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Langfristkredite Nächste "Dicke Bertha" der EZB droht zu floppen

Ab Donnerstag können Banken wieder Langfristkredite bei der EZB aufnehmen. Beobachter erwarten aber keinen Run auf das billige Geld. Außerdem muss die Zentralbank an ihren Notkrediten feilen.

EZB-Chef Mario Draghi hofft, dass viele Banken das billige Geld haben wollen Quelle: dpa

Am Donnerstag kommt das nächste Geldpaket. Dann können Europas Banken das zweite Mal in diesem Jahr die zielgebundenen Langfristkredite (TLTROs) bei der Europäischen Zentralbank (EZB) abrufen. EZB-Chef Mario Draghi muss dann hoffen, dass die Institute das viele Geld zu neuen Krediten machen und damit die Wirtschaft ankurbeln.

Soweit die Theorie. In der Praxis hat schon Draghis erste "Dicke Bertha" im September nicht den gewünschten Wirkungstreffer erzielt. Vor drei Monaten orderten die Banken 82,6 Milliarden Euro bei der EZB. Von Reuters in dieser Woche befragte Geldmarkthändler gehen für die zweite Salve von 130 Milliarden aus. Das ist mehr als im September, aber weniger als die selben Händler noch vor zwei Wochen erwartet hatten.

Reaktionen auf EZB-Zinssenkung und Wertpapierkäufe


Mit ihren TLTROs will die Euro-Notenbank die Geldinstitute flüssig halten und die auslaufenden Dreijahreskredite ersetzen, die Draghi 2011/2012 auf dem Höhepunkt der Staatsschuldenkrise in Anlehnung an ein deutsches Kriegsgeschütz "Dicke Bertha" getauft hatte.

Diesmal allerdings sind die Kredite an Bedingungen geknüpft. Banken dürfen das billige Geld nur abschöpfen, wenn wenn sie mehr Kredite an Firmen vergeben als zuletzt. Dabei reicht rechnerisch schon ein Euro mehr. Das Kalkül der Europäischen Zentralbank: Sie gibt den Bankern Liquidität, mit der sie auch zu ihrem eigenen Vorteil spekulieren dürfen, so lange sie zugleich einen Teil an Mittelständler in den Euro-Ländern weiterreichen.

Zweifel am Kalkül der Banken

Analysten bezweifeln allerdings, dass viele Banken zugreifen werden. Laut einer Bloomberg-Umfrage könnte das Paket nicht einmal die Rückzahlungen abdecken, die aus einem vorangegangenen Finanzierungsprogramm fällig werden. Eine Zuteilung von 180 Mrd. Euro sei “im Grunde die Obergrenze”, sagte Thomas Harjes, leitender Europa-Ökonom bei Barclays Plc in Frankfurt., der Nachrichtenagentur.

Das Problem: Teilt die EZB nicht viele Kredite zu, kann wird das Ausweiten ihrer Bilanzsumme immer schwieriger. “Selbst mit 180 Mrd. Euro würde die EZB-Bilanzsumme mit den bestehenden Maßnahmen beträchtlich hinter dem zurückbleiben, was 'beabsichtigt' ist”, erklärt Harjes. Dabei hatte die Notenbank angekündigt, ihre Bilanzsumme auf ihr Niveau von Anfang 2012 ausweiten. Damals lag sie gut eine Billion Euro höher.

Um diese ungeheuere Summe auf die Beine zu stellen, dürfte aber weder die Nachfrage der Banken nach neuem ultrabilligem Geld ausreichen, noch der Kauf von Pfandbriefen oder Kreditverbriefungen, meinen Experten. Vieles deutet also auf ein umfangreiches Anleihekaufprogramm hin, auch Quantitative Easing genannt (QE). Experten rechnen damit, dass die EZB im kommenden Jahr mit einem solchen Programm beginnen könnte.

Während QE in den USA, Großbritannien und Japan zumindest teilweise erfolgreich war und als eine Art Super-Heilmittel der Geldpolitik gilt, ist es in Deutschland umstritten: einerseits wegen Risiken und Nebenwirkungen, andererseits wegen rechtlicher Bedenken, die insbesondere die Bundesbank hegt.

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Kniffelige Notkredite

Zusätzlich hat die EZB Ärger mit ihren Notkrediten. Wie das "Handelsblatt" berichtet, denkt die Zentralbank darüber nach, die Regeln für ihre sogenannten Ela-Hilfen zu verschärfen. Diese "Emergency Liquidity Assistance" können von den nationalen Notenbanken an Banken mit temporären Liquiditätsengpässen vergeben werden. Pleitebanken sollen das natürlich nicht sein. Bisher sind die Grenzen hier allerdings nicht klar gefasst. Unter anderem in Zypern und Griechenland sollen so schon Banken in den Genuss der Kredite gekommen sein, die eigentlich marode sind.

Nun denkt die EZB darüber nach, unter anderem die Bezugsdauer der Kredite deutlich auf maximal sechs Monate zu begrenzen. Zudem soll es bestimmte Regeln geben, die ein Institut erfüllen muss, um die Kredite in Anspruch nehmen zu dürfen.

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