Krise um Fillon Juppé schließt Präsidentschaftskandidatur aus

Das Drama um die Präsidentschaftskandidatur von François Fillon nimmt kein Ende. Der als Ersatzmann gehandelte Alain Juppé winkt ab - und findet harsche Worte über den angeschlagenen Kandidaten.

Krise um Fillon: Juppé schließt Präsidentschaftskandidatur aus Quelle: dpa

In der Krise um den französischen Präsidentschaftskandidaten François Fillon hat der frühere Premierminister Alain Juppé eine eigene Kandidatur ausgeschlossen. Er sei nicht in der Lage, das Lager der bürgerlichen Rechten zu versammeln, räumte Juppé ein. „Deshalb bestätige ich ein für alle Mal, dass ich nicht Kandidat für die Präsidentschaft der Republik sein werde.“ Zugleich erhob er schwere Vorwürfe gegen Fillon, den er in einer „Sackgasse“ sieht.

Fillons Wahlkampf wird seit Wochen vom Verdacht einer Scheinbeschäftigung seiner Frau belastet. Eine Reihe von Politikern hatten deshalb zuletzt Juppé als Ersatzkandidaten ins Spiel gebracht. Der 71-jährige Bürgermeister von Bordeaux gehört wie Fillon den konservativen Republikanern an.

Die konservativen Republikaner stecken keine sieben Wochen vor dem ersten Wahlgang in der Klemme. Zahlreiche Politiker der Partei waren in den vergangenen Tagen von Fillon abgerückt, dieser will aber als Kandidat weitermachen und hatte am Sonntag Zehntausende Anhänger zu einer Demonstration mobilisiert.

Nun schaltete sich auch Ex-Präsident Nicolas Sarkozy öffentlich in die Krise ein. Er schlug ein Treffen Fillons mit ihm und Juppé vor, um „einen Weg für einen würdigen und glaubwürdigen Ausweg aus einer Situation zu finden, die nicht weitergehen kann“. Am Montagabend sollte sich das politische Komitee der Republikaner treffen, in dem alle wichtigen Parteigrößen vertreten sind.

Juppé warf Fillon „Dickköpfigkeit“ vor. Dessen Verteidigungslinie, ein Komplott und eine versuchte „politische Ermordung“ anzuprangern, habe ihn in eine Sackgasse gebracht. „Was für eine Verschwendung“, sagte er mit Blick darauf, dass Fillon anfangs als Favorit der Präsidentenwahl im April und Mai gegolten hatte. Inzwischen liegt er in Umfragen abgeschlagen auf Platz Drei - und käme damit nicht in die entscheidende Stichwahl.

Frankreichs Präsident - das mächtigste Staatsoberhaupt

Ungeachtet des wachsenden innerparteilichen Drucks will Francois Fillon jedoch nicht zurück. Stattdessen appellierte er an seine republikanischen Parteifreunde, sich hinter ihn zu stellen. Seine Kandidatur sei die einzig legitime. "Es ist Zeit, dass sich alle zusammenreißen und wieder zu Verstand kommen", sagte Fillon bei einer Krisensitzung der Parteispitze.

Die Franzosen wählen ihren neuen Staatschef in zwei Runden am 23. April und am 7. Mai.

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