Krise im Euro-Land Frankreichs Unternehmen attackieren Hollande

Gereizte Stimmung in Paris: Frankreichs Präsident Francois Hollande stößt mit seiner Wirtschaftspolitik auf heftige Gegenwehr. In einer Zeitungsanzeige machte nun Carmignac seinem Ärger Luft.

Verärgert über die Politik von Francois Hollande hat sich nun Edouard Carmignac, Chef des gleichnamigen Fonds, in die Diskussion eingemischt und kritisiert die sozialistische Regierung aufs Schärfste. Quelle: Presse

Frankreich befindet sich im freien Fall. Die Top-Bonitätsnote ist weg, die Regierung muss die Wachstums- und Defizitzahlen regelmäßig nach unten korrigieren und der Internationale Währungsfonds nennt die zweitgrößte Volkswirtschaft im Euro-Raum "Europas größtes Sorgenkind". Die Unternehmen sind zunehmend nervös. Sie fürchten, dass sich Frankreichs Absturz fortsetzt, wenn die Regierung nicht schnellstens die Reißleine zieht.

Was die Franzosen mit Deutschland verbinden
Was die Franzosen mit Deutschland verbindenDie Deutsche Botschaft in Paris hat im vergangenen Jahr das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage vorgestellt. Die Frage lautete: Welches Bild haben die Franzosen von den Deutschen und umgekehrt? Fest steht: Es ist eine lange Geschichte der Anerkennung, aber auch der Anfeindung. Ein kurzer Überblick, über die Begriffe, mit denen die Franzosen uns Deutsche identifizieren. Quelle: dpa
Abgeschlagen auf den hinteren Plätzen landeten Begriffe wie „Hitler“, „Nazis“ und „Krieg“. Die Autoren der Studie schlussfolgern daraus: Germanophobie gibt es in Frankreich kaum noch. Gerade die jüngeren Franzosen denken mit Blick auf die vergangenen Jahrzehnte eher an den Fall der Mauer, als an Deutschlands Rolle unmittelbar vor und während des Zweiten Weltkrieges. Quelle: AP
Die Franzosen reden bei Deutschland von
Die Würstchen oder das Sauerkraut nannten zwölf Prozent der Befragten als was typisch Deutsches. Man muss davon ausgehen, dass die deftige Küche als Beispiel deutscher Kochkünste herhalten muss. Quelle: dpa
Das deutsche Auto genießt bei den Franzosen ein hohes Ansehen. 18 Prozent der Befragten gaben das an erster Stelle an - genauso viele, die
Die deutschen Rheinnachbarn werden auch stark mit ihrem Bier assoziiert: 23 Prozent der Befragten nannte als erst das deutsche Getränk par excellence. Quelle: AP
Gefragt nach einem spontanen Gedanken zu Deutschland, wurde der Nachname der deutschen Bundeskanzlerin bei der Umfrage der Deutschen Botschaft am meisten genannt. 29 Prozent der Befragten gaben

Die französische Fondsgesellschaft "Carmignac Gestion" hat bereits im Januar einen Warnschuss abgesetzt, indem sie einen Teil ihrer Fondsverwaltung aus Steuergründen nach Luxemburg verlegte. "Wir müssen Talente gewinnen und sie gut bezahlen, das Umfeld ist dafür in Frankreich nicht sehr günstig", erklärte der damalige Generaldirektor Eric Helderlé. Viele Unternehmen aus dem In- und Ausland hofften, dass die sozialistische Regierung einlenken und ihren Kurs korrigieren würde. Die Liste der Kritik ist lang: Die Einführung der Reichensteuer gehört natürlich dazu, aber auch die (im Endeffekt gestoppten) Spekulationen, Konzerne zu verstaatlichen, sollten sie Arbeitsplätze abbauen - wie konkret im Fall eines Stahlwerks von "ArcelorMittal" in Lothringen.

Doch die Warnungen verhallten. In der vergangenen Woche setzte die Regierung eine Arbeitsmarktreform um. Ihr Name: "Schutz der Beschäftigung". Arbeitnehmer sollen wieder häufiger unbefristete Verträge und bessere Leistungen aus der Kranken- und Arbeitslosenversicherung erhalten. Zu den wichtigsten Neuerungen gehört zudem, dass Unternehmen ihren Belegschaften längere Arbeitszeiten oder niedrigere Löhne abverlangen können, wenn ein Betrieb in konjunkturbedingte Schwierigkeiten gerät.

"Wir sprechen hier von einer Bestandssicherung für Arbeitsplätze und der geordneten Abwicklung im Fall von betrieblichen Schwierigkeiten. Das ganze führt keineswegs dazu, dass man mehr Flexibilität für Neueinstellungen schafft", urteilt Jörn Bousselmi, Geschäftsführer der deutsch-französischen Handelskammer in Paris. Bousselmi erwartet auch Streit bei der Beurteilung, ob ein Unternehmen konjunkturbedingt in eine Schieflage geraten ist. "Da wird dann jede Seite ihre ganz eigene Sichtweise haben."

Jobs wird die Reform so kaum schaffen. Dabei wäre es dringend nötig, den Arbeitsmarkt zu beleben. Seit 22 Monaten steigt in Frankreich die Zahl der Erwerbslosen. Inzwischen sind mehr als 3,2 Millionen Menschen ohne Job. Das entspricht einer Quote von gut zehn Prozent.

Verärgert über die Politik von Francois Hollande hat sich nun Edouard Carmignac, Chef des gleichnamigen Fonds, erneut in die Diskussion eingemischt. In ganzseitigen Zeitungsanzeigen in Deutschland kritisiert er die sozialistische Regierung aufs Schärfste.

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