Krise in Griechenland Der ganz alltägliche Bank-Run

Die Griechen schlittern in die Pleite, seit Montag haben die Banken geschlossen. Die Athener aber bleiben stoisch gelassen - das überrascht und beeindruckt.

So spotten Griechen über ihre Geldautomaten
Die Situation im Land sei nur mit Humor zu ertragen, meint der griechische Journalist Vagelis Theodorou, der diese Fotomontage ins Netz stellte. Quelle: Handelsblatt Online
"Herr, erbarme dich!" schreibt er zu einem Foto, dass ein überarbeitetes Bild einer Prozession zeigt. Statt einer Monstranz trägt eine Gruppe Männer im Anzug einen Geldautomaten spazieren. Einer der Träger: der ehemalige griechische Ministerpräsident Antonis Samaras, Amtsvorgänger von Alexis Tsipras. Das Originalbild der Prozession scheint aus dem Jahr 2011 zu stammen. Quelle: Handelsblatt Online
Vielfach geteilt wurde in Griechenland am Wochenende dieses gestellte Foto. Quelle: Handelsblatt Online
„Nur Abhebungen über 500 Euro. Wir haben keine 50, 20 und 10 Euro-Scheine. Gehen Sie für Wechselgeld zur deutschen Botschaft." Quelle: Handelsblatt Online
Ein beliebtes Spiel: Die Anzeige eines Geldautomaten mit einem anderen Motiv austauschen. Ein griechischer Experte für Gasgeräte teilte diese Bildmontage, die auf den Videospiel-Klassiker Pacman im Geldautomaten-Display zeigt. Quelle: Handelsblatt Online
Der griechische Comedian „Blink Mike“ wählte ein anderes Motiv. Er kombinierte Bilder von riesigen Rockkonzerten und einem Truppenaufmarsch aus dem Filmepos „Herr der Ringe“ und verglich sie mit dem Gedränge vor griechischen Geldautomaten. Quelle: Handelsblatt Online
Das Foto eines Geldautomaten auf der Insel Mykonos, geschmückt mit einem ironischen Zettel: „Kein Geld hier. Nur Liebe!“ Quelle: Handelsblatt Online
Deftige Worte sind in der Bildmontage dieses Geldautomaten zu lesen. Quelle: Handelsblatt Online
In diesem Geldautomaten lauert eine unangenehme Überraschung. Quelle: Handelsblatt Online
Ein Bild, das vielfach die Runde machte: Angela Merkel grüßt vom Geldautomaten. Die Montage stammt allerdings aus dem Jahr 2013 und bezog sich auf die damalige finanzielle Krise Zyperns, als auch Geldautomaten austrockneten. Erstellt worden war sie offenbar von einer spanischen Zeitung. Quelle: Handelsblatt Online

Fünf Jahre beschäftigt uns Wirtschaftsjournalisten nun schon die Schuldenkrise Griechenlands. Dort wie in anderen Südländern der Eurozone stand es immer mal wieder Spitz auf Knopf, es drohte eine Staatspleite. Die steht den Griechen nun, da ihre linksradikale Regierung das EU-Rettungspaket auslaufen lässt und die Raten an den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht mehr überweisen will, kurz bevor. Bereits am Mittwoch tritt die technische Zahlungsunfähigkeit ein.

Und? Wie fühlt sich das an? Diese Frage hat man sich immer wieder gestellt in den Jahren zuvor, als es in Griechenland oder anderswo brenzlig wurde. Als Panik pur stellt man sich so etwas vor – mit Hamsterkäufen, Straßenkämpfen, Prügeleien an Geldautomaten.

Es ist wohl kein Zufall, dass mich Freunde und Verwandte aus der Ferne fragen, ob ich denn noch genügend Bargeld bei mir habe und ob ich nicht lieber Wasserflaschen auf Vorrat kaufen sollte.

In Wahrheit fehlen nur die Klamotten, weil ich statt drei Tagen nun schon mehr als eine Woche in Athen lebe. Aber Klamotten kann man kaufen. Auch in Athen.

Das sagen Analysten zur Lage Griechenlands

Doch was passiert wirklich? Die Antwort ist schlicht: Nichts! Der Bank-Run läuft in Griechenland auf solch geordnete Weise ab, wie man es einer südeuropäisch-emotionalen Nation wie den Griechen gar nicht zutraut. Fast könnte man meinen, es seien deutsche Touristen, die in geordneten Reihen vor den Geldautomaten von Athen stehen – und zwar stoisch ruhig, ohne Panik.

Sofern die Konten gefüllt sind, spuckt der Automat pro Kunde 60 Euro am Tag aus. Also reihen sich die Athener zehn, zwölf Tage nacheinander an, und schon ist die Rente runter vom Bankkonto und unterm Kopfkissen.

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