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Live-Videochat Auf ein Wort mit Manuel Barroso

Live, aber farblos: EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso stellte sich in einem Video-Chat den Fragen junger Europäer zu Eurokrise und Arbeitslosigkeit. Doch das Interview blieb oberflächlich und harmlos.

Manuel Barroso Quelle: dpa

Ein modern gestyltes Fernsehstudio, zugeschaltete junge Europäer und ein EU-Kommissionschef mit grauem Anzug und blauer Krawatte: José Manuel Barroso nimmt sich in der Sendung „iTalk“ 30 Minuten Zeit für die Anliegen von Internetnutzern.

Der Portugiese sitzt auf einer offensichtlich unbequemen weißen Sitzbank und spricht auf dem Internetkanal YouTube und beim TV-Sender Euronews live über Eurokrise, Jugendarbeitslosigkeit, Bankenaufsicht und sein Lieblingsvorhaben, den europäischen Staatenbund. Das sind die klassischen Dauerbrenner, die auch in Brüsseler Bürotürmen oder im Europaparlament debattiert werden.

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Barroso antwortet auf Englisch - seine Beiträge sind ausführlich - doch sie unterscheiden sich wenig von seinen Statements in der Kommission oder in der europäischen Volksvertretung. „Wir sind jetzt näher an einer Lösung als noch vor einem Jahr“, resümiert der 56-Jährige. Auf Hintergründe der Erleichterung im Eurogebiet - wie den Anleihenkauf durch die Europäische Zentralbank - kann er aus Zeitgründen nicht eingehen.

Was Barroso will

Barroso gewinnt der schweren Krise, in der sogar das Auseinanderbrechen der Eurozone möglich schien, noch etwas Positives ab. Europa sei jetzt in aller Munde: „In den Cafés in Athen, da wird jetzt oft über Deutschland diskutiert, und in Deutschland, da diskutiert man über Griechenland - und das tun nicht nur die Eliten. Das heißt, es gibt eine Diskussion.“

Mit einem aufwendigen Video warben die Barroso-Behörde und Euronews tagelang für die Fragestunde. Rund 85.000 Mal wurde der Film auf YouTube angeklickt. Drei ausgewählte junge Europäer wurden dann in der Sendung mit der Videochat-Technik „Hangout“ des Netzwerks „Google+“ zugeschaltet. Mehrere hundert hatten zuvor ihre Anliegen per Video oder schriftlich eingereicht.

Die Herren über den Euro
Mario Draghi ist seit 1. November Präsident der EZB. Zuvor war er Gouverneur der Banca d'Italia (2006-2011) und Vizepräsident von Goldman Sachs in London (2004-2005). Quelle: rtr
Vizepräsident der EZB ist der Portugiese Vítor Constâncio. Als er Anfang 2010 auf seinen Posten gewählt wurde, unterstützte auch die Bundesregierung seine Kandidatur. Ihr Kalkül: Durch die Wahl eines Südeuropäers auf den Vize-Posten sollten die Chancen vom damaligen Bundesbank-Chef Axel Weber auf die EZB-Präsidentschaft steigen. Daraus wurde bekanntlich nichts, weil Weber im Rat isoliert war und zurücktrat. Constâncio gilt als Befürworter des Ankaufs von Staatsanleihen der Krisenländer. Quelle: rtr
Jörg Asmussen ist im EZB-Direktorium verantwortlich für  Internationales. Der frühere Staatssekretär wechselte direkt aus dem deutschen Finanzministerium in die EZB. Eigentlich wollte Bundeskanzlerin Merkel ihn als Chefvolkswirt durchsetzen... Quelle: rtr
... doch seine Kandidatur scheiterte. Da sich EZB-Chef Draghi nicht zwischen ihm und dem Franzosen Benoit Coeure entscheiden wollte, berief er stattdessen den Belgier  Peter Praet als neuen  Chefvolkswirt. Dieser gilt als solider Fachmann - und als großer Befürworter von Anleihekäufen. Quelle: dpa
Der Franzose  Benoit Coeure bekam die  Leitung der Abteilung Märkte. Damit hat er auch eine wichtige Rolle bei der Koordination der umstrittenen Staatsanleihenkäufe der EZB. Quelle: rtr
Neben dem EZB-Direktorium ist der  EZB-Rat das formale Beschlussorgan der Euro-Notenbank. Der EZB-Rat besteht aus den sechs Mitgliedern des Direktoriums sowie den 17 Chefs der nationalen Notenbanken der Eurozone. Obwohl im Direktorium geldpolitische Entscheidungen vorbereitet werden, trifft der EZB-Rat formal die Beschlüsse und legt die Geldpolitik im Euro-Raum fest. Der Rat tritt in der Regel zweimal monatlich zusammen. Seine  Mitglieder sind... Quelle: dpa
Luc CoeneGouverneur der  belgischen Zentralbank. Im Amt seit 1. April 2011. Coene gilt als fachlich gut und stabilitätsorientiert. Quelle: rtr

Nach einer Viertelstunde will Euronews-Moderator Alex Taylor wissen, was Barroso jungen Arbeitslosen rät. „Zuerst einmal versuchen, einen Job im eigenen Land zu finden“, lautet die Antwort. Barroso empfiehlt, in die eigene Ausbildung zu investieren oder auch die Stellensuche auf ganz Europa auszudehnen. Eine „magische Lösung“ habe er aber auch nicht in der Tasche. Ab und zu werden Fragen von außen zugelassen. „Das ist ja wie beim Eurovision Song Contest“, scherzt Euronews-Moderator Alex Taylor.

Vergleichbare Stimmung wie bei dem bekannten Musikwettbewerb kommt allerdings nicht auf. Am Ende reagieren zahlreiche Zuschauer enttäuscht. Auf YouTube bekommt das Video am Donnerstag mehr negative als positive Bewertungen. Auch beim Kurznachrichtendienst Twitter mäkeln einige Nutzer. „Technisch hat mir die Show gefallen“, schreibt einer von ihnen. „Aber diese Fragen... mhm.... zu lasch!“

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