach Angaben prorussischer Separatisten 24 ihrer Kämpfer ums Leben. Sprecher Eduard Bassurin sagte, ukrainische Regierungssoldaten hätten mit Raketenwerfern auf den Terminal des Airports geschossen. Dieses Gebäude hatten die Rebellen erst vor kurzem unter ihre Kontrolle gebracht. In der Nähe wurde aber weiter gekämpft

Poroschenko versicherte, er hoffe weiter auf einen Waffenstillstand. „Wenn sich der Feind allerdings weiter weigert, den Waffenstillstand einzuhalten, wenn er dem Leiden friedlicher Menschen in ukrainischen Dörfern und Städten kein Ende setzt, werden wir ihm die Zähne einschlagen“, sagte er am Donnerstag vor Militärs.

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Der Nato zufolge werden die Rebellen aus Russland mit schweren Waffen versorgt. Nach solchen Verstärkungen seien die Aufständischen bei früheren Gelegenheiten zum Angriff übergegangen.

Die Ukraine und der Westen werfen Russland vor, die Aufständischen mit Ausrüstung und Soldaten zu unterstützen. Moskau bestreitet das.

Der Sprecher des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, Rupert Colville, sagte, in dem Konflikt seien bislang mindestes 5086 Menschen getötet worden. Es stehe zu befürchten, dass die tatsächliche Zahl noch bedeutend höher liege. Bislang hatten die Vereinten Nationen die Zahl der Opfer mit 4700 angegeben.

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